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Der Rabatt, der die Verantwortung verschlingt
Medienkritik
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Der Rabatt, der die Verantwortung verschlingt

SRF/SRGWirtschaftGesellschaft
schwerwiegend
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SRF meldet, dass Ärzte und Apotheker Medikamenten-Rabatte nicht an Patienten weitergeben, und rahmt den Vorgang als Kontrolllücke. Die EFK kritisiert den Bund, das BAG verspricht Besserung. Was nicht vorkommt: die Frage, wer die 655 Millionen kassiert; Die Frage, warum das BAG die Kontrolle sechs Jahre lang nicht wahrnahm; Die Frage, ob das BAG unter Berset das Personal abzog, um Covid zu managen. Was nicht vorkommt: die Frage, ob das BAG unter Baume-Schneider die Stellen halbierte. Was nicht vorkommt: der Schaden von über 2 Milliarden Franken. Der Beitrag ist eine Verwaltungsnote, die ein politisches Versagen als administrativen Schlupfloch verkauft — während 20min denselben Fall als Skandal aufdeckt.

Zum SRF-Beitrag «Vergünstigungen bei Medikamenten erreichen die Patienten kaum», HeuteMorgen, 13.08.2026, und zum 20min-Beitrag «Ärzte und Apotheken behalten Millionen-Rabatte, BAG schaut weg», 12.08.2026


Das Framing steht im ersten Satz: «Ärztinnen, Apotheker und Spital-Leitungen geben nur einen Teil ihrer Rabatte weiter.» «Rabatte» und «Vergünstigungen» sind die Worte, die den Vorgang ökonomisch einordnen. Es geht um Handel, um Preise, um Rabatte. Die Frage, ob es sich um Korruption handelt, wird nicht gestellt. SRF rahmt die 655 Millionen Franken, die im System verbleiben, als «Vorteile, die sie nicht weitergeben muss» — nicht als illegale Bereicherung. 20min nennt es «klar gesetzeswidrig». SRF nennt es «Ausnahmen». 20min nennt es «Skandal». Zwei Medien, derselbe Fall, zwei Rahmungen.

Die 2 Milliarden, die SRF verschweigt

SRF berichtet über 655 Millionen Franken, die 2024 im System verbleiben. SRF nennt eine Jahreszahl. 20min nennt die Summe: über 2 Milliarden Franken Schaden für die Prämienzahlenden, kumuliert von 2020 bis 2026. 20min rechnet: 370 Millionen pro Jahr, die hätten weitergegeben werden müssen, sechs Jahre lang, macht über 2 Milliarden. SRF erwähnt die kumulierte Summe mit keinem Wort. SRF erwähnt nicht, dass der Schaden, den die EFK feststellt, nicht 655 Millionen für ein Jahr beträgt, sondern 2 Milliarden für sechs Jahre. Die Frage, ob eine Berichterstattung, die den jährlichen Betrag nennt, aber die kumulierte Summe verschweigt, den Skandal verharmlost, wird nicht gestellt.

Das BAG, das SRF halbiert

SRF berichtet, die EFK kritisiere, das BAG kontrolliere zu wenig. SRF fragt nicht, warum. 20min liefert die Antwort: Das BAG hatte elf Vollzeitstellen für die Rabattkontrolle. Dann kam Corona. Alain Berset zog alle Angestellten von der Rabattkontrolle ab und setzte sie zur Krisenbewältigung ein. Auch nach Corona kam die Kontrolle nicht in Fahrt. Unter Elisabeth Baume-Schneider wurden die elf Stellen auf 7,5 reduziert — wegen allgemeiner Sparrunden. SRF erwähnt none of this. SRF erwähnt nicht, dass das BAG unter Berset das Personal abzog, um Covid zu managen. SRF erwähnt nicht, dass das BAG unter Baume-Schneider die Stellen halbierte. SRF erwähnt nicht, dass zwei Bundesräte, die für die Rabattkontrolle zuständig waren, das Personal reduzierten — während die Rabatte in den Systemen verbleiben. Die Frage, ob eine Berichterstattung, die ein behördliches Versagen dokumentiert, ohne die politische Verantwortung zu nennen, Journalismus ist, wird nicht gestellt.

