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Die Unmöglichkeit der Entwarnung
Medienkritik
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Die Unmöglichkeit der Entwarnung

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schwerwiegend
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Wie SRF eine gute Nachricht in eine schlechte verwandelt — und warum das Wegfallen des Katastrophenszenarios nicht nur gefeiert werden sollte, sondern die gesamte Erzählung infrage stellt

Zum Beitrag von Klaus Ammann: «Keine Entwarnung bezüglich Klimaerwärmung», 20. Mai 2026


Es ist eine gute Nachricht. Das schlimmste Szenario zum Klimawandel ist unplausibel geworden. Die Welt wird nicht um 4.8 Grad erwärmen. Die Treibhausgasemissionen haben ihren Höhepunkt erreicht.

Aber SRF feiert nicht. SRF warnt. «Keine Entwarnung», heisst es im Titel.

Warum? Weil die gute Nachricht nicht nur die Dringlichkeit gefährdet — sie gefährdet das gesamte Narrativ. Wenn das schlimmste Szenario vom Tisch ist, dann stellt sich die Frage: War die Panik jemals gerechtfertigt? Und wenn die Panik nicht gerechtfertigt war, dann stellt sich die nächste Frage: Ist der Klimawandel überhaupt das, was uns gesagt wurde?

Das Narrativ, das nicht infrage gestellt werden darf

Klimawandel ist ein Faktum. Das Klima hat sich immer verändert. Es war wärmer im Mittelalter. Es war kälter in der Kleinen Eiszeit. Die Römer bauten Wein in England an. Die Wikinger besiedelten Grönland. Das sind keine Meinungen. Das sind historische Tatsachen.

Aber in der aktuellen Erzählung ist der Klimawandel nicht natürlich. Er ist menschengemacht. Er ist eine Krise. Er ist eine Existenzbedrohung. Und wer das infrage stellt, wird nicht als Skeptiker behandelt, sondern als Leugner. Als jemand, der ausserhalb des Diskurses steht. Als jemand, der wie Trump denkt.

Das ist bemerkenswert. Die Wissenschaft hat jahrzehntelang die natürliche Variabilität des Klimas untersucht. Sonnenaktivität, Ozeanzirkulation, Vulkanismus, orbitalere Zyklen — all das sind bekannte Faktoren, die das Klima beeinflussen. Aber in der öffentlichen Darstellung gibt es nur noch einen Faktor: CO₂. Und nur einen Verursacher: den Menschen.

Das ist keine Vereinfachung. Das ist eine Reduktion, die den Charakter einer Ideologie annimmt. Denn eine Ideologie zeichnet sich nicht dadurch aus, dass sie falsch liegt. Sondern dadurch, dass sie nicht infrage gestellt werden darf.

Die Grammatik der Nicht-Entwarnung

Der Titel lautet: «Keine Entwarnung bezüglich Klimaerwärmung.»

Warum ist «keine Entwarnung» die erste Reaktion auf eine gute Nachricht? Weil die gute Nachricht nicht nur die Dringlichkeit reduziert — sie öffnet die Tür zu Fragen, die nicht gestellt werden dürfen:

Wenn das schlimmste Szenario unplausibel ist, wie plausibel war es dann ursprünglich?

Wenn die Modelle um 1.3 Grad zu hoch lagen, was sagt das über die Zuverlässigkeit der verbleibenden Modelle?

Wenn die Erwärmung geringer ausfällt als befürchtet, könnte dann der menschliche Einfluss auch geringer sein als behauptet?

Wenn die Natur mehr CO₂ aufnimmt als erwartet, könnte dann die Klimasensitivität niedriger sein als im Konsens verankert?

«Keine Entwarnung» ist die präventive Antwort auf diese Fragen. Sie sagt: Auch wenn es eine gute Nachricht gibt, dürfen Sie nicht nachdenken. Sie dürfen nicht hinterfragen. Sie müssen weiter zittern.

Der Trump-Köder

Die zweite Frage des Interviews lautet: «Hat Trump recht, wenn er sagt, der Klimawandel sei Hysterie?»

