Die Demonstration, die nicht stattfinden durfte — und doch stattfand
Eine unbewilligte Demonstration zieht durch Bern. Vermummte führen den Zug an. Petarden werden gezündet. Ein Eingang der Fremdenpolizei wird mit Backsteinen zugemauert. Eine Gruppe mobilisiert unter dem Banner einer Flugzeugentführerin und ruft zur «Intifada». Und der zuständige Sicherheitsdirektor steht «aus einiger Distanz» daneben und zeigt sich «zufrieden». Der Bund berichtet darüber — sachlich, distanziert, fast wohlwollend. SRF.ch berichtet gar nicht. Vier Artikel über einen toten Wal, aber kein Wort über eine illegale Demonstration in der Bundesstadt, an der unter dem Banner einer Terroristin zur Intifada aufgerufen wird. Das ist nicht ein Versehen. Das ist eine Entscheidung.
Zum Bund-Artikel «Rund 400 Demonstrierende zogen durch die Innenstadt – weitgehend friedlich», 30.05.2026
Das «weitgehend friedlich», das alles entschuldigt
«Die Demo war nicht bewilligt, sie verlief aber weitgehend friedlich, obwohl immer wieder Rauchpetarden gezündet wurden.»
«Weitgehend friedlich.» Das sind die zwei Wörter, die den ganzen Artikel tragen. Sie sind die Lizenz zur Beschönigung. Denn was heisst «weitgehend friedlich»?
Es heisst: nicht friedlich. Es heisst: friedlich mit Ausnahmen. Und die Ausnahmen sind im Artikel selbst aufgelistet: Petarden, Vermummung, zugemauerte Eingänge, beschmierte Fassaden, illegal aufgehängte Transparente, die von der Feuerwehr mit der Drehleiter entfernt werden mussten.
Das ist nicht «weitgehend friedlich». Das ist eine Aneinanderreihung von Rechtsverstössen. Die Demonstration war unbewilligt — das ist der erste Verstoss. Die Teilnehmer waren vermummt — das ist der zweite Verstoss, gegen das eidgenössische Vermummungsverbot, das vom Volk angenommen wurde. Sie zündeten Petarden — das ist der dritte Verstoss. Sie mauerten einen Eingang zu — das ist der vierte.
Aber Der Bund stellt das nicht als das dar, was es ist: eine systematische Missachtung des Rechts. Er stellt es dar als «weitgehend friedlich». Als kleine Schönheitsfehler an einem ansonsten gelungenen Nachmittag.
Stellen wir uns vor, eine rechtsextreme Gruppe hätte unbewilligt durch Bern marschiert, vermummt, Petarden zündend, unter dem Banner eines Rechtsterroristen. Hätte irgendein Medium das als «weitgehend friedlich» bezeichnet? Hätte der Sicherheitsdirektor sich «zufrieden» gezeigt? Die Frage stellen heisst sie beantworten.
Der Sicherheitsdirektor, der zuschaut
«‹Unter dem Vorbehalt, dass die Stimmung weiter friedlich bleibt›, zeigte sich der Berner Sicherheitsdirektor Alec von Graffenried (GFL) zufrieden.»
Der Sicherheitsdirektor von Bern ist Mitglied der Grünen Freien Liste. Er ist politisch dem Milieu nahe, aus dem die Demonstranten kommen. Und er zeigt sich «zufrieden» — über eine illegale Demonstration.
Er sagt selbst: «Die Petarden und Vermummungen sind aber klar widerrechtlich.» Er stellt also fest, dass das Recht gebrochen wurde. Und was tut er? Nichts. Der Wasserwerfer steht bereit — kommt aber nicht zum Einsatz. Die Polizei ist «mit einem relativ grossen Aufgebot präsent» — hält sich aber «im Hintergrund».
Die Kommentatoren des Bund haben den Widerspruch erkannt. «Von wo genau verfolgt Herr von Graffenried das Geschehen?», fragt einer. «Auf welcher Seite steht AvG?», fragt ein anderer. Das sind keine dummen Fragen. Es sind die richtigen Fragen.
Denn ein Sicherheitsdirektor, der feststellt, dass Recht gebrochen wird, und nichts tut, verletzt seine Amtspflicht. Er entscheidet selektiv, welches Recht durchgesetzt wird und welches nicht. Und die Selektion folgt einer Logik: Wer politisch nahesteht, darf das Recht brechen. Wer politisch fernsteht, wird verfolgt.
Das ist nicht Rechtsstaatlichkeit. Das ist politische Justiz mit umgekehrten Vorzeichen.
Das Vermummungsverbot, das nur für die anderen gilt
Die Berner Stimmbürger haben das Vermummungsverbot angenommen. Das Schweizer Volk hat es angenommen. Es ist Gesetz. Es ist demokratisch legitimiert.
