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Die beschäftigte Statistik
Medienkritik
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Die beschäftigte Statistik

SRF/SRGMigrationWirtschaft
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Die Beschäftigung wächst. Um 0,5 Prozent. Auf 5,537 Millionen. Der Dienstleistungssektor treibt das Wachstum. Die Industrie erholt sich. Die Aussichten sind positiv. So weit, so gut. Aber was bedeutet das eigentlich? Was SRF nicht fragt: Wächst die Beschäftigung schneller als die Bevölkerung? Wer sind die neuen Beschäftigten? Sind es Schweizer? Sind es Zugezogene? Sind es Grenzgänger? Wie viele Stellen gehen an Menschen, die erst kürzlich ins Land gekommen sind? Die Antwort auf diese Fragen würde das Bild komplett verändern. Aber SRF stellt sie nicht. SRF meldet: Wachstum. Punkt.

Zum SRF Beitrag «Beschäftigung nimmt schweizweit zu», 28.05.2026


Die Zahl, die allein steht

«Die Zahl der Beschäftigten in der Schweiz wuchs innert Jahresfrist insgesamt um 0,5 Prozent auf 5,537 Millionen.»

0,5 Prozent. Das klingt nach Aufschwung. Nach Erfolg.

Aber: Wie stark ist die Bevölkerung im selben Zeitraum gewachsen?

Die Antwort fehlt im Artikel. SRF nennt die Beschäftigungszahl, verschweigt aber das demografische Umfeld. Das ist eine bewusste Auslassung. Denn wenn die Bevölkerung schneller wächst als die Beschäftigung, sinkt die Beschäftigungsquote. Dann ist das «Wachstum» kein echter wirtschaftlicher Erfolg — es ist ein relativer Rückgang der Pro-Kopf-Beschäftigung.

Die Schweiz hat seit Einführung der Personenfreizügigkeit eine Nettozuwanderung von weit über einer Million Menschen verzeichnet; die Wohnbevölkerung hat die 9-Millionen-Marke längst geknackt. Diese Menschen tauchen in der Beschäftigungsstatistik auf. Sie produzieren das «Wachstum». Aber ist das ein Ausweis wirtschaftlicher Stärke? Oder sind einfach alle «beschäftigt»?

Ist es einfach das Resultat einer Einwanderungspolitik, die die Schweiz quantitativ aufbläht? Die Frage ist zwingend. Sie wird nicht gestellt.

Der Sektor, der nicht erklärt wird

«Getrieben wurde das Beschäftigungswachstum vom Dienstleistungssektor. Dort nahm die Zahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,6 Prozent auf 4,409 Millionen zu.»

Dienstleistungssektor. Das ist der grösste Teil der Schweizer Wirtschaft. Er umfasst alles: vom Spital über die Bank bis zum Coiffeur, vom IT-Dienstleister bis zum Integrationsbeauftragten.

Die Frage, die SRF umschifft: Welche Dienstleistungen wachsen hier eigentlich? Sind es hochqualifizierte, wertschöpfende Dienstleistungen, die uns alle reicher machen? Oder sind es Dienstleistungen, die schlicht durch das Bevölkerungswachstum erzwungen werden? Mehr Menschen brauchen mehr Pflege. Mehr Zuzügler brauchen mehr Verwaltung, mehr Wohnraum, mehr Infrastruktur, mehr Kita-Plätze.

Ökonomen nennen das «extensives Wachstum» – die Wirtschaft wächst nur, weil mehr Köpfe im Land sind, nicht weil wir produktiver werden. SRF meldet das Wachstum im Dienstleistungssektor, als wäre es ein Zeichen von Innovationskraft. In Wahrheit ist es ein reines Zeichen von Demografie.

Die Industrie, die sich nicht erholt

«Im zweiten Sektor, also in der Industrie und im Baugewerbe, war der Zuwachs mit 0,1 Prozent auf 1,129 Millionen Beschäftigte geringer. Allerdings war die Industrie zuletzt mit einem Beschäftigungsabbau konfrontiert.»

0,1 Prozent. Das ist kein Zuwachs. Das ist statistisches Rauschen. Das ist Bedeutungslosigkeit.

Aber SRF rahmt es als «leichte Aufwärtstendenz» nach einer «Durststrecke». Das ist reines Framing. Die Realität: Die Schweizer Industrie stagniert. Sie wächst nicht, sie steht still. Und das, obwohl der Binnenmarkt durch die Zuwanderung rasant wächst und mehr Menschen mehr Güter nachfragen. Trotzdem schafft die Industrie kein echtes Stellenplus. Das wäre die eigentliche Nachricht. Aber SRF feiert lieber die 0,1 Prozent und verpasst die Story.

Die offenen Stellen, die niemand will

«So meldeten die Unternehmen im ersten Quartal insgesamt 98'200 offene Stellen.»

98'200 offene Stellen. Das klingt nach einer brummenden Wirtschaft, die händeringend Personal sucht. Aber warum sind diese Stellen offen? Gibt es keine Arbeitskräfte? Oder weigern sich die vorhandenen Arbeitskräfte, zu den angebotenen Konditionen zu arbeiten?

