9min
Die unendliche Logik
Medienkritik
15 Minuten

Die unendliche Logik

SRF/SRGKlima/EnergieMigration
schwerwiegend
Teilen

Wie SRF eine Demonstration feiert, die auf einer Prämisse aufbaut, die nie bewiesen wurde, die absurde Gleichung «Mehr Menschen = weniger CO₂» unwidersprochen lässt, den Klassenkampf als Argumentationsersatz präsentiert und nicht fragt, wie eine wachsende Bevölkerung je schrumpfende Emissionen erzeugen soll – ausser man glaubt an eine Formel, welche die Realität nicht abbildet

Zum SRF-Beitrag «Klimastreik nimmt an Demo in Bern SVP-Initiative ins Visier», 22. Mai 2026


Es ist eine Demonstration für das Klima. Gegen die SVP-Initiative. Für mehr Klimagerechtigkeit. Gegen Abschottung. Für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Für eine nachhaltige Energiewende.

Es ist die Demonstration, die SRF beschreibt. Und sie ist bemerkenswert. Nicht wegen der Grösse. 3000 bis 5000 Menschen auf dem Bundesplatz – das ist ein Freitagabend in der Bar Kaserne. Sondern wegen der Logik. Oder genauer: Wegen der Abwesenheit von Logik.

Denn die Demonstration vereint zwei Positionen, die sich gegenseitig aufheben. Und SRF merkt es nicht. Oder will es nicht merken.

Die Prämisse, die nie hinterfragt wird

Bevor man über die Gleichung spricht, muss man über die Prämisse sprechen. Die Prämisse lautet: CO₂ ist das Problem. CO₂ ist der Klimatreiber. CO₂ muss reduziert werden. Alles andere folgt aus dieser Prämisse.

Aber was, wenn die Prämisse falsch ist?

Was, wenn CO₂ nicht der dominierende Klimatreiber ist, sondern ein Spurengas, das in der Atmosphäre einen Anteil von 0,04 Prozent hat? Was, wenn die Erwärmung der letzten Jahrzehnte nicht primär auf CO₂ zurückzuführen ist, sondern auf natürliche Zyklen – Sonnenaktivität, Ozeanströmungen, Wolkenbildung –, die wir nicht verstehen und nicht modellieren können? Was, wenn die Modelle, die den CO₂-Einfluss berechnen, mit Annahmen gefüttert sind, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen? Was, wenn der «Konsens» der Klimaforschung ein Selbstbestätigungsmechanismus ist, der Kritiker ausschliesst, statt sie zu widerlegen?

Die Antwort lautet: Dann ist die gesamte Demonstration gegenstandslos. Dann kämpfen 3000 Menschen auf dem Bundesplatz gegen ein Problem, das keines ist. Dann fordern sie Opfer für eine Sache, die nicht gerechtfertigt ist. Dann deckeln sie ein Gas, das pflanzliches Leben ermöglicht, statt die wirklichen Probleme anzugehen: Verschmutzung, Zersiedelung, Ressourcenverschwendung, Abhängigkeit von instabilen Regimen.

Aber SRF stellt diese Frage nicht. Es übernimmt die Prämisse als Fakt. Es schreibt von «Klimagerechtigkeit», als ob klar wäre, was das ist. Es schreibt von «Klimastreik», als ob klar wäre, wogegen gestreikt wird. Es schreibt von «nachhaltiger Energiewende», als ob klar wäre, dass die aktuelle Energiewende nachhaltig ist.

Die Prämisse wird nie hinterfragt. Sie ist das Fundament. Und das Fundament ist ein Glaube. Keine Tatsache.

Die Gleichung, die nicht aufgeht

Selbst wenn man die Prämisse akzeptiert – dass CO₂ das Problem ist –, bleibt die Demonstration absurd.

Der Slogan auf den Transparenten lautet: «CO₂ statt Menschen deckeln.»

Deckelt CO₂, nicht Menschen. Begrenzt Emissionen, nicht Bevölkerung. Reduziert den Ausstoss, nicht den Zuzug.

Es klingt vielleicht plausibel. Ist es nicht.

Die Gleichung lautet: Gesamt-Emissionen = Bevölkerung × Pro-Kopf-Emissionen.

Das ist keine politische Aussage. Das ist Mathematik. Die Gesamtmenge der CO₂-Emissionen eines Landes ist das Produkt aus der Anzahl der Menschen und dem durchschnittlichen Ausstoss pro Mensch.

Wenn die Bevölkerung wächst – und die Schweiz wächst, Jahr für Jahr, durch Zuwanderung –, dann müssen die Pro-Kopf-Emissionen sinken, damit die Gesamt-Emissionen sinken. Oder konstant bleiben. Oder auch nur langsamer wachsen.

