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Die NGO als Quelle, die Quelle als Wahrheit
Medienkritik
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Die NGO als Quelle, die Quelle als Wahrheit

SRF/SRGWirtschaftKlima/Energie
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SRF berichtet: Greenpeace hat eine «Untersuchung» gemacht. Die Untersuchung «zeigt», dass Schweizer AKWs mit russischem Uran betrieben werden. Die Axpo widerspricht. Greenpeace «relativiert». Das ist die Struktur des Beitrags: Greenpeace ist die Wahrheit, Axpo ist die Verteidigung. Eine NGO mit einer klaren politischen Agenda — Anti-Atomkraft, Anti-Wirtschaft — wird als neutrale Untersuchungsinstanz behandelt. Ein Unternehmen, das Strom für die Schweiz produziert, wird als der zu Befragende behandelt. Die Frage, die SRF nicht stellt: Wer ist Greenpeace eigentlich? Und warum darf eine politisch motivierte Organisation den Rahmen vorgeben, in dem ein Energiekonzern sich rechtfertigen muss?

Zum SRF Beitrag «Russisches Uran in Schweizer AKW? Greenpeace erhebt Vorwürfe», 28.05.2026


Die «Untersuchung», die niemand prüft

«Eine Greenpeace-Untersuchung zeigt...» So beginnt der Beitrag. Das Wort «zeigt» ist entscheidend. Es suggeriert Objektivität. Es suggeriert wissenschaftliche Methode. Es suggeriert Beweise.

Aber: Was ist eine «Greenpeace-Untersuchung»? Wer hat sie durchgeführt? Mit welcher Methode? Welche Quellen wurden verwendet? Wer hat sie überprüft? Gab es eine Peer-Review? Wurde sie publiziert?

SRF stellt keine dieser Fragen. SRF behandelt die «Greenpeace-Untersuchung» als wäre sie eine wissenschaftliche Studie. Aber Greenpeace ist keine Forschungsinstitution. Greenpeace ist eine politische Lobbyorganisation, die seit Jahrzehnten Anti-Atomkraft-Kampagnen führt.

Eine «Untersuchung» von Greenpeace zu Atomkraft ist wie eine «Untersuchung» einer Tabakfirma zur Schädlichkeit des Rauchens — nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Das Ergebnis steht fest, bevor die Untersuchung beginnt.

SRF behandelt das Ergebnis als Faktum. Das ist nicht Journalismus. Das ist Multiplikation einer Kampagne.

Der «Atomexperte», der ein Aktivist ist

Florian Kasser, «Atomexperte bei Greenpeace Schweiz». So wird er vorgestellt. Zweimal zitiert. Mit Wertungen wie «aus ethischer Sicht wäre es notwendig gewesen» und «einfach nicht vertretbar».

«Atomexperte». Das Wort suggeriert Fachkompetenz. Es suggeriert wissenschaftliche Autorität. Es suggeriert Neutralität.

Aber Kasser ist nicht neutral. Er ist Angestellter einer Organisation, deren erklärtes Ziel der Ausstieg aus der Atomkraft ist. Er hat ein politisches Mandat, nicht ein wissenschaftliches. Seine «Expertise» ist von seiner Position geprägt.

Wenn SRF die Axpo zitieren würde, würde es nicht schreiben: «Atomexperte der Axpo». Es würde schreiben: «Sprecher des Energiekonzerns». Die Asymmetrie ist offensichtlich: NGO-Mitarbeiter werden zu Experten. Unternehmenssprecher werden zu PR-Funktionären.

Beide haben eine Agenda. Beide vertreten Interessen. Aber nur eine Seite bekommt das Label der Expertise. Die andere bekommt das Label der Verteidigung.

Die «ethische Sicht», die nicht hinterfragt wird

«Aus ethischer Sicht wäre es notwendig gewesen», die Verträge aufzulösen. So Kasser. SRF zitiert es. SRF kommentiert es nicht.

Aber: Wessen Ethik? Die Ethik von Greenpeace? Die Ethik der Schweiz? Die Ethik der Stromkonsumenten, die auf zuverlässige Stromversorgung angewiesen sind?

