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Die Auswahl: Wolf oder Schafspelz?
Medienkritik
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Die Auswahl: Wolf oder Schafspelz?

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Am 31. März 2026 berichtet SRF, dass in Hamburg ein Wolf eine Frau gebissen hat. Acht Sätze. Eine Karte. Ein Foto der Binnenalster bei Nacht. Das Tier wurde eingefangen. Weitere Informationen werden in Aussicht gestellt.

Am 18. Mai 2025 betrat ein 36-jähriger syrischer Staatsbürger eine Bar in Bielefeld und stach wahllos auf Menschen ein. Die Bundesanwaltschaft stuft die Tat als islamistisch motivierten Terroranschlag ein. Vier junge Menschen zwischen 22 und 27 wurden schwer verletzt. Einer stellte sich dem Angreifer entgegen und überlebte mit schwersten Stich- und Schnittwunden knapp. Er ist als Werkstudent nicht krankengeldberechtigt. Ein weiteres Opfer ist bis heute arbeitsunfähig, kann seine Wohnung kaum verlassen. Am 2. März 2026 begann der Prozess in Düsseldorf. 21 Verhandlungstage sind angesetzt.

SRF berichtet über den Wolf. Über den Terroranschlag, den Prozess, die Opfer — nichts.


Im selben Monat berichtet SRF ausführlich über den Fall Collien Fernandes: «digitale Vergewaltigung», Demonstrationen, Deepfake-Gesetzgebung, fünf Stimmen, alle einig. Eine deutsche Geschichte für ein Schweizer Publikum, das von keinem der geforderten Gesetze betroffen sein wird. SRF importiert sie trotzdem. Sie passt.

Ein islamistischer Messerangriff auf eine Bar, verübt von einem syrischen Staatsbürger mit mehreren Identitäten, dessen Opfer von der Politik im Stich gelassen werden — diese Geschichte passt nicht. Sie berührt Migration, Islamismus, Identitätsbetrug, Behördenversagen. Jedes dieser Themen ist in der Schweiz politisch aufgeladen. Jedes wäre für ein Schweizer Publikum unmittelbar relevant — relevanter als ein Wolf in Altona.

SRF bringt nicht jede deutsche Nachricht. Das ist legitim. Jede Redaktion wählt aus. Die Frage ist, nach welchen Kriterien. Ein Wolf, der eine Frau beisst: kurios, teilbar, folgenlos. Eine Schauspielerin, die ihren Ex-Mann beschuldigt: emotional, mobilisierend, gesetzgebungsrelevant. Ein islamistischer Terroranschlag mit schwerverletzten jungen Menschen und einem Prozess, der grundlegende Fragen an Asylverfahren, Identitätskontrollen und Sicherheitsbehörden stellt: unbequem, komplex, instrumentalisierbar von der falschen Seite.

Die Auswahl ist die mächtigste redaktionelle Entscheidung. Nicht was ein Medium berichtet, definiert sein Weltbild. Was es nicht berichtet, definiert es. SRF entscheidet täglich, welche deutschen Geschichten das Schweizer Publikum erreichen. Ein Wolf in Hamburg: ja. Deepfake-Demonstrationen: ja. Ein IS-Terrorist, der in einer deutschen Bar junge Menschen niedersticht: nein. Man muss keine Verschwörung unterstellen. Man muss nur die Auswahl lesen.


Quellen: SRF, «Wolf beisst in Hamburg eine Frau – mitten im Einkaufsgebiet», 31. März 2026; SRF, Simone Fatzer, «Enthüllungen haben Schockwelle durch Deutschland geschickt», 30. März 2026; WDR, Max Meis, «Prozessbeginn nach mutmasslichem Terroranschlag in Bielefelder Bar», 2. März 2026.

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