Das heisst: Jede zusätzliche Person, die in der Schweiz lebt, muss weniger emittieren als der Durchschnitt, damit die Gesamt-Emissionen nicht steigen. Und da der Durchschnitt bereits sinken muss, um die Klimaziele zu erreichen, muss jede zusätzliche Person noch weniger emittieren als der bereits sinkende Durchschnitt.

Man rechne: Die Schweiz hat rund 9 Millionen Einwohner. Die Netto-Emissionen betragen rund 40 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr. Das sind rund 4,4 Tonnen pro Kopf. Das Ziel für 2030 lautet: 50 Prozent weniger als 1990. Das wären rund 25 Millionen Tonnen. Bei 9 Millionen Einwohnern wären das 2,8 Tonnen pro Kopf. Bei 10 Millionen Einwohnern wären es 2,5 Tonnen. Bei 11 Millionen wären es 2,3 Tonnen.

Jede zusätzliche Million Einwohner senkt den erlaubten Pro-Kopf-Ausstoss. Und gleichzeitig erhöht sie die Gesamt-Emissionen – es sei denn, der Pro-Kopf-Ausstoss sinkt schneller als die Bevölkerung wächst.

Das ist die Logik der Demonstration: Mehr Menschen, weniger Emissionen. Das geht nur, wenn die Pro-Kopf-Emissionen schneller sinken als die Bevölkerung wächst. Und das geht nur, wenn die Pro-Kopf-Emissionen gegen null tendieren.

Aber null ist kein Ziel. Null ist ein Tod. Eine Gesellschaft mit null Emissionen pro Kopf ist eine Gesellschaft ohne Energie, ohne Mobilität, ohne Industrie, ohne Landwirtschaft. Eine Gesellschaft, die nicht existiert.

Die Frage lautet nicht: Deckeln wir CO₂ oder Menschen? Die Frage lautet: Wie viele Menschen können in der Schweiz leben, wenn wir die Pro-Kopf-Emissionen auf einem realistischen Niveau halten wollen? Und: Wo liegt die Grenze?

Der Klimastreik stellt diese Frage nicht. Er fordert: Mehr Menschen, weniger CO₂. Ohne zu sagen, wie das gehen soll. Ohne die Mathematik zu erklären. Ohne die Konsequenz zu benennen: dass jede zusätzliche Person den Druck auf die Pro-Kopf-Reduktion erhöht.

Und SRF? SRF fragt nicht nach. Es zitiert den Slogan. Es fotografiert die Transparente. Es beschreibt die Demonstration. Aber es durchdenkt die Logik nicht. Es prüft die Gleichung nicht. Es fragt nicht, ob «CO₂ statt Menschen deckeln» eine Lösung ist oder ein Widerspruch.

Der Privatjet, der nicht erklärt

Der zweite Slogan lautet: «Unser Problem sitzt nicht im Schlauchboot, sondern im Privatjet.»

Das ist Klassenkampf. Nicht Klimaschutz. Es sagt: Die Reichen sind das Problem. Nicht die Armen. Die Flüchtlinge sind nicht das Problem. Die Milliardäre sind das Problem. Die im Schlauchboot kommen, sind unschuldig. Die im Privatjet fliegen, sind schuldig.

Das ist moralisch befriedigend. Aber es ist klimatisch irrelevant – selbst wenn man die Prämisse akzeptiert, dass CO₂ das Problem ist.

Ein Privatjet stösst pro Flug zwischen 2 und 10 Tonnen CO₂ aus. Wenn ein Milliardär 50 Flüge pro Jahr macht, sind das 100 bis 500 Tonnen. Das ist viel für eine Einzelperson. Aber es ist nichts im Vergleich zur Gesamtmenge.

Die Schweiz stösst 40 Millionen Tonnen CO₂ aus. Wie viele Privatjets gibt es in der Schweiz? Vielleicht 100. Vielleicht 200. Selbst wenn jeder 500 Tonnen ausstösst, sind das 100'000 Tonnen. Das sind 0,25 Prozent der Gesamt-Emissionen.

Und die Menschen, die im Schlauchboot kommen? Sie kommen nicht im Schlauchboot. Sie kommen im Auto. Oder im Zug. Und wenn sie in der Schweiz ankommen, wohnen sie in Wohnungen, die geheizt werden. Sie essen Lebensmittel, die produziert werden. Sie fahren Autos oder benutzen den öffentlichen Verkehr. Sie konsumieren. Und jeder Konsum verursacht Emissionen.