Es gibt verschiedene ethische Perspektiven. Eine Perspektive: Russland führt einen Angriffskrieg in der Ukraine. Verträge mit russischen Lieferanten sind moralisch problematisch. Diese Position hat ihre Berechtigung.

Eine andere Perspektive: Die Schweiz braucht zuverlässige Stromversorgung. Verträge zu brechen, kostet Geld. Das Geld wird letztlich von den Stromkonsumenten bezahlt — also von Schweizer Haushalten. Die Auflösung der Verträge hilft der Ukraine nicht direkt — das Uran liegt bereits ausserhalb Russlands und wird in Frankreich aufbereitet. Es ist eine symbolische Geste, deren Kosten die Schweizer Verbraucher tragen.

Welche Perspektive ist «ethisch»? Beide haben Argumente. SRF wählt eine — die von Greenpeace — und präsentiert sie als die «ethische Sicht». Als wäre die andere Position unethisch.

Das ist nicht Berichterstattung. Das ist Moralisierung.

Die Andeutung, die ohne Beweis steht

«Diese Feststellung lässt die Frage offen, ob das Uran aus Kasachstan doch mit der Bahn durch Russland nach Sankt Petersburg transportiert wird, bevor es dort verschifft wird.»

Lesen Sie diesen Satz nochmal. SRF hat keinen Beweis dafür, dass das Uran durch Russland transportiert wird. Aber SRF deutet es an. SRF stellt eine Frage. Die Frage ist die Suggestion.

Das ist die klassische Methode der suggestiven Berichterstattung. Man behauptet nichts direkt. Man stellt eine Frage. Die Frage hängt im Raum. Der Leser füllt die Lücke mit Verdacht.

Wenn SRF Beweise hätte, würde es schreiben: «Das Uran wird durch Russland transportiert.» SRF hat keine Beweise. Also schreibt es: «Die Frage bleibt offen, ob...» Das ist eine rhetorische Figur. Es ist keine Information.

Und der Schlusssatz: «Unabhängig davon, wie gross der Anteil Russlands an den Uranlieferungen in die Schweiz tatsächlich ist, ganz unbedenklich scheinen nicht alle zu sein.»

«Scheinen nicht alle zu sein.» Wer ist «alle»? Greenpeace. Und Greenpeace ist nicht «alle». Greenpeace ist eine Organisation mit einer klaren politischen Agenda. Aber SRF verallgemeinert: «nicht alle». Als gäbe es einen breiten gesellschaftlichen Konsens. Den gibt es nicht. Es gibt eine Kampagne von Greenpeace. Das ist nicht dasselbe.

Die Kampagne, die nicht benannt wird

Was SRF in dem ganzen Beitrag nicht erwähnt: Greenpeace führt seit Jahrzehnten eine internationale Kampagne gegen Atomkraft. Diese Kampagne hat ein Ziel: den vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie. Alle Mittel sind legitim — auch das Aufgreifen von Russland-Verbindungen, wenn das gerade opportun ist.

Vor zehn Jahren, vor dem Ukraine-Krieg, hätten russische Uran-Lieferungen Greenpeace kaum interessiert. Heute sind sie ein willkommenes Argument. Nicht weil Greenpeace plötzlich pro-Ukraine ist — sondern weil das Argument gerade verfängt.

Das ist legitime Kampagnenführung. Greenpeace darf das tun. Aber SRF müsste es benennen. SRF müsste sagen: «Greenpeace nutzt die Russland-Verbindung, um eine seit Jahrzehnten laufende Anti-Atomkraft-Kampagne zu verstärken.» Das wäre Kontext. Das wäre Einordnung.

SRF tut das nicht. SRF präsentiert die Greenpeace-Untersuchung als unabhängige Recherche. Als ginge es um Russland. Es geht nicht um Russland. Es geht um Atomkraft.

Die Doppelmoral, die nicht erwähnt wird

Was SRF erst recht nicht erwähnt: Greenpeace ist seit Jahren in zahlreiche Skandale verwickelt, die genau die Werte verletzen, die die Organisation öffentlich vertritt.