Warum wird diese Frage gestellt? Trump hat die neue Studie nicht kommentiert. Trump hat nichts mit dem Wegfallen des Worst-Case-Szenarios zu tun. Trump ist ein Strohmann.

Der Zweck der Frage ist nicht, Trump zu widerlegen. Der Zweck ist, jeden zu diskreditieren, der die gute Nachricht aufgreift — und erst recht jeden, der das Narrativ selbst infrage stellt.

Wer sagt: «Das schlimmste Szenario ist vom Tisch, das ist ein Fortschritt», wird implizit in die Nähe von Trump gerückt.

Wer sagt: «Vielleicht war die Panik übertrieben», wird zum Leugner.

Wer sagt: «Klimawandel ist natürlich, die Frage ist nur, wie viel der Mensch dazu beiträgt», wird zum Ketzer.

Das ist eine rhetorische Falle. Sie zwingt den Leser in eine binäre Logik: Entweder Sie akzeptieren das gesamte Narrativ (menschengemacht, existenziell, alarmierend) oder Sie sind ein Trumpist. Es gibt keine dritte Option: die nüchterne Feststellung, dass das Klima sich immer verändert hat, dass der menschliche Beitrag unklar ist, und dass die Katastrophenszenarien politisch motiviert sein könnten.

Die beweglichen Torpfosten

Ammann sagt: «Die Auswirkungen des neuen Worst-Case-Szenarios wären wohl ungefähr gleich verheerend, wie sie vor zehn Jahren vom alten Worst-Case-Szenario erwartet worden waren.»

Das ist der bemerkenswerteste Satz des Interviews. Er bedeutet: Das schlimmste Szenario ist von 4.8 auf 3.5 Grad gesunken. Aber die erwarteten Schäden sind gleich geblieben.

Wie ist das möglich? Die Wissenschaft hat die Auswirkungen von 3.5 Grad Erwärmung nach oben korrigiert. Was vor zehn Jahren als 4.8-Grad-Schaden galt, gilt heute als 3.5-Grad-Schaden.

Das ist keine Lüge. Es ist eine Verschiebung der Referenz. Aber die Botschaft ist verheerend für die Glaubwürdigkeit: Egal was passiert, die Katastrophe bleibt gleich. Wenn die Erwärmung sinkt, steigen die erwarteten Schäden pro Grad. Die Krise ist unzerstörbar. Sie passt sich immer an.

Das ist die Logik der beweglichen Torpfosten. Und sie funktioniert nur, wenn man die Grundannahme nie infrage stellt: dass jede Erwärmung katastrophal ist. Dass das Klima optimal war, wie es war. Dass jede Abweichung eine Krise darstellt.

Aber das Klima war nie stabil. Die Temperatur der letzten 10'000 Jahre schwankte um mehr als ein Grad. Die Frage ist nicht: Erwärmt sich das Klima? Die Frage ist: Ist die aktuelle Erwärmung aussergewöhnlich? Und wenn ja, in welchem Mass?

Das sind legitime wissenschaftliche Fragen. Aber in der öffentlichen Darstellung sind sie es nicht. Dort gibt es nur eine Frage: Wie schlimm wird es? Die Frage, ob es überhaupt «schlimm» ist, wird nicht zugelassen.

Der Overshoot als theologisches Versprechen

Das bestmögliche Szenario ist auch vom Tisch. Die 1.5-Grad-Grenze wird überschritten. Aber Ammann bietet einen Ausweg: das Overshoot-Szenario. Die 1.5-Grad-Marke wird zwar gerissen, «könnte später aber auch wieder unterschritten werden – dank radikaler Klimamassnahmen und indem man der Atmosphäre CO₂ entzieht.»

Das ist kein Szenario. Das ist ein theologisches Versprechen. Es basiert auf zwei Annahmen, die beide unbewiesen sind:

Erstens: Dass wir in der Lage sein werden, der Atmosphäre CO₂ im grossen Massstab zu entziehen. Carbon Capture and Storage existiert heute nur in kleinen, teuren Pilotanlagen. Die Skalierung auf die nötige Grössenordnung ist nicht in Sicht.

