9min
Der Bergsturz als Projektionsfläche
Medienkritik
12 Minuten

Der Bergsturz als Projektionsfläche

SRF/SRGKlima/EnergieGesellschaft
schwerwiegend
Teilen

Zum SRF-Beitrag «Blatten ist kein Einzelfall: Wenn Heimat sich klimabedingt ändert», 13. Mai 2026 und dem SRF Klima-Narrativ

Ein Bergsturz im Lötschental. Ein Dorf wird verschüttet. Menschen verlieren ihre Heimat. Das ist eine Tragödie. Es ist auch eine Gelegenheit — für einen Diskurs, der die Tragödie nutzt, um eine Erzählung zu stützen, die nicht aus den Fakten folgt.

Die Erzählung lautet: Blatten ist ein Symptom des Klimawandels. Blatten ist wie Bangladesch. Blatten zeigt, dass Heimat nicht mehr selbstverständlich ist. Die Botschaft: Der Klimawandel zerstört Heimat. Überall. Global. In den Alpen wie im Ganges-Delta.

Das ist eine starke Erzählung. Sie ist auch eine Reduktion, die die Fakten ignoriert, die nicht ins Bild passen — und die die Experten verschweigt, die ihr widersprechen.

Die gespaltene Wissenschaft

Der Beitrag zitiert Jan Freihardt, ETH-Forscher, der sagt: «Gerade die Bergregionen sind besonders sensibel gegenüber Temperaturerhöhungen.» Schmelzende Gletscher, instabile Teile der Alpen, weniger Schnee — das seien die Ursachen. Was der Beitrag nicht nennt: Es gibt Geologen, die genau das bestreiten. Die sagen: Blatten ist nicht der Klimawandel. Blatten ist Geologie.

Die Einschätzungen zum Bergsturz sind tatsächlich gespalten. Christophe Lambiel, Glaziologe an der Universität Lausanne, spricht von einem direkten «Zusammenhang» mit der Klimaerwärmung — insbesondere durch die Beschleunigung des Gletschers und das Auftauen des Permafrosts. Andere Forschende wie Mylène Jacquemart und Matthias Huss äussern explizit Vorsicht, um nicht jedes Einzelereignis voreilig monokausal allein auf den Klimawandel zurückzuführen. Und dann gibt es die Geologen, die den Klimawandel als Ursache ganz ausschliessen — mit dem Argument, dass der Berg aufgrund seiner tektonischen Struktur und Jahrtausende alten Verwitterung instabil war, unabhängig von der Temperatur.

Der Beitrag erwähnt keine dieser Gegenpositionen. Er zitiert Freihardt, der die Klimanarration stützt. Er zitiert keinen Geologen, der ihr widerspricht. Das ist keine Ausgewogenheit. Das ist eine Auswahl, die das Ergebnis vorwegnimmt.

Das Problem der Zeitreihe

Michael Krautblatter, Geologe an der TU München, betont, dass Bergstürze zwar natürliche Phänomene sind, aber in den letzten 15 Jahren «deutlich zugenommen» hätten. Das ist eine Aussage, die oft wiederholt wird — und die bei genauerem Hinsehen problematisch ist.

Klima ist per Definition der statistische Mittelwert des Wetters über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren. Das ist nicht eine willkürliche Konvention, sondern die Festlegung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Ein Zeitraum von 15 Jahren beschreibt ein akutes Signal oder einen Trend, kein fertiges «Klima». Wenn Krautblatter von einer Zunahme in den letzten 15 Jahren spricht, spricht er über Meteorologie, nicht über Klimatologie.

Das ist kein Detail. Es ist ein fundamentaler Unterschied. Die Häufung von Extremsommern in den letzten 15 Jahren — 2015, 2018, 2022, 2023 — ist ein Wetter-Phänomen. Sie kann ein Signal für einen Klimawandel sein. Sie ist kein Beweis für einen Klimawandel. Der Beweis erfordert 30 Jahre. Das weiss jeder Klimaforscher. Das verschweigen viele, wenn es der Erzählung dient.

