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Der Hochmut der NZZ
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Wie Georg Häsler die SVP-Initiative als «Alleingang» und «Hochmut» rahmt, dabei selbst die hybristische Annahme vertritt, die Schweiz müsse sich Europa unterordnen, um zu überleben, die Personenfreizügigkeit mit der europäischen Schicksalsgemeinschaft gleichsetzt, die konkreten Kosten der Zuwanderung verschweigt, das Argument der «Resilienz» für die Seite verwendet, die恰恰 die Resilienz der Schweiz durch ungebremstes Wachstum untergräbt, und nicht fragt, was eine «Werte- und Schicksalsgemeinschaft» wert ist, die die direkte Demokratie als «Gefühlsausbruch» abtut

Zum NZZ-Kommentar von Georg Häsler «Hochmut kommt vor dem Fall: Der Alleingang in Europa hat Konsequenzen», 23. Mai 2026


Es ist ein Kommentar der Warnung. Die Schweiz stehe auf Kollisionskurs. Die Schweiz ziehe sich mental ins Landesinnere zurück. Die Schweiz verfalle dem Eigensinn. Die Schweiz leide an Hybris. Ein Ja zur Initiative sei ein Alleingang mit Konsequenzen.

Es ist die alte Geschichte: Wer nicht mitmacht, wird bestraft. Wer nicht gehorcht, wird isoliert. Wer nicht integriert, wird marginalisiert.

Es ist die Sprache der Erpressung. Verpackt als Sachlichkeit. Veredelt als Geopolitik. Überhöht als «Werte- und Schicksalsgemeinschaft».

Und es ist ein Kommentar, der die wichtigste Frage nicht stellt: Was ist die Alternative? Und was kostet sie?

«Eigensinn.»

Häsler schreibt: «Ausgerechnet jetzt, wo stabile Beziehungen zu den Nachbarn an Bedeutung zunehmen, verfällt die Schweiz dem Eigensinn.»

«Eigensinn.» Das ist das Wort. Es bedeutet: Die Schweiz tut, was sie will. Sie hört nicht auf andere. Sie folgt nicht dem Konsens. Sie geht ihren eigenen Weg.

Aber was ist der «Eigensinn» konkret? Eine Volksinitiative, die eine Bevölkerungsobergrenze fordert. Ein demokratischer Prozess, in dem das Volk über seine eigene Zukunft entscheidet.

Ist das Eigensinn? Oder ist es Selbstbestimmung?

Häsler verwendet «Eigensinn» als Schimpfwort. Er impliziert: Wer nicht tut, was Europa will, ist eigensinnig. Wer nicht akzeptiert, was Brüssel entscheidet, ist eigensinnig. Wer die Personenfreizügigkeit infrage stellt, ist eigensinnig.

Aber die Schweiz war immer eigensinnig. Sie war eigensinnig, als sie die Schwarzenbach-Initiative zur Abstimmung brachte. Sie war eigensinnig, als sie den EWR ablehnte. Sie war eigensinnig, als sie die Masseneinwanderungsinitiative annahm. Sie war eigensinnig, als sie neutral blieb, während Europa in zwei Weltkriege zog.

Dieser Eigensinn ist kein Fehler. Er ist die Bedingung der Existenz der Schweiz. Ohne Eigensinn gäbe es keine Schweiz. Es gäbe einen Kanton mehr in der EU. Oder zwei. Oder drei.

Häsler nennt den Eigensinn «Alleingang». Aber ein Alleingang setzt voraus, dass es einen gemeinsamen Weg gibt, von dem man abweicht. Gibt es einen gemeinsamen Weg? Gibt es einen europäischen Konsens über die Zuwanderung?

Die Antwort lautet: Nein. Europa ist tiefer gespalten als die Schweiz. In keinem anderen europäischen Land ist die Zuwanderungspolitik so umstritten wie in der EU. Die Mitgliedsstaaten können sich nicht einigen. Die EU-Kommission kann sich nicht entscheiden. Die Flüchtlingsquoten sind gescheitert. Die Aussengeriff-Politik ist gescheitert. Die Verteilungsmechanismen sind gescheitert.

Die Schweiz geht keinen Alleingang. Sie geht einen eigenen Weg – wie jedes andere Land auch. Dänemark hat seine Sonderregelungen. Ungarn hat seine Grenzzäune. Polen hat seine Ablehnung. Schweden hat seine Restriktionen. Jedes Land macht das, was es für richtig hält.

