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Die Drohne, die den Krieg verdeckt
Medienkritik
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Die Drohne, die den Krieg verdeckt

SRF/SRGEU/AussenpolitikSicherheitspolitik
schwerwiegend
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SRF berichtet über den Alltag in der sudanesischen Stadt El Obeid und rahmt den Krieg als reines Leidensereignis. Drohnen, Durst, Hunger, ausfallende Vorlesungen. Der Beitrag blendet systematisch aus, wer den Krieg führt, wer die RSF finanziert, warum die UNO warnt aber nicht handelt und was die Schweiz dazu beiträgt. Er ist eine Empathie-Reportage, die einen Genozid als menschliches Schicksal verkauft, ohne nach den Akteuren zu fragen, die ihn produzieren.

Zum SRF-Beitrag «El Obeid: Stimmen aus der Stadt im Zentrum des Kriegs», Rendez-vous, 17.08.2026


Das Framing steht im ersten Satz: «Ein Begriff fällt in fast allen sechs Sprachnachrichten, die Menschen aus El Obeid geschickt haben: Drohnenangriffe.» Die Drohne ist das Subjekt. Nicht der, der sie schickt. Nicht der, der sie bezahlt. Nicht der, der sie baut. Die Drohne kreist, die Menschen leiden. SRF rahmt den Krieg als Naturereignis, das von oben kommt. Die Frage, wer die Drohnen fliegt und warum, wird nicht gestellt.

Die RSF, die keine Herkunft haben

SRF erwähnt die Rapid Support Forces (RSF) als diejenigen, die El Obeid einschliessen. SRF erklärt nicht, wer die RSF sind. Die RSF gingen aus der Janjaweed-Miliz hervor, die in den 2000er Jahren in Darfur vom Regime Omar al-Baschirs eingesetzt wurde, um ethnische Säuberungen durchzuführen. Die RSF werden von Mohammed Hamdan Dagalo (Hemedti) geführt, einem Mann, der seine Macht aus dem Goldhandel und aus Söldnerdiensten zieht. Die RSF werden von den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Waffen und Geld unterstützt. Die Frage, ob ein Krieg, der von einer Miliz geführt wird, die von einem Golfstaat finanziert wird, ein lokaler Konflikt oder ein Stellvertreterkrieg ist, wird nicht gestellt. SRF nennt die RSF und verschweigt, wer sie sind.

Der Genozid, der niemanden zum Handeln bringt

SRF berichtet, die UNO spreche von «Merkmalen eines Genozids». Amnesty International spricht von «Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnischen Säuberungen». SRF zitiert UNO-Menschenrechtschef Volker Türk: «Das ist keine Übung. Es ist Alarmstufe Rot.» SRF fragt nicht, was die UNO tut. Die UNO warnt — aber sie handelt nicht. Die Frage, ob eine UNO, die «Alarmstufe Rot» ausruft und trotzdem nichts tut, eine Institution ist, die schützt oder die beobachtet, wird nicht gestellt. Die Frage, ob der Sicherheitsrat, auf dem die UNO basiert, durch Vetorechte blockiert ist — wie im Ukraine-Krieg —, wird nicht gestellt. SRF rahmt die UNO-Warnung als moralischen Massstab und verschweigt, dass die UNO versagt.

Die UAE, die nicht vorkommt

SRF berichtet über einen Krieg im Sudan. SRF erwähnt mit keinem Wort die Vereinigten Arabischen Emirate, die die RSF mit Waffen, Drohnen und Geld unterstützen. Die UAE sind ein Verbündeter des Westens. Die UAE sind ein Handelspartner der Schweiz. Die Frage, ob ein Land, das einen Genozid in Afrika mitfinanziert, ein legitimer Partner des Westens ist, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die Schweiz Waffen oder Geld an die UAE liefert, die indirekt den RSF zugutekommen, wird nicht gestellt. SRF rahmt den Sudan-Krieg als afrikanischen Konflikt und verschweigt, dass ein Golfstaat ihn mitträgt.

Die Schweiz, die nicht vorkommt

SRF berichtet über den Sudan. Die Schweiz leistet humanitäre Hilfe im Sudan. Die Schweiz hat ein Interesse an Stabilität in Afrika, weil Migration von dort nach Europa fliesst. Die Frage, was die Schweiz im Sudan tut, wird nicht gestellt. Die Frage, ob Schweizer Geld an Organisationen fliesst, die im Sudan tätig sind, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die Schweiz eine Vermittlerrolle spielt, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die Schweiz Waffen oder Rüstungsgüter an die UAE liefert, die den RSF unterstützen, wird nicht gestellt. SRF berichtet über den Sudan, aber nicht die Rolle der Schweiz.

Die Opfer, die als Kulisse dienen

SRF zitiert Huda Omar, Mutter von zwei Kindern. SRF zitiert Sujood Al-Rasheed, Studentin. SRF zitiert Abrar Mohammed, Hilfsorganisation. Das sind Stimmen, die leiden. SRF fragt nicht, was die Opfer fordern. SRF fragt nicht, ob die Opfer Waffen wollen, um sich zu verteidigen. SRF fragt nicht, ob die Opfer internationale Intervention fordern. SRF fragt nicht, ob die Opfer wissen, dass die UAE den RSF unterstützen. Die Opfer kommen vor als Zeugen des Leids — nicht als Akteure, die eine Forderung stellen. SRF nutzt die Stimmen, um das Leid zu dokumentieren, aber nicht, um die Frage zu stellen, wer das Leid beenden könnte.


So funktioniert dieser Beitrag: Er berichtet über eine belagerte Stadt und rahmt den Krieg als reines Leidensereignis. Die RSF haben keine Herkunft. Der Genozid bringt niemanden zum Handeln. Die UAE fehlen. Die Schweiz fehlt. Die Opfer dienen als Kulisse. Wer den Beitrag liest, weiss, dass Drohnen über El Obeid kreisen und dass die Menschen leiden. Wer wissen will, wer die RSF sind, wer sie finanziert, warum die UNO warnt aber nicht handelt, was die UAE damit zu tun haben, was die Schweiz dazu beiträgt und was die Opfer fordern, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Kriegsberichterstattung, das ist eine Empathie-Reportage, die einen Genozid als Schicksal verkauft und die Akteure unsichtbar lässt.

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