Die Boni, die das Systemversagen verdecken
SRF meldet verschärfte Boni-Regeln für Banken und rahmt sie als Konsequenz aus dem CS-Debakel. Sperrfristen, Bussen, Verantwortlichkeitsregime. Was nicht vorkommt: die Frage, ob Boni die Ursache des CS-Zusammenbruchs waren. Was nicht vorkommt: die Frage, ob FINMA, die versagte, mehr Befugnisse verdient; Die Frage, ob die Regierung durch die Zwangsfusion mit UBS ein grösseres «Too big to fail»-Problem schuf. Und: die Namen derer, die verantwortlich waren. Der Beitrag ist eine Regierungsmeldung, die Symptome reguliert und die Ursachen verschweigt.
Zum SRF-Beitrag «Härtere Boni-Regeln – Bundesrat will Spitzen der Banken zügeln», SRF 4 News, 12.08.2026
Das Framing steht im ersten Satz: «Der Bundesrat will die Spitzen der Banken verstärkt in die Verantwortung nehmen.» Das ist die Prämisse: Die Banker sind das Problem, der Bundesrat ist die Lösung. SRF übernimmt die Regierungsrhetorik ungeprüft. Die Frage, ob der Bundesrat selbst Verantwortung trägt — für die Zwangsfusion, für die 9-Milliarden-Bürgschaft, für das Monopol, das er schuf —, wird nicht gestellt.
Die Boni, die als Ursache gerahmt werden
SRF berichtet, Boni-Anreize für «unangemessen riskantes Verhalten» solle es nicht mehr geben. SRF fragt nicht, ob Boni die Ursache des CS-Zusammenbruchs waren. Die Credit Suisse kollabierte nicht, weil Manager Boni kassierten. Sie kollabierte, weil sie jahrelang Risiken einging, die die Aufsicht nicht kontrollierte. Sie kollabierte, weil das Risikomanagement versagte. Sie kollabierte, weil die FINMA nicht einschritt. Sie kollabierte, weil der Verwaltungsrat nicht kontrollierte. Boni waren ein Symptom, nicht die Ursache. SRF rahmt die Boni als Kernproblem — und verschweigt, dass die Ursache strukturell war: eine Aufsicht, die nicht aufpasste, ein Verwaltungsrat, der nicht kontrollierte, eine Regierung, die nicht regulierte.
Die FINMA, die versagte und nun belohnt wird
SRF berichtet, die FINMA soll zusätzliche Befugnisse erhalten — Bussen bis zu zehn Prozent des Betriebsergebnisses. SRF fragt nicht, ob die FINMA ihre bisherigen Befugnisse genutzt hat. Die FINMA wusste seit Jahren, dass die CS Risiken einging. Die FINMA führte Enforcement-Verfahren durch. Die FINMA forderte Massnahmen. Die FINMA konnte nicht durchgreifen, weil das Gesetz sie einschränkte — oder weil sie nicht wollte. SRF fragt nicht, ob die FINMA versagte, weil ihr die Befugnisse fehlten, oder weil sie die Befugnisse nicht nutzte. Die Frage, ob eine Aufsicht, die versagte, mehr Macht verdient, wird nicht gestellt. SRF zitiert die FINMA: Sie warnt vor einer «Verwässerung im politischen Prozess». SRF fragt nicht, ob die FINMA selbst verwässert wurde — durch politischen Druck, durch personelle Verflechtungen, durch eine Kultur der Zurückhaltung.
Die UBS, die als Lösung und Problem zugleich steht
SRF erwähnt den «Zusammenbruch der Credit Suisse». SRF erwähnt nicht, dass die Regierung die CS mit der UBS fusionierte — und damit eine Bank schuf, die grösser ist als die CS allein. Die UBS ist jetzt die grösste Bank der Schweiz. Sie ist systemrelevanter als die CS je war. Sie ist «too big to fail» in einer Dimension, die vor 2023 nicht existierte. SRF fragt nicht, ob die Regierung durch die Rettung ein grösseres Problem schuf als das, das sie löste. SRF fragt nicht, ob die neuen Regeln die UBS überhaupt erfassen können. SRF fragt nicht, ob eine Bank, die 2023 gerettet wurde, 2029 — wenn die Regeln in Kraft treten — noch existiert in einer Form, die die Regeln greifen lassen.
Die Zeit
SRF berichtet, die neuen Vorgaben könnten «frühestens Anfang 2029» in Kraft treten. Das ist sechs Jahre nach dem CS-Zusammenbruch. SRF fragt nicht, ob das angemessen ist. SRF fragt nicht, ob eine Regulierung, die sechs Jahre braucht, das Problem löst, das sie lösen soll. SRF fragt nicht, ob die UBS in den sechs Jahren neue Risiken aufbaut, die die neuen Regeln nicht erfassen. SRF fragt nicht, ob der politische Prozess — Vernehmlassung, Botschaft, Parlament, Inkrafttreten — beschleunigt werden könnte. Die Frage, ob eine Regierung, die sechs Jahre für eine Regulierung braucht, ernsthaft handelt, wird nicht gestellt.
Die Verantwortung
SRF berichtet, ein «Verantwortlichkeitsregime» soll festlegen, wer für welche Entscheide verantwortlich ist. SRF fragt nicht, wer für den CS-Zusammenbruch verantwortlich war. SRF fragt nicht nach den Namen der Verwaltungsräte, die die CS führten. SRF fragt nicht nach den Namen der FINMA-Beamten, die die CS beaufsichtigten. SRF fragt nicht nach den Namen der Politiker, die die Regulierung verhinderten. SRF fragt nicht, ob jemand zur Rechenschaft gezogen wurde. Die Frage, ob eine Regierung, die ein Verantwortlichkeitsregime fordert, selbst Verantwortung übernimmt, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die CS-Verantwortlichen je haftbar gemacht wurden, wird nicht gestellt.
Die Kosten
SRF berichtet über eine Regulierung, die Banken trifft. SRF fragt nicht, was das kostet. SRF fragt nicht, wer die Kosten trägt. SRF fragt nicht, ob die Banken die Kosten an Kunden weitergeben. SRF fragt nicht, ob die neuen Eigenkapitalvorschriften und Liquiditätsanforderungen die Kreditvergabe erschweren. SRF fragt nicht, ob die Schweizer Wirtschaft unter strengeren Bankregeln leidet. Die Frage, ob eine Regulierung, die Banken sicherer macht, die Wirtschaft schwächt, wird nicht gestellt.
So funktioniert dieser Beitrag: Er meldet eine Regulierung und rahmt sie als Konsequenz aus dem CS-Debakel. Die Ursache des Zusammenbruchs wird auf Boni reduziert. Die FINMA, die versagte, wird mit mehr Befugnissen belohnt. Die UBS, die durch die Regierungsrrettung grösser wurde, fehlt. Die sechsjährige Verzögerung wird nicht hinterfragt. Die Namen der Verantwortlichen fehlen. Die Kosten fehlen. Wer den Beitrag liest, weiss, dass der Bundesrat Boni regeln will und dass die FINMA mehr Bussen verhängen darf. Wer wissen will, ob Boni die Ursache waren, ob die FINMA versagte, ob die UBS das eigentliche Problem ist, wer verantwortlich war, was die Regulierung kostet und ob sechs Jahre angemessen sind, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Finanzberichterstattung, das ist eine Regierungsmeldung mit Boni-Sündenbock.
Ähnliche Beiträge
Kein Artikel verpassen.