Zudem: Worauf bezieht sich die «Zunahme»? Auf die letzten 50 Jahre? Auf die letzten 100? Auf die letzten 10'000? Die Antwort ist entscheidend. Betrachtet man die letzten 10'000 bis 15'000 Jahre — das Ende der letzten Eiszeit —, gab es die grösste Häufung gigantischer Bergstürze in den Alpen. Der Flimser Bergsturz, der Bergsturz von Köfels — Ereignisse, die ganze Täler füllten. Damals schmolzen die kilometerdicken Talgletscher weg. Der extreme Gegendruck auf die Talflanken fehlte plötzlich, was gesamte Bergflanken kollabieren liess. Verglichen mit diesen Ereignissen ist die aktuelle «Zunahme» ein statistisches Rauschen.

Krautblatter weiss das. Er wird es in Fachpublikationen auch differenzierter darstellen. Im SRF-Beitrag reicht ein Satz: «Deutlich zugenommen in den letzten 15 Jahren.» Der Satz steht da, ohne Kontext, ohne Zeitreihe, ohne Vergleich. Er suggeriert: Es gab weniger Bergstürze, jetzt gibt es mehr, der Klimawandel ist schuld. Das ist die Botschaft. Die Fakten sind komplexer.

Die thermische Trägheit des Felsens

Es gibt ein Argument, das für den Klimazusammenhang spricht — und das der Beitrag nicht erwähnt, obwohl es das stärkste wäre. Fels leitet Wärme extrem langsam. Wenn es an der Oberfläche wärmer wird, dauert es Jahre bis Jahrzehnte, bis diese Hitzewelle in 20, 30 oder 50 Metern Tiefe im Berg ankommt. Die Häufung von Bergstürzen in den letzten 15 Jahren könnte das verzögerte Resultat der Erwärmung sein, die bereits vor 30, 40 oder 50 Jahren begonnen hat. Wir sehen heute im Felsinneren das «Klima» der späten 1980er- und 1990er-Jahre.

Das ist ein physikalisch plausibler Mechanismus. Er erklärt, warum die 15-Jahre-Perspektive trotz der 30-Jahre-Definition relevant sein könnte. Aber er erklärt auch, warum die Kausalität schwer zu beweisen ist: Was wir heute sehen, ist das Resultat von Prozessen, die vor Jahrzehnten begonnen haben. Die heutigen Extremjahre werden ihre Wirkung erst in 20 oder 30 Jahren zeigen. Wer heute sagt, der Bergsturz sei «klimabedingt», macht eine Vorhersage über die Vergangenheit — keine Beobachtung über die Gegenwart.

Die 100-Prozent-Lüge

Die Debatte ist so emotional, weil sie nicht mehr nur um Fakten geht. Sie geht um Schuld. Und die Schuldfrage wird nicht von Aussen an die Wissenschaft herangetragen — sie wird von der Wissenschaft selbst gestellt.

Prof. Dr. Sonia Seneviratne, ETH Zürich und eine der einflussreichsten Klimaforscherinnen der Schweiz, hat im SRF die Aussage getroffen, der Mensch sei zu 100 Prozent für den Klimawandel verantwortlich. Nicht «massgeblich». Nicht «überwiegend». Zu 100 Prozent. Das wurde nicht von Journalisten verdreht oder instrumentalisiert. Es war die offizielle, explizite Position der Forscherin, vorgetragen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Was Seneviratne mit «100 Prozent» meint, ist eine mathematische Netto-Bilanz: Die Natur (Sonne, Vulkane, interne Zyklen) hätte die Erde in den letzten 70 Jahren rein rechnerisch um etwa 0,0 °C bis -0,1 °C leicht abgekühlt (so das Modell). Da die Erwärmung aber real bei über +1,1 °C liegt, muss der Mensch physikalisch für mehr als 100 Prozent des beobachteten Anstiegs verantwortlich sein — da er die natürliche Abkühlung zusätzlich überkompensiert hat.

