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Die PR-Expertin und die Reinwaschung
Medienkritik
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Die PR-Expertin und die Reinwaschung

SRF/SRGDemokratieMedienrecht
schwerwiegend
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Es ist tatsächlich bemerkenswert.

SRF hat diese Woche eine Karriere beendet. Strafbefehl angefordert, Sponsoren kontaktiert, Druckkaskade ausgelöst, im eigenen Studio die eigene Wirkung gefeiert. Zwei Tage später ist der Mann seinen Job los.

Und dann produziert dieselbe Redaktion einen sechzehnminütigen Podcast mit dem Titel «Wie kommt man durch einen Skandal?»

Man muss einen Moment nehmen, um die Dreistigkeit der Fragestellung zu würdigen.

Der Skandal, durch den Fischer «kommen» müsste, wurde von SRF konstruiert. Die Eskalation wurde von SRF orchestriert. Die Kettenreaktion, die in seiner Entlassung endete, wurde von SRF ausgelöst. Und nun lädt SRF eine PR-Expertin ein, um fachlich zu analysieren, wie Fischer den Skandal hätte besser managen können.

Das ist, als würde ein Brandstifter einen Podcast produzieren mit dem Titel «Wie löscht man eigentlich ein Feuer richtig?» und einen Feuerwehrexperten einladen, um die Fehler des Hausbesitzers zu kritisieren.


Schauen wir uns den rhetorischen Aufbau an. Er ist hochgradig raffiniert.

Schritt eins: Die Form wird zur Sache. Der Podcast beginnt mit einer detaillierten Beschreibung von Fischers Handyvideo. «Hochformat, Gegenlicht, leicht unten gefilmt.» Die ersten Minuten handeln nicht von dem, was Fischer getan hat, und auch nicht von den Dokumenten, die SRF angefordert hat. Sie handeln von der Ästhetik seiner Entschuldigung. Der Podcast leitet damit eine Umwidmung ein: aus einer Geschichte über Macht und Recherche wird eine Geschichte über Krisenkommunikation. Das Thema ist nicht mehr: Hat SRF richtig gehandelt? Sondern: Hat Fischer richtig reagiert?

Schritt zwei: Die Expertin betritt die Bühne. Claudia Jenni, Kommunikationsberaterin. Ihr Fachgebiet: Krisenkommunikation für Unternehmen, Politiker, Schulen und die öffentliche Hand. Eine Dienstleisterin jener Institutionen, deren intransparente Kommunikation SRF eigentlich hinterfragen sollte. Und genau diese Dienstleisterin wird nun zur Instanz erhoben, die beurteilt, wie Fischer den von SRF ausgelösten Sturm hätte besser navigieren sollen.

Schritt drei: Die Sprache entpolitisiert. Der «Driver's Seat». Die «Stakeholder». Das «mediale Gesamtbild». Der «grobe Schnitzer». Der «zu kleine Rahmen». Der ganze Vokabular der Geschichte wird ausgetauscht. Was vor zwei Tagen noch eine Frage von Recht, Verhältnismässigkeit und Öffentlichkeit war, ist jetzt eine Frage von Technik, Management und professioneller Kompetenz. Die moralische Substanz verschwindet. Übrig bleibt Prozessanalyse.

Schritt vier: Die Schuld wandert. Fischer hätte früher reagieren sollen. Der Verband hätte sich besser koordinieren sollen. Swiss Olympic hätte anders auftreten müssen. Jeder wird fachmännisch kritisiert — ausser SRF. SRF kommt im ganzen Podcast nicht vor. Nicht als Akteur, nicht als Auslöser, nicht einmal als Beobachter. Als wäre die ganze Kette von Ereignissen ein Naturphänomen gewesen, das über Fischer hereinbrach, und die einzige Frage sei, wie man im Hagel den richtigen Regenschirm aufspannt.


Hier liegt das Perfide. Der Podcast tut so, als gäbe es keine Macht, die den Prozess in Gang gesetzt hat. Er behandelt Fischers Krise, als sei sie ihm zugestossen wie ein Autounfall — und analysiert nun, wie er die Versicherungsformulare besser hätte ausfüllen können.

Aber Fischer ist nicht in einen Sturm geraten. SRF hat den Sturm gemacht. Eine Redaktion hat entschieden: Wir fordern diesen vier Jahre alten Strafbefehl an, wir konfrontieren diesen Mann, wir kontaktieren seine Sponsoren, wir generieren Empörung bis zur Entlassung. Das war nicht Wetter. Das waren Entscheidungen. Und jede dieser Entscheidungen wäre eine eigene kritische Frage wert, die in diesem Podcast nicht gestellt wird.

