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Krieg der Schlagzeilen: Trumps Krieg, Irans Leid
Medienkritik
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Krieg der Schlagzeilen: Trumps Krieg, Irans Leid

SRF/SRGEU/AussenpolitikSicherheitspolitik
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Zwischen dem 28. Februar und dem 2. April 2026 hat SRF mehr als 120 Beiträge zum Krieg im Iran publiziert. Das ist der Bedeutung des Konflikts angemessen. Es handelt sich um den grössten militärischen Konflikt seit dem Irakkrieg 2003. Die Schweiz ist als Schutzmacht der USA im Iran diplomatisch direkt involviert, und die wirtschaftlichen Folgen reichen von Energiepreisen bis zu Lieferketten und Flugverkehr. Wer SRF vorwirft, den Krieg zu wenig ernst genommen zu haben, liegt falsch. Das Problem ist nicht der Umfang der Berichterstattung. Es ist die Sprache der Schlagzeilen.

Gerade bei einem öffentlich-rechtlichen Medium sind Schlagzeilen nicht Nebensache. Für einen grossen Teil des Publikums sind sie die eigentliche Nachricht. Viele Leser sehen die Überschrift, überfliegen den Vorspann und klicken nie weiter. Wenn also der Fliesstext differenziert ist, die Schlagzeile aber bereits eine Wertung transportiert, dann erreicht die Wertung ein viel grösseres Publikum als die Differenzierung. Wer mediale Haltungen untersuchen will, sollte deshalb nicht nur Leitartikel und Kommentare lesen, sondern vor allem auf die Überschriften schauen.

Im Fall der SRF-Berichterstattung über den Iran-Krieg fällt dabei eine Asymmetrie auf. Gegenüber den USA, insbesondere gegenüber Donald Trump, wählt SRF in den Schlagzeilen auffallend häufig ein wertendes, umgangssprachliches oder spöttisches Register. Gegenüber dem Iran erscheinen die Überschriften deutlich öfter deskriptiv, einordnend oder empathisch — jedenfalls dann, wenn es nicht gerade um eine unmittelbar aggressive Handlung des Regimes geht.

Das lässt sich an einzelnen Beispielen gut zeigen. «Was Trump in seiner Rede sagt – und was er verschweigt» ist nicht neutral. «Verschweigt» unterstellt Absicht; neutraler wäre «nicht erwähnt». «Drei Wochen Planlosigkeit» ist keine Beschreibung, sondern ein Urteil. «Nato-Chef schmiert Trump Honig ums Maul» benutzt ein umgangssprachlich-abwertendes Bild, das man in dieser Form gegenüber anderen Staats- und Regierungschefs kaum erwarten würde. Ähnlich verhält es sich mit Formulierungen wie «Trump gibt den Ölflüsterer», «Trumps Wandlung zum Kriegspräsidenten» oder «Kann sich Trump einfach davonmachen?». Solche Titel rahmen nicht bloss ein Ereignis, sondern liefern dem Leser die Haltung gleich mit: planlos, eitel, widersprüchlich, verantwortungslos.

Man kann über jede einzelne Schlagzeile streiten. Entscheidend ist nicht der Einzelfall, sondern das Muster. Über Wochen hinweg werden US-Entscheidungen in den Überschriften wiederholt als diffus, widersprüchlich, teuer, rechtlich fragwürdig oder strategisch ziellos dargestellt. Dagegen erscheinen Iran-bezogene Schlagzeilen häufig in einem anderen Modus: «Klima der Angst im Iran», «Die Menschen sind machtlos und verwirrt», «Iranische Diaspora zwischen Angst und Aufbruchstimmung», «Irans Fussball-Frauen: Grosse Träume inmitten des Krieges». Das sind oft legitime Themen und sachlich vertretbare Überschriften. Aber sie operieren in einem erkennbar anderen Register: nicht spöttisch oder verächtlich, sondern beschreibend oder empathisch.