Nur die Schweiz soll das nicht dürfen. Warum? Weil sie «vom Export lebt»? Weil sie «die Knochenarbeit an Zuwanderer delegiert»? Weil sie «auf einen respektvollen Umgang mit den Nachbarn angewiesen» ist?

Das sind keine Argumente. Das sind Drohungen. Die Botschaft lautet: Wenn du nicht gehorchst, werden wir dich bestrafen. Mit Stahlzöllen. Mit Energieembargos. Mit Sicherheitsausschluss. Mit Isolation.

Aber das ist keine Gemeinschaft. Das ist ein Schutzracket. Eine Gemeinschaft, die mit Strafen droht, wenn man nicht gehorcht, ist keine Gemeinschaft. Sie ist ein Kartell.

Die Schicksalsgemeinschaft Schweiz?

Häsler schreibt: «Die Schweiz ist Teil einer Werte- und Schicksalsgemeinschaft.»

Das ist die starke Behauptung. Aber was bedeutet sie?

«Wertegemeinschaft.» Welche Werte? Die Werte der Demokratie? Die Werte der Menschenrechte? Die Werte der Rechtsstaatlichkeit? Die Werte der Meinungsfreiheit?

Die Schweiz teilt diese Werte mit Europa. Aber sie teilt sie auch mit Kanada, mit Australien, mit Neuseeland, mit Japan, mit Südkorea. Sind das alles «Schicksalsgemeinschaften»?

«Schicksalsgemeinschaft.» Was ist das gemeinsame Schicksal? Das Schicksal, von Russland bedroht zu werden? Das Schicksal, von China herausgefordert zu werden? Das Schicksal, von den USA im Stich gelassen zu werden?

Die Schweiz teilt diese Bedrohungen mit Europa. Aber sie teilt sie auch mit der ganzen westlichen Welt. Und sie hat ihre eigene Art, darauf zu reagieren: mit Neutralität, mit Miliz, mit Autonomie.

Häsler verwendet «Schicksalsgemeinschaft» als Synonym für «EU». Aber die EU ist keine Schicksalsgemeinschaft. Sie ist ein Staatenbund mit gemeinsamen Interessen und gemeinsamen Regeln. Die Mitgliedsstaaten haben unterschiedliche Schicksale, unterschiedliche Interessen, unterschiedliche Kulturen. Sie kooperieren, weil es nützt – nicht weil sie ein gemeinsames Schicksal haben.

Und die Schweiz ist nicht Teil dieses Staatenbunds. Sie hat assoziierte Verträge. Sie hat bilaterale Abkommen. Sie hat eine spezielle Beziehung. Aber sie ist nicht Mitglied. Sie hat nicht die gleichen Pflichten. Sie hat nicht die gleichen Rechte. Sie hat nicht das gleiche Schicksal.

Häsler verschleift die Grenze. Er redet von «Werte- und Schicksalsgemeinschaft», als wäre die Schweiz ein EU-Mitglied. Aber sie ist es nicht. Und sie will es nicht sein. Das Volk hat 1992 den EWR abgelehnt. Es hat 2001 die EU-Beitrittsinitiative abgelehnt. Es hat 2005 die Personenfreizügigkeit knapp angenommen – aber als Teil eines Pakets, nicht als Bekenntnis zur Schicksalsgemeinschaft.

Die Schweiz hat sich bewusst gegen die Mitgliedschaft entschieden. Sie hat sich für den bilaterale Weg entschieden. Das ist kein Alleingang. Das ist eine Wahl. Eine demokratische Wahl.

Resilienz der Schweiz, nicht der EU!

Häsler schreibt: «In Europa dämmert die Einsicht, dass nicht die Moral und das gute Gefühl im Vordergrund stehen, sondern die Resilienz der liberalen Ordnung.»

«Resilienz.» Das ist das Modewort. Es bedeutet: Widerstandsfähigkeit. Die Fähigkeit, Krisen zu überstehen. Die Fähigkeit, sich anzupassen, ohne die Identität zu verlieren.

Häsler behauptet: Die EU wird resilienter. Die Schweiz wird es nicht. Die Schweiz setzt auf Moral und gutes Gefühl – auf Eigensinn und Hybris.

Aber was ist Resilienz wirklich?

Resilienz ist die Fähigkeit, Schocks zu absorbieren. Ein Schock kann ein Krieg sein. Eine Pandemie. Eine Energiekrise. Eine Migrationskrise. Eine Finanzkrise.