Finanzskandal 2014: Greenpeace International verlor 3,8 Millionen Euro durch unautorisierte Währungsspekulationen eines Mitarbeiters. Eine Organisation, die Konzerne wegen ihrer Finanzpraktiken kritisiert, hat selbst spekuliert.

EM-Stunt 2021: Ein Greenpeace-Aktivist steuerte einen motorisierten Gleitschirm ins Münchner Stadion. Er stürzte ab. Zwei Männer wurden verletzt und mussten ins Spital. Eine Organisation, die für Gewaltfreiheit wirbt, hat Massenverletzungen riskiert.

Dakota Access Pipeline 2016: Ein US-Gericht verurteilte Greenpeace 2025 zu 345 Millionen Dollar Schadensersatz wegen Diffamierung und Beihilfe zu Sachbeschädigung. Eine Organisation, die für friedlichen Protest wirbt, wurde wegen krimineller Sabotage verurteilt.

Nazca-Linien 2014: Greenpeace-Aktivisten drangen in das UN-Weltkulturerbe ein und hinterliessen irreparable Schäden. Eine Organisation, die für Naturschutz wirbt, hat jahrtausendealtes Kulturerbe zerstört.

Golden Rice: Greenpeace blockiert seit Jahren genetisch veränderten Reis, der gegen Vitamin-A-Mangel hilft und Millionen Kinderleben retten könnte. 150 Nobelpreisträger warfen Greenpeace in einem offenen Brief «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» vor. Eine Organisation, die für Humanismus wirbt, blockiert lebensrettende Technologie aus ideologischen Gründen.

Inuit-Robbenjagd: Greenpeace zerstörte mit seiner Anti-Robbenjagd-Kampagne die Existenzgrundlage arktischer Inuit-Gemeinschaften. Folge: Armut, Suizide. Greenpeace entschuldigte sich erst Jahrzehnte später. Eine Organisation, die für soziale Gerechtigkeit wirbt, hat indigene Existenzen vernichtet.

Flug-Doppelmoral: Pascal Husting, internationaler Programmdirektor, flog jahrelang per Flugzeug zwischen Luxemburg und Amsterdam — bezahlt aus Spendengeldern. Eine Organisation, die Bürger zum Flugverzicht aufruft, hat ihre eigenen Direktoren ausgeflogen. Mit Spendengeld.

Nichts davon erwähnt SRF. Im SRF-Beitrag erscheint Greenpeace als moralische Autorität. Als unabhängige Untersuchungsinstanz. Als Stimme der Ethik.

Aber Greenpeace hat eine dokumentierte Geschichte der Verletzung seiner eigenen Werte. Wenn die Axpo so eine Geschichte hätte, würde SRF sie aufzählen. Bei Greenpeace wird sie ausgeblendet.

Die Asymmetrie, die das System ist

Auf der einen Seite: Die Axpo. Ein Schweizer Energiekonzern, der Strom für die Schweiz produziert, mit Tausenden von Angestellten, mit jahrelanger Erfahrung, mit regulatorischer Aufsicht durch ENSI und Bundesrat. Diese Organisation wird kritisch befragt. Ihre Aussagen werden hinterfragt. Ihre Motive werden problematisiert.

Auf der anderen Seite: Greenpeace. Eine internationale NGO mit politischer Agenda, mit dokumentierter Geschichte der Werteverletzung, mit Millionen-Schadensersatzurteilen gegen sich, mit ideologischen Kampagnen, die Menschenleben kosten (Golden Rice, Inuit). Diese Organisation wird als Untersuchungsinstanz zitiert. Ihre «Atomexperten» werden als Fachleute präsentiert. Ihre Wertungen werden als ethische Massstäbe übernommen.

Das ist die Asymmetrie. Schweizer Unternehmen — auch wenn sie unter Schweizer Recht funktionieren, von Schweizer Behörden überwacht werden und Schweizer Strom produzieren — werden mit Skepsis behandelt. Internationale NGOs — auch wenn sie politische Agenden verfolgen und in Skandale verwickelt sind — werden als moralische Autoritäten behandelt.