Das ist vielleicht eine rechnerische Wahrheit. Es ist auch eine kommunikative Irreführung. Denn im Alltag — und erst recht im Radio — klingt «100 Prozent menschliche Verantwortung» so, als gäbe es keine Wolken, keine Sonne, keine Meeresströmungen und keine natürliche Dynamik mehr. Es tilgt die Natur komplett aus der Gleichung. Es suggeriert: Ohne den Menschen gäbe es keinen Klimawandel. Das ist falsch. Das Klima hat sich immer verändert — mit und ohne Menschen. Die Frage ist nicht, ob sich das Klima ändert, sondern ob der Mensch den aktuellen Wandel dominiert. Die Antwort lautet: wir wissen es nicht. «100 Prozent» ist keine wissenschaftliche Aussage. Es ist eine politische.

Für einen Geologen, der die Erdgeschichte betrachtet, ist diese Aussage absurd formuliert. Der Berg in Blatten bricht zusammen, weil die Alpen tektonisch aktiv sind und Gestein erodiert. Das passierte vor 50'000 Jahren ohne Menschen und passiert heute. Der Klimawandel kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen. Er hat die Geologie nicht erschaffen. Wer «100 Prozent» sagt, streitet das ab. Er reduziert die Realität auf eine einzige Variable: CO₂. Das ist nicht Wissenschaft. Es ist Ideologie.

Dass Top-Wissenschaftler diese extremen, absolutistischen Formulierungen im öffentlichen Rundfunk wählen, verhärtet die Fronten. Für den Geologen ist es Natur mit einem menschlichen Verstärker. Für die IPCC-Physikerin ist es eine mathematische Netto-Zahl. Die beiden sprechen nicht miteinander. Sie sprechen aneinander vorbei. Der SRF-Beitrag nutzt die Physikerin, ohne den Geologen zu Wort kommen zu lassen. Das ist keine Ausgewogenheit. Das ist einseitige Darstellung.

Die fehlende Geschichte

Der Beitrag spricht von «zunehmenden» Umweltauswirkungen. Er zitiert Zahlen: 45,8 Millionen Menschen, die 2024 infolge «klimabedingter Katastrophen» ihre Heimat verlassen haben — «nahezu doppelt so hoch wie der durchschnittliche Jahreswert der vergangenen zehn Jahre.»

Was der Beitrag nicht nennt: die historische Perspektive. Die Alpen haben immer wieder Katastrophen erlebt. Die historische Hydrologie der Schweiz dokumentiert Hunderte von Hochwassern, Murgängen und Felsstürzen, die weit vor der industriellen Revolution stattfanden. Das Hochwasser von 1345, das weite Teile der Schweiz verwüstete. Die Zerstörung von Kienholz durch den Brienzersee im 17. Jahrhundert. Der Bergsturz von Goldau 1806, der 457 Menschen tötete. Der Bergsturz von Elm 1881, der 114 Menschen tötete. Die Überschwemmungen von 1987, die das Wallis und das Tessin verwüsteten.

Studien zur historischen Hydrologie der Schweiz — etwa von Röthlisberger, Pfister oder Wetter — zeigen, dass schwere Hochwasserereignisse in der Vergangenheit häufiger waren als im 20. Jahrhundert. Die «Kleine Eiszeit» (ca. 1300–1850) brachte nicht nur Kälte, sondern auch Instabilität: Gletschervorstösse, die Felsmassen unter Druck setzten, und Schmelzphasen, die zu verheerenden Gletscherläufen führten. Die «Grosse Wassernot» von 1834 im Lötschental selbst — ein Gletschersee brach aus und verwüstete das Tal. Das war 1834. Ohne Klimawandel.

Wer diese Geschichte verschweigt, erzeugt den Eindruck, dass Katastrophen wie in Blatten neu seien. Dass sie erst mit dem Klimawandel aufträten. Dass sie ohne den Klimawandel nicht existierten. Das ist falsch. Die Alpen waren immer gefährlich. Die Menschen, die dort lebten, wussten das. Sie bauten ihre Dörfer an Orten, die relativ sicher waren — aber nicht absolut sicher. Blatten lag am Fuss eines instabilen Bergs. Das war bekannt. Das Risiko wurde akzeptiert. Manchmal geht es schief.