Eine Person in der Schweiz stösst durchschnittlich 4,4 Tonnen CO₂ pro Jahr aus. Eine Million zusätzliche Personen stossen 4,4 Millionen Tonnen aus. Das sind 11 Prozent der Gesamt-Emissionen.

Das Problem ist nicht der Privatjet. Das Problem ist die Menge. Die Menge an Menschen, die konsumieren, heizen, fahren, essen, wohnen. Und jede zusätzliche Person erhöht die Menge.

Aber selbst das ist nur dann ein Problem, wenn CO₂ ein Problem ist. Wenn CO₂ nicht das Problem ist, dann ist der Privatjet ebenso irrelevant wie das Schlauchboot. Dann ist die gesamte Debatte ein Scheingefecht. Dann kämpfen 3000 Menschen auf dem Bundesplatz gegen Windmühlen – und SRF berichtet darüber, als wären es Drachen.

Der Klimastreik nennt den Privatjet, weil der Privatjet das Symbol ist. Das Symbol für die Ungerechtigkeit. Für die Ungleichheit. Für die Schuld der Reichen. Aber das Symbol ist nicht die Lösung. Die Lösung wäre die Frage: Ist CO₂ überhaupt das Problem? Und wenn nicht: Wogegen demonstrieren wir eigentlich?

Und SRF? SRF zitiert den Slogan. Es fotografiert das Transparent. Aber es fragt nicht: Stimmt die Behauptung? Ist der Privatjet das Problem? Oder ist die Menge das Problem? Ist die Zuwanderung klimarelevant? Oder ist die Prämisse klimarelevant – die Prämisse, dass CO₂ das Problem ist?

Es lässt die Behauptung stehen. Und damit wird sie zur Wahrheit. Nicht weil sie stimmt. Sondern weil sie nicht hinterfragt wird.

Die Ablenkung, die eine ist

Der Klimastreik wirft der SVP vor, sie betreibe ein «Ablenkungsmanöver». Mit der Initiative lenke sie von den wahren Problemen ab: überfüllte Züge, zu hohe Mieten, Klimaschutz.

Das ist eine bemerkenswerte Behauptung. Denn wer lenkt hier von wem ab?

Die SVP-Initiative behandelt die Bevölkerungsentwicklung. Sie fragt: Wie viele Menschen soll die Schweiz aufnehmen? Wo sind die Grenzen? Was bedeutet Wachstum für die Infrastruktur, die Wohnungen, die Natur?

Das sind legitime Fragen. Fragen, die mit dem Alltag zu tun haben. Fragen, die mit den überfüllten Zügen zu tun haben. Fragen, die mit den hohen Mieten zu tun haben. Denn überfüllte Züge und hohe Mieten sind Symptome des Wachstums. Und das Wachstum ist ein Symptom der Zuwanderung.

Der Klimastreik sagt: Die SVP lenkt ab. Die wahren Probleme sind der Klimawandel, die fehlenden Investitionen in den öffentlichen Verkehr, die ungenügende Energiewende. Die Lösung lautet: Mehr Geld für den Ausbau. Mehr Geld für die nachhaltige Wende. Mehr Geld für den Klimaschutz.

Aber mehr Geld für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs löst das Problem der überfüllten Züge nur, wenn der Ausbau schneller geht als das Wachstum. Und das tut er nicht. Die Züge sind nicht überfüllt, weil es zu wenig Züge gibt. Sie sind überfüllt, weil es zu viele Menschen gibt, die in die Züge steigen. Und jede zusätzliche Person, die in die Schweiz kommt, steigt in einen Zug.

Der Klimastreik fordert: Mehr Züge. Mehr Geld. Mehr Ausbau. Aber er fragt nicht: Wie viele Menschen können in die Züge steigen, bevor auch die neuen Züge überfüllt sind? Wie oft müssen wir ausbauen, bevor der Ausbau nicht mehr reicht? Wo ist die Grenze?

Die SVP fragt nach der Grenze. Der Klimastreik fragt nach dem Geld. Die SVP fragt nach der Ursache. Der Klimastreik fragt nach der Massnahme. Die SVP fragt: Wie viele Menschen verträgt das Land? Der Klimastreik fragt: Wie viele Milliarden brauchen wir?

Wer lenkt hier von wem ab? Die SVP, welche die Ursache benennt? Oder der Klimastreik, der die Ursache ignoriert und nach Geld ruft – für ein Problem, das vielleicht gar keines ist?