Warum? Weil die NGO-Position zur politischen Linie von SRF passt: Atomkraft ist problematisch, Russland ist böse, ethische Bedenken sind wichtiger als wirtschaftliche Realität. Wer der politischen Linie dient, bekommt das Mikrofon. Wer ihr widerspricht, bekommt die kritische Frage.

Die Frage, die nicht gestellt wird

Wenn die Axpo aus den Russland-Verträgen aussteigt — wer bezahlt die Vertragsstrafen? Wer übernimmt die Mehrkosten für alternative Lieferanten? Wer trägt das Risiko der Versorgungsunsicherheit?

Antwort: Die Schweizer Stromkonsumenten. Über höhere Strompreise. Über höhere Netzgebühren. Über höhere Subventionen aus Steuermitteln.

SRF stellt diese Frage nicht. SRF präsentiert die Forderung von Greenpeace, als hätte sie keine Kosten. Als wäre sie eine reine Frage der Moral. Aber jede politische Entscheidung hat Kosten. Und die Kosten dieser Entscheidung tragen nicht die Greenpeace-Aktivisten. Die tragen die Konsumenten.

Wer kosten verursacht, ohne sie selbst zu tragen, ist nicht ethisch. Er ist politisch komfortabel. Und SRF hilft, diese Position als ethisch zu präsentieren.

Das Muster, das wiederkehrt

In den letzten Beiträgen haben wir gesehen:

SRF behandelt demokratische Politiker (Menendez) als moralische Autoritäten, bis sie verurteilt werden — und dann verschwindet das Thema.

SRF behandelt Magyar in Ungarn als Held, obwohl seine Methoden denen Orbans entsprechen.

SRF rahmt Reform UK als populistisch und die Grünen als visionär, obwohl die Programme das Gegenteil zeigen.

SRF zitiert Greenpeace als Autorität, ohne deren Skandale und Agenda zu erwähnen.

Das Muster ist konsistent: Politische Akteure, die der gewünschten Erzählung dienen, werden geschützt und überhöht. Politische Akteure, die der gewünschten Erzählung widersprechen, werden problematisiert und herabgesetzt.

Das gilt für demokratische US-Politiker. Das gilt für ungarische Oppositionspolitiker. Das gilt für britische Grüne. Das gilt für internationale NGOs.

Es ist nicht Berichterstattung. Es ist Erzählung. Und die Erzählung hat eine politische Richtung.


Der Beitrag von SRF berichtet korrekt darüber, dass Greenpeace eine Untersuchung publiziert hat. Aber er rahmt die Untersuchung als unabhängige Wahrheit. Greenpeace ist keine unabhängige Untersuchungsinstanz. Greenpeace ist eine politische Lobbyorganisation mit einer Anti-Atomkraft-Agenda und einer dokumentierten Geschichte der Werteverletzung — von Finanzspekulationen über die Zerstörung von Weltkulturerbe bis zu 345-Millionen-Dollar-Urteilen wegen krimineller Sabotage. SRF erwähnt nichts davon. SRF behandelt den «Atomexperten» von Greenpeace als Fachmann, obwohl er ein Aktivist mit politischem Mandat ist. SRF übernimmt seine «ethische» Bewertung, ohne die ethischen Gegenpositionen zu nennen. SRF deutet Russland-Transporte an, ohne Beweise zu haben. SRF stellt nicht die Frage, wer die Kosten einer moralisch komfortablen Position trägt — die Schweizer Stromkonsumenten. Das ist nicht Berichterstattung. Das ist die Multiplikation einer NGO-Kampagne. Und die Multiplikation wird mit Zwangsgebühren finanziert. Die Schweizer Bürger zahlen 335 Franken im Jahr dafür, dass SRF die politischen Botschaften einer Organisation verstärkt, die ausserhalb der Schweiz, ausserhalb der demokratischen Legitimation und ausserhalb der rechtlichen Verantwortung agiert. Das ist nicht der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Das ist die Subventionierung einer Lobbyorganisation auf Kosten der Steuerzahler. Und solange das so bleibt, ist die Frage nicht, ob SRF einseitig berichtet. Die Frage ist, warum die Schweiz das toleriert.

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