Die Statistik und ihre Tücken

45,8 Millionen Vertriebene durch «klimabedingte Katastrophen». Der Beitrag zitiert das UNO-Flüchtlingshilfswerk. Die Zahl klingt dramatisch. Sie ist es auch. Aber was bedeutet sie?

«Klimabedingt» ist eine Kategorie, die weit gefasst ist. Sie umfasst Überschwemmungen, Stürme, Dürren, Hitzewellen, Waldbrände, Erdrutsche — alles, was mit dem Wetter zusammenhängt. Die Frage lautet: Sind diese Ereignisse «klimabedingt» im Sinne von «durch den Klimawandel verursacht» oder im Sinne von «durch das Klima verursacht»? Das ist ein Unterschied.

Ein Hochwasser in Bangladesch ist ein Klimaereignis. Es findet im Monsun statt. Der Monsun existiert seit Jahrtausenden. Ob der Klimawandel den Monsun verstärkt hat, ist eine wissenschaftliche Frage, die nicht pauschal beantwortet werden kann. Die Kategorie «klimabedingt» subsumiert alle Wetterereignisse unter den Klimawandel. Das ist methodisch fragwürdig.

Zudem: Die Zahl der Vertriebenen steigt nicht nur, weil es mehr Katastrophen gibt. Sie steigt auch, weil es mehr Menschen gibt, die in gefährdeten Gebieten leben. Die Weltbevölkerung ist von 3 Milliarden im Jahr 1960 auf über 8 Milliarden heute gewachsen. Die Urbanisierung hat Millionen von Menschen in Küstenregionen und Flussebenen konzentriert. Mehr Menschen in gefährdeten Gebieten bedeuten mehr Vertriebene bei gleicher Katastrophenhäufigkeit. Der Beitrag erwähnt diesen Faktor nicht. Er lässt die Zahl für sich sprechen. Die Zahl spricht aber nicht für sich. Sie muss interpretiert werden.

Der Vergleich, der keiner ist

«Der Heimatverlust, den die Menschen in Blatten erlebt haben, ist im Kern dasselbe Phänomen wie in Bangladesch», sagt Jan Freihardt. Das ist ein starker Satz. Er ist auch falsch.

Blatten: Ein Bergsturz in einem der reichsten Länder der Welt. Die Menschen haben eine Versicherung. Sie haben einen Staat, der den Wiederaufbau organisiert. Sie haben Infrastruktur, Rettungsdienste, Sozialwerke. Sie haben ein Einkommen, das es ihnen ermöglicht, sich neu einzurichten. Der Verlust ist real. Die Trauer ist real. Die materielle Existenz ist nicht bedroht.

Bangladesch: Überschwemmungen in einem der ärmsten Länder der Welt. Die Menschen haben oft keine Versicherung. Sie haben einen Staat, der begrenzte Ressourcen hat. Sie haben wenig Infrastruktur, begrenzte Rettungsdienste, kaum Sozialwerke. Der Verlust ist existenzbedrohend. Die Menschen verlieren nicht nur ihr Haus, sondern ihre Lebensgrundlage.

Das ist nicht «im Kern dasselbe Phänomen». Das ist ein fundamentaler Unterschied. Wer ihn einebnet, betreut eine politische Agenda, die alle Katastrophen dem Klimawandel zuschlagen will, um den Handlungsdruck zu erhöhen. Die Gleichsetzung von Blatten und Bangladesch ist nicht empirisch begründet. Sie ist rhetorisch motiviert.

Die Chance, die niemand braucht

Freihardt sagt: «Ich hoffe, diese Veränderungen sind auch eine Chance, Heimat neu zu definieren. Vielleicht finden wir sie nicht mehr nur an einem Ort, sondern stärker im menschlichen Zusammenleben.»