Und es wird ignoriert.
Die Demonstration wird «von einer Gruppe vermummter Personen angeführt». Im Klartext: Die Anführer einer illegalen Demonstration brechen offen ein weiteres Gesetz — vor den Augen der Polizei, vor den Augen des Sicherheitsdirektors. Und niemand wird festgenommen.
Ein Kommentator bringt es auf den Punkt: «Die Anführer der Demo waren vermummt; warum nimmt man sie nicht fest?» Eine andere fragt: «Warum muss man sich vermummen? Wenn ich an eine Demo gehe, möchte ich auf etwas aufmerksam machen, was mir wichtig ist, aber da zeige ich mein Gesicht.»
Das ist der Kern. Wer für eine Sache einsteht, zeigt sein Gesicht. Wer sich vermummt, hat etwas zu verbergen — oder plant etwas, das das Verbergen nötig macht. Die Vermummung ist nicht Zufall. Sie ist Methode. Sie schützt vor Identifikation, weil man weiss, dass man die Grenze zur Straftat überschreiten könnte — oder es bereits tut.
Und die Verteidigung in den Kommentaren? «Bei der Gefahr, Reizgas ausgesetzt zu werden, ist ein Gesichtsschutz medizinisch sinnvoll.» Ein zirkuläres Argument: Man vermummt sich gegen die Polizei, die wegen der illegalen, vermummten Demo anrücken muss. Die Gefahr, gegen die man sich schützt, erzeugt man selbst.
Die Banner, die alles verraten
Hier wird es entscheidend — und hier versagt Der Bund am deutlichsten.
«Eine propalästinensische Gruppierung rief ‹zum antiimperialistischen Block› und zur ‹Intifada› unter dem Banner der Terroristin und Flugzeugentführerin Leila Khaled auf.»
Das steht da. In einem Nebensatz. Ohne Einordnung. Ohne Kommentar. Ohne dass es überhaupt die Überschrift erreicht.
Eine Gruppe ruft in der Schweizer Bundesstadt zur «Intifada» auf — einem Wort, das untrennbar mit Selbstmordattentaten, mit der Tötung von Zivilisten, mit Terror verbunden ist. Und sie tut das unter dem Banner von Leila Khaled, die zwei Flugzeuge entführt hat. Das ist die Verherrlichung von Terrorismus — öffentlich, auf einem Banner, in Bern.
Ein Kommentator hat den Punkt erkannt: «Für Palästina demonstrieren ist per se auch gut, Terror normalisieren nicht.» Genau. Aber Der Bund normalisiert ihn — durch Wegschauen. Durch die Behandlung als Randnotiz. Durch die Unterordnung unter das Narrativ des «weitgehend friedlichen» Nachmittagsspaziergangs.
Und dann ist da der Widerspruch, den der aufmerksamste Kommentator benennt: Es marschieren Gruppen für die Rechte queerer Menschen — Seite an Seite mit Gruppen, die sich mit einer Sache identifizieren, in deren Einflussgebiet Homosexuelle verfolgt, eingesperrt und getötet werden. «Schade, dass dieser offensichtliche Widerspruch im Artikel nicht thematisiert wird.»
Schade ist das falsche Wort. Es ist kein Versehen. Es ist die Weigerung, das antifaschistische Selbstbild durch die antisemitischen und terror-verherrlichenden Realitäten der eigenen Bündnisse zu stören.
Der Antifaschismus, der selbst autoritär ist
Das ist die eigentliche Frage, die weder Der Bund noch SRF stellen: Was ist «antifaschistisch» an dieser Bewegung?
Der Faschismus war eine Bewegung, die Andersdenkende einschüchterte, die mit Gewalt operierte, die sich vermummte und in Gruppen auftrat, die den öffentlichen Raum für sich beanspruchte und das Recht der anderen missachtete. Die «Antifa» tut — in ihren militanten Ausprägungen — genau das. Sie schüchtert ein. Sie operiert mit Gewalt. Sie vermummt sich. Sie missachtet das Recht. Sie beansprucht die Strassen.
Die Methode ist dieselbe. Nur das Vorzeichen ist anders. Und wer glaubt, die Methode sei durch das richtige Vorzeichen geheiligt, hat das Wesen des Autoritarismus nicht verstanden. Der Autoritarismus definiert sich nicht durch sein Ziel, sondern durch seine Mittel: durch die Bereitschaft, das Recht zu brechen, Gegner zu entmenschlichen, Gewalt zu legitimieren, sich der demokratischen Kontrolle zu entziehen.
Eine Bewegung, die unter dem Banner einer Terroristin zur Intifada aufruft, die sich vermummt, um nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden, die Gesetze missachtet, weil sie sich moralisch über das Gesetz erhebt — diese Bewegung kämpft nicht gegen den Autoritarismus. Sie praktiziert ihn.