Wie resilient ist die Schweiz? Sie hat die Finanzkrise besser überstanden als die meisten EU-Länder. Sie hat die Pandemie besser bewältigt als die meisten EU-Länder. Sie hat die Energiekrise besser gemeistert als die meisten EU-Länder. Sie hat eine stabilere Währung, eine stabilere Regierung, eine stabilere Gesellschaft als die meisten EU-Länder.

Und wie resilient ist die EU? Die EU hat die Finanzkrise kaum überstanden – Griechenland ist noch immer traumatisiert. Die EU hat die Migrationskrise nicht bewältigt – die Frontex ist ein Fail. Die EU hat die Energiekrise nur dank amerikanischem Flüssiggas überlebt. Die EU hat eine wachsende Polarisierung, wachsende Populismus, wachsende Instabilität.

Wer ist resilienter? Die Schweiz oder die EU?

Die Antwort lautet: Die Schweiz. Nicht weil sie besser ist. Sondern weil sie kleiner ist, homogener ist, direktdemokratischer ist, föderalistischer ist. Weil sie entscheidet, was sie will, und nicht von Brüssel entscheiden lässt.

Häsler kehrt die Realität um. Er nennt die EU resilient und die Schweiz eigensinnig. Aber die EU ist fragil und die Schweiz ist resilient – gerade weil sie eigensinnig ist.

Alleingang mit Konsequenzen?

Häsler warnt: «Der Alleingang hat Konsequenzen. Jetzt beim Stahl, später vielleicht bei der Energie oder bei der Sicherheit.»

Das ist die Drohung. Wenn die Schweiz nicht gehorcht, wird sie bestraft. Bei Stahl. Bei Energie. Bei Sicherheit.

Aber was sind die Konsequenzen wirklich?

Stahlzölle: Die EU erhebt Schutzmassnahmen gegen Drittländer. Das betrifft die Schweiz – aber auch die USA, China, Russland, die Türkei. Es ist keine Massnahme gegen die Schweiz. Es ist eine Massnahme der EU, um ihren Binnenmarkt zu schützen. Die Schweiz ist betroffen, weil sie kein Mitglied ist. Aber sie wäre auch betroffen, wenn sie die Initiative ablehnt.

Energie: Die Schweiz importiert Strom aus Frankreich und Deutschland. Aber die Schweiz exportiert auch Strom – vor allem Speicherstrom aus den Alpen. Das ist ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis. Die EU braucht die Schweiz, nicht nur umgekehrt.

Sicherheit: Die Schweiz ist nicht in der Nato. Sie hat keine Beistandsgarantie. Sie hat keine kollektive Verteidigung. Aber sie hat eine Armee. Sie hat eine Miliz. Sie hat eine Zivilschutz. Und sie hat eine Neutralität, die ihr in zwei Weltkriegen das Überleben gesichert hat.

Häsler fragt: «Soll ein solches Land wirklich von einem europäischen Luftschirm profitieren, falls sich die Amerikaner weiter zurückziehen?»

Das ist die Frage. Aber sie ist die falsche Frage. Die richtige Frage lautet: Soll ein Land, das seine Sicherheit von anderen abhängig macht, noch souverän sein? Und: Was passiert, wenn der «Luftschirm» nicht kommt? Wenn die Europäer sich selbst verteidigen müssen? Wenn die Amerikaner sich zurückziehen?

Die Schweiz hat eine Antwort auf diese Frage: Sie verteidigt sich selbst. Mit einer Armee. Mit einer Miliz. Mit einer Neutralität. Das ist keine Hybris. Das ist Verantwortung.

Die Hybris, des zivilisatorischen Fortschritts

Häsler schreibt: «Die Hybris, diesen zivilisatorischen Fortschritt schlechtzureden, kann sich nur ein Land leisten, das sich zu sehr an die Freiheit, die Sicherheit und den Wohlstand gewöhnt hat.»

«Hybris.» Das ist das Wort. Es bedeutet: masslose Überheblichkeit. Die Masslosigkeit, die die Götter herausfordert und den Sturz bringt.

Aber was ist die Hybris wirklich? Ist es hybrisch, die eigene Bevölkerungsobergrenze zu bestimmen? Ist es hybrisch, die Zuwanderung zu begrenzen? Ist es hybrisch, die direkte Demokratie zu nutzen, um über die eigene Zukunft zu entscheiden?