Denn die grösste Ablenkung ist nicht die SVP. Die grösste Ablenkung ist die gesamte Klimadebatte. Die Debatte, die uns einredet, CO₂ sei das Problem. Die Debatte, die uns zwingt, über Emissionen zu diskutieren, statt über Verschmutzung, Zersiedelung, Ressourcenverschwendung. Die Debatte, die uns glauben macht, wir könnten das Klima retten, wenn wir nur genug deckeln, reduzieren, kompensieren. Die Debatte, die uns ablenkt von der Frage: Wem nützt es, dass wir über CO₂ streiten, statt über die wirklichen Probleme?

Und SRF? SRF zitiert den Vorwurf der Ablenkung. Ohne ihn zu prüfen. Ohne zu fragen, ob der Klimastreik selbst ablenkt – von der Frage, ob CO₂ überhaupt das Problem ist. Ohne die Logik der Behauptung zu durchleuchten. Es lässt den Vorwurf stehen. Und damit wird er zur Wahrheit. Nicht weil er stimmt. Sondern weil er nicht hinterfragt wird.

Die Jugend, die nicht zahlt

SRF schreibt: «Menschen unter 25 Jahren waren in der Mehrzahl.»

Das ist keine Überraschung. Der Klimastreik ist eine Jugendbewegung. Greta Thunberg war 15, als sie anfing. Die Demonstranten auf dem Bundesplatz sind jung. Sie sind Schülerinnen und Schüler. Studentinnen und Studenten. Sie haben Zeit. Sie haben Idealismus. Sie haben Wut.

Aber sie haben keine Erfahrung. Keine Verantwortung. Keine Rechnung.

Sie fordern mehr Geld für den öffentlichen Verkehr. Aber sie zahlen keine Steuern, die den Verkehr finanzieren. Sie fordern mehr Geld für die Energiewende. Aber sie zahlen keine Energiepreise, die durch die Wende steigen. Sie fordern mehr Geld für den Klimaschutz. Aber sie zahlen keine Rechnung, die der Schutz verursacht.

Und sie fordern: Keine Bevölkerungsbegrenzung. Mehr Menschen. Mehr Zuwanderung. Mehr Wachstum. Denn Wachstum ist gut. Wachstum ist Leben. Wachstum ist Fortschritt.

Aber sie fragen nicht: Wer zahlt für das Wachstum? Wer baut die Wohnungen? Wer betreibt die Züge? Wer heilt die Kranken? Wer pflegt die Alten? Und: Wo bleiben die Wälder, die Wiesen, die Flüsse, die Auen, die der Klimastreik eigentlich schützen will?

Die Jugend demonstriert für das Klima. Und gegen die Bevölkerungsbegrenzung. Sie will beides: das Klima schützen und das Wachstum fördern. Sie will weniger CO₂ und mehr Menschen. Sie will die Natur bewahren und die Zersiedelung akzeptieren. Sie will die Grenzen des Wachstums erkennen – und sie ignorieren.

Das ist die Logik der Jugend. Die Logik derer, die noch nicht gemerkt haben, dass man nicht alles haben kann. Dass es Grenzen gibt. Dass man wählen muss. Dass man opfern muss.

Und das Schlimmste: Sie opfern für eine Sache, die nie bewiesen wurde. Sie demonstrieren für eine Prämisse, die ein Glaube ist. Sie kämpfen gegen ein Gas, das Pflanzen zum Wachsen brauchen. Sie fordern Deckel, die niemandem nützen – ausser denen, die von der Angst profitieren. Denen, die Subventionen kassieren für Technologien, die nicht funktionieren. Denen, die Macht gewinnen durch die Regulierung des Lebens. Denen, welche die CO₂-Industrie aufgebaut haben – eine Industrie, die nichts produziert ausser Ablassbriefen.

Und SRF? SRF feiert die Jugend. Es zitiert ihre Slogans. Es fotografiert ihre Transparente. Aber es fragt nicht: Ist die Logik stimmig? Ist die Forderung realistisch? Ist der Widerspruch lösbar? Und vor allem: Ist die Prämisse überhaupt richtig?

Es lässt die Jugend reden. Und es nennt das Berichterstattung.

Die Frage, die SRF nicht stellt

Die Frage lautet nicht: Ist die Demonstration berechtigt?

Die Frage lautet: Ist CO₂ überhaupt das Problem? Oder ist die CO₂-Hypothese eine Prämisse, die nie bewiesen wurde – eine Modellannahme, die von einer Forschungsgemeinschaft gestützt wird, die Kritiker ausschliesst, statt sie zu widerlegen? Eine Doktrin, die nicht hinterfragt werden darf, weil sie das Fundament einer ganzen Industrie ist – der Industrie der Angst, der Subventionen, der Macht?

