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Die Schule der Träger
Medienkritik
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Die Schule der Träger

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Eine Woche nach der MAZ-Reform: Das Schweigen auf SRF

I. Was 1984 gebaut wurde

Als die SRG 1984 in Luzern das MAZ mitgründete, war das eine institutionelle Antwort auf eine institutionelle Frage: Wer garantiert, dass Journalismus in der Schweiz ein Handwerk mit Standards bleibt — und nicht einfach das, was Redaktionen unter Zeitdruck produzieren? Die Antwort war eine Stiftung, getragen von der Branche selbst: SRG, Verleger, Berufsverbände.

Die Konstruktion hatte von Anfang an eine eingebaute Spannung. Eine Schule, die von der Branche finanziert wird, soll dieselbe Branche mit Standards konfrontieren, die unbequem sein können. Das funktioniert, solange die Schule ein Instrument besitzt, das ausserhalb der Branchenökonomie steht. Dieses Instrument war die Aufnahmeprüfung: Allgemeinwissen, Nachrichten und Kommentare verfassen, Schreiben über einen Schauplatz, persönliches Gespräch. Entscheidend war der Notenschnitt — nicht die Anstellung, nicht die Empfehlung, nicht das Budget eines Verlagshauses.

Die Prüfung sagte: Das Handwerk hat eine Messlatte, und sie gehört niemandem.

II. Was abgeschafft wurde

Am 3. Juni 2026 teilte das MAZ mit, dass diese Messlatte fällt. Die separate Zulassungsprüfung entfällt; ab 2027 genügt eine Festanstellung oder eine regelmässige freie Mitarbeit in einer Redaktion, um das zweijährige Diplomstudium aufzunehmen. Dazu: ein möglicher Wechsel der Spezialisierung im zweiten Studienjahr und die Reduktion auf 280 Praxistage — zusammen mit den Kurstagen ein Pensum von etwa 80 Prozent. Das MAZ nennt die Anpassungen eine «Reaktion auf die aktuellen Bedürfnisse der Medienbranche».

Das Institut kämpft mit roten Zahlen. Das ist die ganze Arithmetik dieser Reform, und sie ist nicht kompliziert: Eine Schule, die Defizite schreibt, kann es sich nicht leisten, zahlende Studierende an einer Prüfung scheitern zu lassen. «Bedürfnisse der Medienbranche» ist die höfliche Formulierung dafür.

III. Das Steel-Man

Die stärkste Verteidigung der Reform geht so: Die Aufnahmeprüfung war nie der einzige Filter — und vielleicht nicht einmal der wichtigste. Wer eine Festanstellung oder regelmässige Mandate in einer Redaktion hat, wurde bereits geprüft, und zwar unter realen Bedingungen: von Tagesproduktion, Deadlines, Publikum. Eine Klausur kann simulieren; der Redaktionsalltag selektiert. Dazu war die Prüfung schon vorher durchlässig — wer den Bachelor am IAM der ZHAW abschloss, musste sie nicht absolvieren. Und die Flexibilisierung antwortet auf ein reales Problem: Eine Ausbildung, die sich nur leisten kann, wer keine Familie und keine Miete hat, produziert einen Berufsstand aus einem einzigen Milieu.

Das Argument ist ernst zu nehmen. Es scheitert an einer einzigen Frage: Wer prüft jetzt?

IV. Die Schlaufe — und das dokumentierte Schweigen

Mit dem Wegfall der Prüfung gibt es nur noch einen Zugang zum Diplom: die Anstellung durch eine Redaktion. Die Redaktionen gehören Verlagen und der SRG. Die Verlage und die SRG tragen die Stiftung. Die Stiftung betreibt die Schule. Die Schule diplomiert, wen die Träger eingestellt haben. Kein Punkt auf diesem Kreis liegt mehr ausserhalb der Branchenökonomie. Das ist Die Schlaufe in Reinform — keine Verschwörung, sondern Komfort unter Defizitdruck. Aber das Resultat ist dasselbe, als hätte man es geplant: Die Definitionsmacht über journalistische Qualität liegt vollständig bei den Arbeitgebern.

In der ersten Fassung dieses Textes war der Befund zur SRF-Berichterstattung vorläufig. Er ist es nicht mehr.

Das Protokoll: Zwischen dem 3. und dem 10. Juni 2026 — sieben volle Tage — findet sich weder auf srf.ch noch im SRF-Medienportal ein Beitrag zur MAZ-Reform. Das Medienportal hatte in derselben Woche Platz für den «Schwingklub-Talk», das Lernfilm-Festival und die Sommertour des «Donnschtig-Jass». Die Abschaffung des unabhängigen Qualitätsfilters der wichtigsten Journalistenschule des Landes: kein Wort.