Oder ist es hybrisch, einem Land zu sagen, dass es keine Wahl hat? Dass es gehorchen muss? Dass es sich unterordnen muss? Dass es die Konsequenzen tragen wird, wenn es nicht gehorcht?

Häsler kehrt die Hybris um. Er nennt die Schweiz hybrisch, weil sie selbstbestimmt sein will. Aber die wahre Hybris liegt bei denen, die der Schweiz sagen, dass sie keine Wahl hat. Die wahre Hybris liegt bei denen, die glauben, dass die EU die einzige Zukunft ist. Die wahre Hybris liegt bei denen, die die direkte Demokratie als «Gefühlsausbruch» abtun.

Die Frage, die Häsler nicht stellt

Die Frage lautet nicht: Soll die Schweiz mit Europa kooperieren?

Die Frage lautet: Zu welchen Bedingungen? Mit welchen Konsequenzen? Und mit welchem Ziel?

Die Frage lautet: Wenn die EU die Schweiz mit Stahlzöllen bestraft, weil sie ihre Zuwanderung begrenzt – ist das dann eine «Werte- und Schicksalsgemeinschaft»? Oder ist das ein Kartell, das die Mitglieder bestraft, wenn sie nicht gehorchen?

Die Frage lautet: Wenn die Schweiz die Personenfreizügigkeit aufgibt, verliert sie dann die bilateralen Verträge? Oder kann sie neue Verträge aushandeln, die ihre Interessen besser vertreten?

Die Frage lautet: Wenn die EU die Reihen schliesst und keine Ausnahmen mehr macht – warum sollte die Schweiz dann in diesem Club bleiben wollen? Warum sollte sie Verträge akzeptieren, die ihre Interessen nicht vertreten?

Die Frage lautet: Was kostet die Zuwanderung? Was bringt sie? Und für wen? Wenn das BIP wächst, aber das BIP pro Kopf stagniert – wer profitiert dann? Die Unternehmen, die billige Arbeitskräfte bekommen? Die Immobilienbesitzer, die höhere Mieten verlangen? Oder die Menschen, die vollere Züge, höhere Mieten und längere Warteschlangen erleben?

Die Frage lautet: Wenn die Schweiz die Zuwanderung begrenzt – was passiert dann? Kommen weniger Menschen? Ja. Wächst die Wirtschaft langsamer? Vielleicht. Sinkt die Lebensqualität? Nein. Sie steigt. Weil weniger Menschen um die gleichen Ressourcen konkurrieren.

Die Frage lautet: Warum nennt Häsler die direkte Demokratie «elektoralen Gefühlsausbruch»? Warum nennt er den Volkswillen «Protest an der Urne»? Warum nennt er die Selbstbestimmung «Eigensinn»? Warum nennt er die Souveränität «Hybris»?

Die Antwort lautet: Weil er die direkte Demokratie nicht respektiert. Weil er den Volkswillen nicht akzeptiert. Weil er glaubt, dass die Eliten – in Bern, in Brüssel, in den Redaktionsstuben – besser wissen, was gut für die Schweiz ist, als das Volk selbst.

Das ist die wahre Hybris. Nicht die Selbstbestimmung der Schweiz. Sondern die Bevormundung durch diejenigen, die glauben, dass sie besser wissen.


Georg Häsler warnt vor dem «Alleingang» der Schweiz. Er nennt die Initiative «Hochmut» und «Hybris». Er droht mit Konsequenzen: Stahlzölle, Energieembargos, Sicherheitsausschluss. Er beruft sich auf eine «Werte- und Schicksalsgemeinschaft», die er nie definiert. Er nennt die direkte Demokratie «Gefühlsausbruch» und den Volkswillen «Protest». Aber er fragt nicht, was die Alternative kostet. Er fragt nicht, was die Zuwanderung bringt – und für wen. Er fragt nicht, ob eine Gemeinschaft, die mit Strafen droht, wirklich eine Gemeinschaft ist. Er fragt nicht, ob die EU resilienter ist als die Schweiz – oder fragiler. Er fragt nicht, weil die Antwort seine These zerstören würde: dass die Schweiz keine Wahl hat. Dass sie gehorchen muss. Dass sie sich unterordnen muss. Aber die Schweiz hat eine Wahl. Sie hat immer eine Wahl gehabt. Das ist kein Eigensinn. Das ist Selbstbestimmung. Und Selbstbestimmung ist keine Hybris. Sie ist die Grundlage der Demokratie.

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