Stattdessen: Claudia Jenni, deren Geschäftsmodell die Verwaltung öffentlicher Wahrnehmung ist, analysiert professionell, wie der Bestrafte sich hätte besser inszenieren sollen. Die Botschaft an das Publikum lautet: Krisenkommunikation ist ein Handwerk, das man lernen kann. Wer scheitert, hat die Technik nicht beherrscht. Dass der Sturm selbst produziert wurde — von derselben Institution, die nun den Podcast sendet — tritt hinter den technischen Fragen der Krisenbewältigung zurück.

Das ist die Umkehrung der journalistischen Verantwortung in ihrer reinsten Form. Der Akteur verschwindet. Das Opfer wird zum Studienobjekt. Und die Analyse lautet: Er hätte das Ganze besser managen sollen.

Und nun ist es lehrreich, diesen Podcast neben die anderen SRF-Produktionen dieser Woche zu legen.

Zum BAG, das Milliardenverträge jahrelang unter Verschluss hielt und nun zwei von sechs freigibt: kein Podcast über die Krisenkommunikation des Bundes. Keine Expertin, die analysiert, ob das BAG hätte «proaktiver in den Driver's Seat» gehen sollen. Kein Hinweis darauf, dass die Kommunikationsstrategie des Bundesamts «eine totale Fehleinschätzung» gewesen sei. Kein «grober Schnitzer» der Behörde. Stille.

Zur UBS, die beim McDonald's-Klimaantrag ohne Begründung mit Nein stimmte: kein Podcast über die Frage, wie sich die Grossbank hätte besser kommunikativ positionieren sollen. Kein Experte, der ihre «Kommunikation in der Krise» auseinandernimmt.

Zu sich selbst, SRF, das in einer einzigen Woche zwei völlig unterschiedliche Recherchestandards auf einen Einzelnen und auf Institutionen anwendete: kein Podcast. Keine Selbstbefragung. Keine Claudia Jenni, die auf SRF selbst blickt und fragt, ob die Redaktion im «zu kleinen Rahmen» gedacht habe.

Der Podcast über Krisenkommunikation wird reserviert für den Einzelnen. Für die Institutionen gilt: Höflichkeit, Pressemitteilung, nächste Meldung.


Und noch etwas. Der Titel lautet: «Wie kommt man durch einen Skandal?» Er richtet sich an die Zuhörer als potenzielle Krisenopfer. Er vermittelt eine Lektion: Wenn dir so etwas zustösst, mach es besser als Fischer. Sei schneller. Stimme dich ab. Hole PR-Berater. Geh in den Driver's Seat.

Die Lektion nicht gezogen wird: Wenn dir so etwas zustösst, stelle die Frage, wer den Skandal gemacht hat. Frage, ob er verhältnismässig ist. Frage, ob die Informationen, die gegen dich mobilisiert werden, im öffentlichen Interesse stehen oder im redaktionellen Interesse. Frage, ob derselbe Aufwand auch bei den Institutionen betrieben wird, die wirklich Macht haben.

Diese Fragen kommen im Podcast nicht vor, weil sie die Sendeanstalt selbst in Frage stellen würden. Stattdessen erhält der Hörer das Gefühl, etwas Nützliches gelernt zu haben: Krisenkommunikation. Als wäre Fischers Problem die falsche Videoästhetik gewesen und nicht die Entscheidung einer Redaktion, ihn zum Exempel zu machen.


Der Celio-Standard verlangt «vorwiegend registrierender Natur». Registrieren. Aufnehmen. Nicht vorschreiben.

Ein sechzehnminütiger Podcast, in dem eine PR-Expertin analysiert, wie das Opfer der eigenen Recherche die eigene Recherche besser hätte navigieren sollen — das ist weder Registrierung noch Berichterstattung. Das ist eine Zweitverwertung des Skandals, in der der Verursacher unsichtbar wird und das Opfer nachträglich fachmännisch seziert.

Es ist tatsächlich nicht schön. Sie haben recht. Es gibt ein Wort dafür in der Psychologie: secondary victimization. Zweitviktimisierung. Wenn das Umfeld den Bestraften nach der eigentlichen Bestrafung noch einmal in Einzelteilen zerlegt und ihm erklärt, was er alles hätte besser machen können.

Die Justiz hat geurteilt: Geldstrafe, rechtskräftig.

SRF hat geurteilt: Karriereende.

Und jetzt urteilt SRF noch einmal: Auch deine Entschuldigung war schlecht gemacht.

Der Mann hat seine Schuld juristisch abgetragen. Er hat sie öffentlich eingestanden. Er hat seinen Job verloren. Und der öffentliche Sender, der all das mit angestossen hat, sendet einen sechzehnminütigen Podcast darüber, dass auch seine Entschuldigung nicht den professionellen Standards genügte.

Das ist nicht mehr Journalismus. Das ist nicht einmal mehr Stenographie. Das ist Nachtreten mit professioneller Expertise.

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