An dieser Stelle ist eine Unterscheidung wichtig. Empathie mit der iranischen Bevölkerung ist nicht dasselbe wie Nachsicht gegenüber dem iranischen Regime. Wer über Angst, Ohnmacht oder Diaspora berichtet, berichtet über Menschen, nicht über Staatsmacht. Gerade deshalb sollte die Kritik präzise bleiben. Der Punkt ist nicht, dass SRF «pro Iran» berichte. Der Punkt ist, dass die Tonlage der Schlagzeilen je nach Akteur auffallend variiert. Gegenüber Trump ist sie oft kommentierend und personalisierend. Gegenüber iranischen Akteuren ist sie häufiger nüchtern — und gegenüber iranischen Zivilisten nachvollziehbar empathisch.

Problematischer wird diese Asymmetrie dort, wo iranische Staatsvertreter selbst zu Wort kommen. Wenn ein iranischer Botschafter mit der Aussage «Solange dieser Krieg dauert, sind wir zur Verteidigung bereit» praktisch ungerahmt zur Schlagzeile wird, während amerikanische Akteure im selben Zeitraum regelmässig in wertenden Formeln erscheinen, stellt sich eine berechtigte Frage nach der redaktionellen Gleichbehandlung. Nicht jede Schlagzeile muss steril sein. Aber bei einem gebührenfinanzierten Medium darf man erwarten, dass wertende oder umgangssprachliche Zuspitzungen nicht einseitig an einem Akteur haften bleiben.

Ein nützlicher Test ist hier die Substitution. Würde SRF über andere politische Akteure in vergleichbarer Weise titeln? Würde man nach einer Rede von Selensky schreiben: «Was Selensky verschweigt»? Würde man über Macron oder Scholz schreiben, jemand «schmiere ihnen Honig ums Maul»? Würde eine diplomatische Kursänderung eines verbündeten Staatschefs als «davonmachen» beschrieben? In vielen Fällen lautet die Antwort: eher nicht. Genau darin liegt das Indiz für eine uneinheitliche sprachliche Schwelle.

Natürlich beweist eine solche Beobachtung für sich allein noch keine umfassende politische Schlagseite des gesamten Senders. Schlagzeilen entstehen unter Zeitdruck, einzelne Formulierungen können missglücken, und nicht jede Zuspitzung ist Ausdruck einer tieferen redaktionellen Linie. Auch ist zwischen Nachricht, Analyse, Interview und Kommentar sauber zu unterscheiden. Gerade deshalb sollte man mit pauschalen Vorwürfen vorsichtig sein. Aber Vorsicht bedeutet nicht Blindheit. Wenn sich über einen längeren Zeitraum hinweg in einem klar umrissenen Themenfeld ein erkennbares sprachliches Muster zeigt, dann ist es legitim, dieses Muster zu benennen.

Die eigentliche Kritik an SRF lautet daher nicht, dass der Sender Trump kritisiert oder das Leid der iranischen Bevölkerung sichtbar macht. Beides kann journalistisch richtig sein. Die Kritik lautet, dass die Wertung im Schlagzeilenregister ungleich verteilt erscheint. Ein öffentlich-rechtliches Medium schuldet seinem Publikum keine politische Neutralität im Sinn von Gedankenlosigkeit. Es schuldet ihm aber faire sprachliche Standards. Wenn der eine Akteur regelmässig gerahmt, verspottet oder vorverurteilt wird, während der andere häufiger beschrieben oder schlicht zitiert wird, dann entsteht keine Ausgewogenheit, sondern ein doppelter Massstab.

Genau dieser Eindruck drängt sich bei einem beträchtlichen Teil der SRF-Schlagzeilen zum Iran-Krieg auf. Vielleicht nicht aus böser Absicht. Vielleicht nicht einmal aus bewusster Parteinahme. Aber gerade das macht das Problem nicht kleiner, sondern grösser. Denn die wirksamste Form redaktioneller Schlagseite ist oft nicht das offene Bekenntnis, sondern die Gewohnheit — die Gewohnheit, bei manchen Akteuren sofort ins Kommentarhafte zu kippen und bei anderen im Beschreibenden zu bleiben.

Für ein privates Medium wäre das eine Frage des Stils. Für SRF ist es eine Frage des Auftrags.


Datengrundlage: Sämtliche auf srf.ch publizierten Artikel mit dem Suchbegriff «Iran», erschienen zwischen dem 21. Februar und dem 2. April 2026. Die Kategorisierung und Auszählung der Schlagzeilen erfolgte manuell. Die zitierten Schlagzeilen sind wörtlich übernommen.

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