Das ist der Satz eines Forschers, der nicht betroffen ist. Für die Menschen in Blatten ist der Verlust ihrer Heimat keine «Chance». Er ist ein Verlust. Die «Neudefinition» der Heimat ist ein Luxus derer, die sich Heimat leisten können. Die Blattner wollen ihr Dorf zurück. Sie wollen ihre Kirche, ihren Dorfladen, ihre Nachbarn, ihre Strasse. Sie wollen keine «Neudefinition». Sie wollen das, was sie hatten.

Der Satz offenbart eine Haltung, die in der Klimaforschung verbreitet ist: die Neigung, Katastrophen als «Lehrmomente» zu betrachten, als «Chancen für Transformation». Das ist eine Perspektive der Aussenstehenden. Die Betroffenen erleben keine Transformation. Sie erleben einen Verlust. Wer den Verlust als «Chance» rahmt, nimmt den Betroffenen das Recht auf ihre Trauer. Er sagt im Kern: Euer Leid hat einen Sinn. Es dient einem höheren Zweck. Das ist paternalistisch.

Der Befund

Der Beitrag nutzt die Tragödie von Blatten, um eine Klimanarration zu stützen, die von den Fakten nicht gedeckt ist. Er verschweigt die Geologen, die den Klimazusammenhang bestreiten. Er verschweigt die historische Perspektive. Er verschweigt die methodischen Probleme der Statistik. Er verschweigt die Tatsache, dass 15 Jahre kein Klima sind. SRF verschweigt die kommunikative Irreführung der «100-Prozent»-Aussage. SRF einebnet den Unterschied zwischen Blatten und Bangladesch.

Es endet mit der «Chance», die niemand braucht.

Das ist nicht Journalismus. Das ist Aktivismus. Der Beitrag beginnt mit einem konkreten Ereignis und endet mit einer allgemeinen Botschaft: Der Klimawandel zerstört Heimat. Überall. Jetzt. Die Botschaft mag richtig sein — oder nicht. Der Beitrag liefert nicht die Fakten, um sie zu belegen. Er liefert die Emotion, um sie zu verkaufen.

Die Frage, die nicht gestellt wird, lautet: Ist der Bergsturz von Blatten ein Symptom des Klimawandels oder ein Symptom der Geologie? Die Antwort lautet: beides, vielleicht. Aber das ist eine differenziertere Antwort, als der Beitrag zulässt. Denn die Differenzierung schwächt die Botschaft. Die Botschaft braucht die Eindeutigkeit. Die Eindeutigkeit braucht die Reduktion. Die Reduktion braucht das Verschweigen.

Was verschwiegen wird: Die Alpen waren immer gefährlich. Die Menschen haben immer dort gelebt, trotz der Gefahr. Manchmal ging es schief. Bei wärmeren Phasen. Bei kälteren Phasen. Bei Gletschervorstössen und bei Gletscherrückzügen. Das Klima hat sich immer verändert — das ist der Normalzustand der Erde, nicht die Ausnahme. Die Frage, die ernsthaft zu diskutieren wäre, lautet: Verändert es sich aktuell schneller? Und wenn ja: Wie viel davon ist anthropogen, wie viel natürlich? Das ist eine Frage des Masses, der Anteile, der Wahrscheinlichkeiten. Es ist keine Frage von «100 Prozent» oder «null Prozent». Wer diese Differenzierung unterdrückt, betreibt keine Aufklärung. Er betreibt Angstmache im Namen der Wissenschaft.

Und wer die Tragödie von Blatten als «Chance» bezeichnet, hat nicht verstanden, was Heimat bedeutet. Für die Menschen, die sie verloren haben, ist sie keine Chance. Sie ist ein Verlust, der nicht wiedergutzumachen ist. Nicht durch «Neudefinition». Nicht durch «Zusammenleben». Nur durch Rückkehr — oder durch Akzeptanz, dass die Rückkehr nicht möglich ist. Alles andere ist Theorie. Von jemandem, der im Trockenen sitzt.

Originalbeitrag auf X →

Ähnliche Beiträge

Kein Artikel verpassen.