Das Steel-Man des Schweigens: Es war keine ruhige Woche. Am 4. Juni — einen Tag nach der MAZ-Mitteilung — wurde der grosse SRG-Umbau publik: Sparprogramm, fast alle Kaderstellen neu ausgeschrieben, Chefredaktor Tristan Brenn tritt nach zwölf Jahren ab, eine neue Geschäftsleitung um Direktor Roger Elsener formiert sich. Man kann argumentieren: Ein Haus, das sich selbst neu erfindet, hat keine Kapazität für eine Meldung über eine Journalistenschule.

Aber genau dieses Argument dreht sich um. Die SRG begründet ihren Umbau öffentlich damit, Themen wie «Desinformation, Fake News oder einseitige Berichterstattung» blieben zentral — und übergeht in derselben Woche schweigend die Nachricht, dass die Ausbildungsstätte, die sie mitgegründet hat und mitfinanziert, ihren letzten anstellungsunabhängigen Qualitätsstandard abschafft. Wer Qualität zum Daseinszweck erklärt, kann den Abbau von Qualitätssicherung im eigenen Stiftungshaus nicht zur Nichtmeldung erklären. Die Asymmetrie ist die Evidenz: Schwingklub ja, MAZ nein. Das ist Das Schweigen — nicht als Vorwurf, sondern als Messresultat nach sieben Tagen.

Und die Befangenheit ist dreifach dokumentierbar: Mitgründerin der Stiftung, jährliche Geldgeberin, Hauptabnehmerin der Absolventen — bis hin zur SRF-Bundeshauskorrespondentin Nathalie Christen, die auf der MAZ-Website als Testimonial wirbt. Eine Redaktion in dieser Lage hatte drei Optionen: nicht berichten, die Mitteilung übernehmen oder die eigene Trägerrolle offenlegen und trotzdem kritisch fragen. Sie hat die erste gewählt. Es war die bequemste.

V. Der Celio-Standard, angewendet

Registrierend? Die Fachpresse — Klein Report, persoenlich.com — registrierte, was die Mitteilung vorgab: drei Neuerungen, ab 2027, Pensum 80 Prozent. Keine Nachfrage zum Defizit, keine Bewerberzahlen, keine Gegenstimme. SRF registrierte nicht einmal das.

Berichte beider Seiten? Es gibt in der gesamten Berichterstattung nur eine Seite: die der Schulleitung. Es gibt mit Sicherheit MAZ-Dozierende, Prüfungsexperten, Alumni, die diese Reform für einen Fehler halten. Nach sieben Tagen hat sie niemand gefragt.

Voreilige Meinungsäusserungen? Kein explizites Urteil, nirgends. Aber das Urteil steckt in der Auslassung: Wer eine Reform ohne ihre Ursache, ohne ihre Konsequenz und ohne ihre Kritiker präsentiert — oder gar nicht —, hat geurteilt. Zugunsten der Institution, durch Unterlassen.

VI. Was auf dem Spiel steht

Der Zeitpunkt macht das Schweigen schwerer, nicht leichter. Am 8. März 2026 haben über 60 Prozent der Stimmenden die Kürzung der Rundfunkgebühren abgelehnt. Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes haben dem öffentlichen Rundfunk vor drei Monaten an der Urne den Rücken gestärkt — im Vertrauen darauf, dass er die Funktion erfüllt, für die sie bezahlen. Dieses Vertrauen ist ein Kredit. Ein Haus, das diesen Kredit eben erst erhalten hat, schuldet dem Souverän Rechenschaft gerade dort, wo es selbst verstrickt ist: bei der Frage, wer künftig nach welchen Standards Journalistin wird.

Die Aufnahmeprüfung war ein kleines Instrument. Aber sie war das einzige im System, das sagen konnte: Qualität ist nicht identisch mit Anstellbarkeit. Dieses Instrument ist weg. Was bleibt, ist eine Schule, deren Standards von denselben Häusern definiert werden, die sie finanzieren und deren Absolventen sie beschäftigen — und ein öffentlicher Rundfunk, der sieben Tage Zeit hatte, darüber zu berichten, und es nicht tat.

Die Reform mag betriebswirtschaftlich alternativlos sein. Das Schweigen war es nicht.

Drei Monate nach dem Ja des Souveräns zur Gebühr wäre die kleinste Gegenleistung gewesen, eine Meldung über die eigene Stiftung zu bringen. Sie hätte neun Minuten gedauert.

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