Die Namen, die SRF nicht nennt

SRF nennt keine Namen. SRF nennt keine Spitäler. SRF nennt keine Arztpraxen. SRF nennt keine Pharmafirmen. 20min nennt das BAG. 20min nennt Kristian Schneider, Leiter Kranken- und Unfallversicherung beim BAG. 20min nennt Alain Berset, der das Personal abzog. 20min nennt Elisabeth Baume-Schneider, die die Stellen halbierte. SRF nennt niemanden. Die Frage, wer die 2 Milliarden verantwortet, wird nicht gestellt. Die Frage, wer die 655 Millionen kassiert, wird nicht gestellt. Die Frage, wer das Personal reduzierte, wird nicht gestellt. SRF redet über ein System, aber nicht über die Akteure, die das System ausnutzen. Die Täter bleiben unsichtbar, das Geld bleibt abstrakt.

Die Sanktionen, die niemand vollstreckt

SRF berichtet, das BAG hätte die Möglichkeit, Sanktionen zu verhängen. SRF berichtet, beides habe es noch nicht gegeben. SRF fragt nicht, warum. 20min fragt: Das BAG hatte die Kontrollinstrumente, aber es tat nichts. 20min fragt, ob das BAG bewusst wegschaute oder überfordert war. SRF erwähnt die fehlenden Sanktionen und geht weiter — als sei das Versagen der Vergangenheit mit dem Versprechen der Zukunft erledigt. Die Frage, ob eine Behörde, die 2 Milliarden duldete und nun sechs Verfahren führt, ernsthaft handelt, wird nicht gestellt.

Die Prämien, die SRF nicht erwähnt

SRF berichtet über 655 Millionen Franken, die im Gesundheitssystem verbleiben. SRF erwähnt mit keinem Wort, was das für die Patienten bedeutet. 2 Milliarden, die nicht an die Versicherten gelangen, bedeuten, dass die Krankenkassenprämien höher sind, als sie sein müssten. 2 Milliarden bedeuten, dass jeder Prämienzahler jährlich einen Betrag bezahlt, der eigentlich ein Rabatt wäre. SRF fragt nicht, ob die 2 Milliarden die Prämien treiben. SRF fragt nicht, ob die Patienten, die die Prämien zahlen, die Opfer der Bereicherung sind. 20min nennt den «Schaden für Prämienzahlende». SRF nennt ihn nicht. Die Frage, ob eine Berichterstattung, die über Rabatte schreibt, die finanzielle Belastung der Bürger verschweigt, den Bogen verfehlt, wird nicht gestellt.


So funktioniert dieser Beitrag: Er meldet ein behördliches Versagen und rahmt es als Kontrolllücke, die nun geschlossen wird. Die 2 Milliarden kumulierter Schaden fehlen. Die politische Verantwortung — Berset, der das Personal abzog, Baume-Schneider, die die Stellen halbierte — fehlt. Die Namen der Täter fehlen. Die Sanktionen fehlen. Die Prämienlast für die Bürger fehlt. Wer den SRF-Beitrag liest, weiss, dass Ärzte Rabatte behalten und dass das BAG nun kontrollieren will. Wer den 20min-Beitrag liest, weiss, dass das BAG sechs Jahre lang nichts tat, dass 2 Milliarden verloren gingen, dass Berset das Personal abzog und Baume-Schneider die Stellen halbierte. Wer wissen will, wer die 2 Milliarden verantwortet, warum das BAG versagte, wer das Personal reduzierte und was die Bereicherung für die Prämien bedeutet, muss 20min lesen. Das ist keine Gesundheitsberichterstattung, das ist eine Verwaltungsnote, die einen Skandal als Kontrolllücke verkauft — während 20min denselben Fall als das aufdeckt, was er ist: ein politisches Versagen mit Namen und Verantwortung.

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