Aus Unternehmersicht ist die Sache klar: Es gibt zu wenig Leute. Wie ist das möglich? Die Schweiz wächst Bevölkerungstechnisch rasant.

Die Lösung lautet stets: Mehr Einwanderung, mehr Grenzgänger, offene Schleusen.

Aus Arbeitnehmersicht sieht es anders aus: Die Firmen bieten zu wenig. Zu tiefe Löhne, zu hohe Belastung, miese Arbeitszeiten. Die marktwirtschaftliche Lösung wäre: Löhne rauf, Arbeitsbedingungen verbessern, in interne Ausbildung investieren.

SRF wählt unkritisch die Unternehmerperspektive. Offene Stellen werden automatisch als Schicksalsschlag des «Fachkräftemangels» verkauft. Die Gegenperspektive – dass es sich oft um einen hausgemachten «Billigkräftemangel» handelt – kommt nicht vor.

Der Fachkräftemangel, der nicht hinterfragt wird

«34,3 Prozent der Firmen meldeten Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von qualifizierten Arbeitskräften.»

Was bedeutet «Schwierigkeiten»? Heisst es, der Arbeitsmarkt ist leergefegt? Oder heisst es, der Markt ist leergefegt für Firmen, die einen Senior-Entwickler zum Lohn eines Praktikanten suchen?

SRF differenziert nicht. «Rekrutierungsschwierigkeiten» wird als Synonym für «Fachkräftemangel» verwendet. Und das Wort «Fachkräftemangel» ist das politische Codewort für «Wir brauchen mehr Zuwanderung». Die mediale Erzählung funktioniert wie eine Echokammer.

Die Bevölkerung, die nicht vorkommt

Der gesamte SRF-Artikel spricht über Beschäftigung. Das Wort «Bevölkerung» fällt kein einziges Mal.

Das ist, als würde man den Umsatz eines Unternehmens loben, aber die explodierenden Kosten verschweigen. Wenn die Beschäftigung um 0,5 Prozent wächst, die Bevölkerung im selben Zeitraum aber um 1 Prozent zulegt, dann sinkt der Wohlstand pro Kopf. Dann gibt es mehr Druck auf die Strassen, die Wohnungsmieten und die Sozialsysteme. SRF liefert die halbe Wahrheit. Und halbe Wahrheiten sind in der Politik immer nützliche Wahrheiten.

Das BFS und der Stenograf

Der Artikel basiert auf einer einzigen Quelle: dem Bundesamt für Statistik (BFS). Das BFS liefert korrekte Zahlen. Aber staatliche Ämter liefern immer Daten, die das Handeln der Regierung stützen. Die Regierungspolitik baut auf dem Narrativ des Fachkräftemangels und der Personenfreizügigkeit auf.

Die Aufgabe eines Journalisten wäre es, diese Rohdaten in einen Kontext zu setzen, Methodiken zu hinterfragen und Implikationen aufzuzeigen. SRF tut nichts davon. SRF ist nicht der vierte Stand, SRF agiert hier als staatlicher Stenograf. Es ist die unhinterfragte Weitergabe einer Pressemitteilung.

Die Google-Bettelei, die alles sagt

Mitten im Artikel — zwischen Zahlen und Prognosen — steht plötzlich ein Absatz, der tief blicken lässt:

«Wählen Sie SRF als Ihre bevorzugte Quelle bei Google. Schneller das sehen, was für Sie relevant ist [...] Klicken Sie das Kästchen an.»

Das ist plumpe Eigenwerbung. Ein mit Zwangsgebühren finanzierter Staatsbetrieb bettelt bei seinen Lesern darum, den Algorithmus eines US-Techgiganten zu manipulieren, um die eigene Reichweite künstlich hochzuhalten. Ein privater Verlag muss um Klicks kämpfen, um zu überleben. SRF kriegt seine 1,5 Milliarden Franken ohnehin – und nutzt diese Mittel, um sich im Netz einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber privaten Medien zu sichern.

Die Frage, die nie gestellt wird

Wenn die Beschäftigung wächst, die Bevölkerung aber noch schneller wächst — wer profitiert dann wirklich?

Nicht der Schweizer Arbeitnehmer. Für ihn bedeutet das: Mehr Konkurrenz um dieselben Stellen, Lohndruck, überfüllte Züge und steigende Mieten. Nicht der Steuerzahler. Für ihn bedeutet das: Höhere Ausgaben für Infrastruktur, Schulen und Sozialwerke.

Es profitieren die Unternehmen, die billig rekrutieren können, ohne selbst ausbilden zu müssen. Sie können wachsen, indem sie einfach mehr Menschen einstellen, statt innovativer zu werden. Das Beschäftigungswachstum, das SRF als Erfolg der Schweizer Wirtschaft feiert, ist in Wirklichkeit ein Triumph der Schweizer Einwanderungspolitik für die Chefetagen. Für die Arbeitnehmer ist es eine Belastung.

SRF feiert das Wachstum. Und verschweigt, wem es nützt. Die Bürger zahlen 335 Franken im Jahr. Für die halbe Wahrheit.

Originalbeitrag auf X →

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