Das «Selbstverständlich antifaschistisch» auf dem Banner ist die Selbstimmunisierung. Wer sich selbst zum Antifaschisten erklärt, muss sich keine Fragen mehr gefallen lassen. Jede Kritik wird zum Beweis, dass der Kritiker auf der falschen Seite steht. Das ist genau die Logik, die jeder totalitären Bewegung zugrunde liegt: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns — und wer gegen uns ist, ist der Feind.
Das Schweigen von SRF
Und jetzt der Punkt, der das Ganze rahmt: SRF.ch berichtet nicht.
Vier Artikel über einen toten Wal namens Timmy. Ein Nachruf. Eine Obduktion. Eine Bergung. Aber kein Wort über eine illegale Demonstration in der Bundesstadt, bei der das Vermummungsverbot offen gebrochen wird, bei der unter dem Banner einer Flugzeugentführerin zur Intifada aufgerufen wird, bei der der Sicherheitsdirektor tatenlos zuschaut.
Warum?
Weil die Geschichte unbequem ist. Weil sie das antifaschistische Selbstbild stört, das im öffentlich-rechtlichen Milieu wohlgelitten ist. Weil sie Fragen aufwirft, die man nicht stellen will: Über die selektive Durchsetzung des Rechts. Über die Verherrlichung von Terror in der Bundesstadt. Über die Widersprüche der Bündnisse. Über die Kosten für den Steuerzahler.
Ein toter Wal stört niemanden. Eine illegale Antifa-Demonstration, die das Recht bricht und Terror verherrlicht, stört die Erzählung — die Erzählung, dass die Gefahr immer nur von rechts kommt, dass der Antifaschismus per se gut ist, dass linke Gewalt ein Kavaliersdelikt ist.
Stellen wir uns vor, eine rechtsextreme Gruppe hätte unbewilligt durch Bern marschiert, vermummt, unter dem Banner eines Rechtsterroristen, mit dem Ruf nach Gewalt. SRF hätte berichtet. Mit Sondersendungen. Mit Einordnungen. Mit Experten, die vor der Erosion der Demokratie warnen. Mit der vollen journalistischen Aufmerksamkeit.
Aber wenn die Gewalt von links kommt, wenn der Terror unter palästinensischer Flagge verherrlicht wird, wenn das Recht von der eigenen Seite gebrochen wird — dann schweigt SRF. Dann ist ein toter Wal wichtiger.
Eine unbewilligte Demonstration zieht durch Bern. Das Vermummungsverbot wird gebrochen. Petarden werden gezündet. Ein Eingang wird zugemauert. Unter dem Banner einer Flugzeugentführerin wird zur Intifada aufgerufen. Und Der Bund nennt das «weitgehend friedlich». Der Sicherheitsdirektor zeigt sich «zufrieden». Und SRF schweigt. Das ist die wahre Geschichte. Nicht die Demonstration selbst — die ist nur das Symptom. Die wahre Geschichte ist die Behandlung der Demonstration. Die Beschönigung durch Der Bund. Das Wegschauen durch den Sicherheitsdirektor. Das Schweigen durch SRF. Es ist die Geschichte einer selektiven Empörung. Wer rechts das Recht bricht, wird verfolgt. Wer links das Recht bricht, wird begleitet. Wer rechts den Terror verherrlicht, wird zum Staatsfeind. Wer links den Terror verherrlicht, marschiert unter dem Schutz der Polizei und dem wohlwollenden Blick des Sicherheitsdirektors. Die Kommentatoren des Bund haben das erkannt. Sie fragen: Warum gilt das Vermummungsverbot nicht? Warum wird niemand festgenommen? Wer bezahlt die Polizeikosten? Warum marschieren queere Gruppen mit Gruppen, die Homosexuelle verfolgen? Das sind die richtigen Fragen. Aber sie stehen in der Kommentarspalte — nicht im Artikel. Sie kommen von den Bürgern — nicht von den Journalisten. Und das ist die eigentliche Pointe: Die Leser sehen klarer als die Redaktion. Sie erkennen den autoritären Kern einer Bewegung, die sich antifaschistisch nennt und faschistische Methoden anwendet. Sie erkennen das selektive Recht. Sie erkennen das Schweigen. Und die Bürger zahlen 335 Franken im Jahr für einen Sender, der über einen toten Wal viermal berichtet — und über eine illegale, terror-verherrlichende Demonstration in der eigenen Bundesstadt kein einziges Mal. Denn der Wal stört niemanden. Die Wahrheit über die Antifa stört das Narrativ.
Ähnliche Beiträge
Kein Artikel verpassen.