Die Frage lautet: Selbst wenn CO₂ das Problem ist – wie kann eine wachsende Bevölkerung schrumpfende Emissionen erzeugen? Wie kann mehr Wachstum weniger Belastung bedeuten? Wie kann die Gleichung aufgehen: Gesamt-Emissionen = mehr Menschen × weniger Pro-Kopf-Emissionen?

Die Frage lautet: Wenn der Privatjet das Problem ist – warum sind die Emissionen in den letzten 20 Jahren gestiegen, obwohl die Privatjets gleich geblieben sind? Weil die Bevölkerung gewachsen ist? Weil der Konsum gewachsen ist? Weil die Menge gewachsen ist?

Die Frage lautet: Wer lenkt von wem ab? Die SVP, welche die Bevölkerungsentwicklung thematisiert? Oder der Klimastreik, der die Bevölkerungsentwicklung ignoriert und nach Geld ruft – für ein Problem, das vielleicht gar keines ist?

Die Frage lautet: Ist es Ablenkung, wenn man die Ursache benennt? Oder ist es Ablenkung, wenn man die Ursache verschweigt und die Symptome behandelt? Und: Ist die grösste Ablenkung nicht die gesamte Klimadebatte – die uns zwingt, über CO₂ zu streiten, statt über die wirklichen Probleme?

Die Frage lautet: Wenn die Jugend für das Klima demonstriert – warum demonstriert sie dann gegen die Bevölkerungsbegrenzung? Warum fordert sie mehr Menschen, wenn mehr Menschen mehr Emissionen bedeuten – selbst nach der eigenen Logik? Warum fordert sie Wachstum, wenn Wachstum die Natur zerstört, die sie schützen will? Und warum fordert sie all das für eine Prämisse, die nie bewiesen wurde?

SRF stellt keine dieser Fragen. Es zitiert die Slogans. Es fotografiert die Transparente. Es beschreibt die Demonstration. Aber es durchdenkt die Logik nicht. Es prüft die Gleichung nicht. Es hinterfragt die Prämisse nicht. Es fragt nicht, ob «CO₂ statt Menschen deckeln» eine Lösung ist oder ein Widerspruch. Und es fragt nicht, ob das Problem, das gelöst werden soll, überhaupt existiert.

Das ist keine Berichterstattung über eine Demonstration. Das ist die Reproduktion einer Perspektive, welche die Prämisse nie hinterfragt. Die mehr Menschen und weniger Emissionen fordert, ohne zu erklären, wie das gehen soll. Die den Privatjet als Problem benennt und die Menge ignoriert. Die Perspektive, die SVP der Ablenkung bezichtigt und selbst ablenkt – von der Frage, ob CO₂ überhaupt das Problem ist. Die die Jugend feiert und ihre Logik nicht hinterfragt. Die eine Demonstration beschreibt, die gegen ein Gas kämpft, das Pflanzen zum Wachsen brauchen – und für eine Bevölkerung, die wachsen soll, ohne dass die Emissionen wachsen. Als ob die Mathematik sich nach der Moral richten würde.


SRF berichtet über eine Demonstration des Klimastreiks gegen die SVP-Initiative «Keine 10-Mio-Schweiz». Es zitiert die Slogans: «CO₂ statt Menschen deckeln» und «Unser Problem sitzt nicht im Schlauchboot, sondern im Privatjet». Aber es fragt nicht, ob CO₂ überhaupt das Problem ist – oder ob die CO₂-Hypothese eine Prämisse ist, die nie bewiesen wurde, gestützt von einem Konsens, der Kritiker ausschliesst, statt sie zu widerlegen. Es fragt nicht, ob die Gleichung aufgeht: Wie kann eine wachsende Bevölkerung schrumpfende Emissionen erzeugen? Es fragt nicht, ob der Privatjet das Problem ist oder die Menge. Es fragt nicht, wer von wem ablenkt – die SVP, die die Ursache benennt, oder der Klimastreik, der sie ignoriert. Es fragt nicht, warum die Jugend für das Klima und gegen die Bevölkerungsbegrenzung demonstriert, obwohl mehr Menschen mehr Emissionen bedeuten – selbst nach der eigenen Logik. Es fragt nicht, weil die Antwort den Widerspruch offenbaren würde: dass man nicht beides haben kann – weniger CO₂ und mehr Menschen. Dass man wählen muss. Dass es Grenzen gibt. Auch für die gute Sache. Und vor allem: Dass die gute Sache vielleicht gar nicht so gut ist, wie sie behauptet – wenn das Problem, das sie lösen will, vielleicht gar nicht existiert.

Originalbeitrag auf X →

Ähnliche Beiträge

Kein Artikel verpassen.