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Die Abgabe, welche die Personenfreizügigkeit verdeckt
Medienkritik
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Die Abgabe, welche die Personenfreizügigkeit verdeckt

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schwerwiegend
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SRF meldet, dass eine Ständeratskommission eine Lenkungsabgabe für EU-Arbeitskräfte fordert, und rahmt sie als «raffiniertes Instrument» zum Schutz der Bevölkerung. 4000 Franken pro Jahr, Rückverteilung an das Volk. Der Beitrag verschweigt, dass der Bundesrat die Abgabe selbst für vertragswidrig erklärt. Er verschweigt die 400'000 Nettozuwanderer seit Einführung der Personenfreizügigkeit. Und er verschweigt, dass die Abgabe ein innenpolitisches Theater ist, um das Vertragspaket dem Volk schmackhaft zu machen. Er ist eine Parlamentsnotiz, die einen juristischen Bluff als Kompromiss inszeniert.

Zum SRF-Beitrag «Ständeratskommission fordert Lenkungsabgabe für EU-Arbeitskräfte», Tagesschau, 18.08.2026


Das Framing steht im Wort «raffiniert». FDP-Ständerat Andrea Caroni nennt die Lenkungsabgabe ein «raffiniertes Instrument». SRF übernimmt die Selbstbeschreibung ungeprüft. Eine Abgabe, die EU-Arbeitskräfte zur Kasse bittet, klingt nach Kontrolle. SRF fragt nicht, ob das Instrument die Zuwanderung steuert oder ob es ein Placebo ist, das den Bürgern suggeriert, die Politik habe die Lage im Griff. Die Frage, ob eine Abgabe von 4000 Franken einen globalen Konzern davon abhält, einen Spezialisten aus der EU zu rekrutieren, wird nicht gestellt.

Der Widerspruch, der als Fussnote untergeht

SRF berichtet am Ende des Texts, dass der Bundesrat die Abgabe für «nicht mit dem Personenfreizügigkeitsabkommen vereinbar» hält. Bei Familienangehörigen stünde sie zudem im Konflikt mit der Europäischen Menschenrechtskonvention. Das ist die verräterische Stelle des Beitrags. Eine Kommission des Ständerats fordert ein Instrument, das der Bundesrat für vertragswidrig erklärt. Das heisst: Die Abgabe wird an der EU scheitern. Das heisst: Der Ständerat beschliesst ein Gesetz, das juristisch nicht umsetzbar ist. SRF erwähnt den Widerspruch und fragt nicht, was er bedeutet. Die Frage, ob eine Kommission ein Gesetz beschliesst, das sie weiss, dass die EU es kippen wird, um den Wählern ein Sicherheitsgefühl zu geben, wird nicht gestellt. SRF rahmt die Abgabe als Verhandlungsmasse — und verschweigt, dass es sich um ein innenpolitisches Theater handelt, das das Vertragspaket retten soll.

Die 400'000, die keinen Massstab haben

SRF berichtet über die Schutzklausel, die greifen soll, wenn die Zuwanderung zu stark ist. Schwellenwerte für Nettozuwanderung, Grenzgänger, Arbeitslosigkeit, Sozialhilfequote. SRF nennt die Werte und fragt nicht, was der Status quo ist. Seit dem Inkrafttreten der Personenfreizügigkeit 2002 kam es zu einer Nettozuwanderung von rund 400'000 Personen. 400'000 Menschen, die die Infrastruktur, den Wohnungsmarkt und die Sozialwerke belasten. SRF fragt nicht, ob eine Abgabe, die erst bei künftigen Schwellenwerten greift, das Problem der vergangenen 20 Jahre löst. Die Frage, ob eine Politik, die 400'000 Nettozuwanderer zulässt und dann eine Abgabe von 4000 Franken fordert, die Infrastruktur repariert oder nur den Anschein erweckt, wird nicht gestellt.

Die Rückverteilung, die als Wohltat gerahmt wird

SRF schreibt, die eingenommenen Gelder sollen «vollumfänglich an die Bevölkerung ausgeschüttet werden». Caroni sagt: Die Bevölkerung sehe, «wir erhalten etwas». SRF übernimmt das als Beweis für Fairness. SRF fragt nicht, was das bedeutet. Eine Rückverteilung ist ein Kaufangebot. Die Bevölkerung erhält Geld, aber sie verliert ihren Lebensraum. Die Frage, ob ein finanzieller Ausgleich die kulturelle und infrastrukturelle Überlastung einer Gesellschaft kompensiert, wird nicht gestellt. SRF rahmt die Bestechung der Bürger als Solidarität — und verschweigt, dass das Geld die verlorenen Wohnungen und verstopften Strassen nicht zurückkauft.

Die Schweiz, die sich selbst ausblendet

SRF berichtet über ein EU-Vertragspaket. Die Schweiz übernimmt EU-Recht, sie gibt Souveränität ab, sie akzeptiert die Personenfreizügigkeit. Die Frage, was das Vertragspaket für die direkte Demokratie bedeutet, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die Schweiz bei einem Paket, das die EU-Rechtsdynamik vorsieht, das Recht hat, eigene Abgaben zu erheben, die die EU für illegal erklärt, wird nicht gestellt. SRF berichtet über die Details der Lenkungsabgabe und exempt die grundlegende Frage, ob die Schweiz das Paket überhaupt annehmen sollte.


So funktioniert dieser Beitrag: Er meldet einen parlamentarischen Vorschlag und rahmt ihn als raffinierte Lösung. Die juristische Unmöglichkeit, die der Bundesrat selbst benennt, wird als Fussnote abgetan. Die 400'000 Nettozuwanderer der letzten 20 Jahre fehlen als Massstab. Die Rückverteilung an die Bevölkerung wird als Wohltat gerahmt, nicht als Bestechung hinterfragt. Wer den Beitrag liest, weiss, dass der Ständerat eine Abgabe von 4000 Franken fordert und dass das Geld an das Volk geht. Wer wissen will, ob die Abgabe juristisch Bestand hat, ob sie irgendeinen Konzern abschreckt, ob sie die kumulierten Folgen der letzten 20 Jahre repariert und ob das Vertragspaket der Schweiz überhaupt nützt, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Vertragsberichterstattung, das ist eine Parlamentsnotiz, die einen Placebo als Schutzklausel verkauft.

Originalbeitrag auf X →

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