Zweitens: Dass wir «radikale Klimamassnahmen» umsetzen werden, sobald die 1.5-Grad-Grenze überschritten ist. Warum sollten wir das tun, wenn wir es bisher nicht getan haben?

Aber das Overshoot-Szenario hat noch eine andere Funktion: Es setzt voraus, dass die 1.5-Grad-Grenze eine reale Schwelle ist. Eine Grenze, die nicht überschritten werden darf, ohne dass katastrophale Folgen eintreten.

Woher kommt diese Zahl? Sie ist kein physikalisches Gesetz. Sie ist ein politischer Kompromiss, der 2015 in Paris ausgehandelt wurde. Vorher gab es die 2-Grad-Grenze. Die 1.5-Grad-Grenze wurde nachträglich eingeführt — nicht weil die Wissenschaft eine plötzliche Entdeckung gemacht hatte, sondern weil kleine Inselstaaten und NGOs eine stärkere Symbolik forderten.

Das heisst: Die Grenze, die jetzt überschritten wird, war nie eine wissenschaftliche Feststellung. Sie war eine politische Setzung. Und das Overshoot-Szenario ist der Versuch, diese politische Setzung aufrechtzuerhalten, obwohl die Realität sie überholt hat.

Die Frage, die nicht gestellt wird

Die Frage lautet nicht: Ist der Klimawandel eine Bedrohung? (Das Klima ist immer eine Bedrohung gewesen — und eine Chance. Eiszeiten haben Zivilisationen beendet. Warmzeiten haben sie ermöglicht.)

Die Frage lautet: Warum wird jede gute Nachricht sofort neutralisiert? Warum wird das Wegfallen des schlimmsten Szenarios nicht als Fortschritt gefeiert, sondern als Bestätigung der Katastrophe umgedeutet? Warum werden die Torpfosten immer so verschoben, dass die Krise immer gleich gross bleibt?

Die Antwort lautet: Weil die Krise nicht nur eine Krise ist. Sie ist ein Argument. Ein Argument für mehr Staat, mehr Regulierung, mehr Umverteilung, mehr Kontrolle. Wenn die Krise kleiner wird, wird das Argument schwächer. Also darf die Krise nicht kleiner werden.

Und weil die Krise ein Argument ist, darf sie nicht infrage gestellt werden. Die Frage, ob der Klimawandel primär natürlich oder menschengemacht ist, ist keine wissenschaftliche Frage mehr. Sie ist eine politische Frage. Wer sie stellt, stellt das Argument infrage. Und wer das Argument infrage stellt, wird zum Feind.

Das ist nicht Wissenschaft. Das ist Ideologie. Und SRF ist nicht der Beobachter. SRF ist der Übermittler.


Das schlimmste Klimaszenario ist unplausibel geworden. Das ist eine gute Nachricht. Aber SRF sagt: «Keine Entwarnung.» Warum? Weil die gute Nachricht nicht nur die Dringlichkeit reduziert — sie gefährdet das gesamte Narrativ. Wenn die Katastrophe ausbleibt, stellt sich die Frage: War die Panik jemals gerechtfertigt? Und wenn die Panik nicht gerechtfertigt war, dann stellt sich die nächste Frage: Ist der Klimawandel überhaupt das, was uns gesagt wurde? Natürlich verändert sich das Klima. Es hat sich immer verändert. Die Frage ist nicht, ob sich das Klima ändert, sondern ob der menschliche Beitrag so dominant ist, wie behauptet — und ob die Konsequenzen so katastrophal sind, wie prophezeit. Aber diese Fragen dürfen nicht gestellt werden. Wer sie stellt, wird mit Trump in Verbindung gebracht. Wer die gute Nachricht betont, wird zum Leugner. Die Krise darf nicht kleiner werden. Sie darf nicht infrage gestellt werden. Sie darf nur die Form wechseln. Das ist keine Klimaberichterstattung. Das ist die Verwaltung eines Arguments.

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