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Das Lager, das die Verantwortung verschiebt
Medienkritik
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Das Lager, das die Verantwortung verschiebt

SRF/SRGEU/AussenpolitikSicherheitspolitik
schwerwiegend
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SRF meldet einen russischen Drohnenangriff auf ein ukrainisches Munitionslager mit mindestens 37 Toten — und rahmt den Vorfall als russischen Angriff auf Zivilisten. Erst im Mittelteil kommt die eigene Erklärung: Die Ukraine ermittelt gegen die eigene Armee wegen «dienstlicher Fahrlässigkeit» — Munition dürfe nicht neben Wohnhäusern gelagert werden. Der Beitrag verschweigt die Frage, die sich aufdrängt: Wenn die Ukraine Munition neben Wohnhäusern lagert und Russland diese Munition angreift — wer trägt die Verantwortung für die Toten? Er verschweigt die Kriegsvölkerrechts-Frage: Ist ein Munitionslager ein legitimes militärisches Ziel? Er verschweigt die Schweizer Milliarden, die die Ukraine-Munition finanzieren. Und er verschweigt die ukrainischen Angriffe auf russische Zivilisten, die im letzten Absatz als Fussnote untergehen. Er ist eine Kriegsmeldung, die die Schuldfrage einseitig beantwortet — obwohl der Beitrag selbst die Antwort liefert, die er verschweigt.

Zum SRF-Beitrag «Warum ermittelt die Ukraine nach einem Angriff nahe Kiew?», SRF 4 News, 29.08.2026


Was der Beitrag leistet: Er nennt die Opferzahlen korrekt — 37 Tote, 40 Verletzte, 300 Rettungskräfte. Er nennt die ukrainische Ermittlung — «dienstliche Fahrlässigkeit», Verweis auf ähnlichen Vorfall in Wyschnewe. Und er nennt die russischen Opfer — drei Tote in Belgorod, einer auf der Krim. Das ist mehr Kontext als üblich.

Die Verantwortung, die im Mittelteil steht

Die verräterische Stelle des Beitrags steht im dritten Absatz. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen «dienstlicher Fahrlässigkeit». Selenski sagt: Munition dürfe nicht neben Wohnhäusern gelagert werden. Der Regierungschef spricht von «krimineller Fahrlässigkeit». Das heisst: Die Ukraine lagerte Munition neben Wohnhäusern. Die Ukraine wusste, dass dies gefährlich ist. Die Ukraine tat es trotzdem. Russland griff die Munition an — die neben Wohnhäusern lag. 37 Menschen starben.

Der Beitrag nennt diese Fakten — und rahmt den Vorfall als russischen Angriff. Der Titel lautet: «Warum ermittelt die Ukraine nach einem Angriff nahe Kiew?» Die Antwort steht im Text: weil die eigene Armee Munition neben Wohnhäusern lagerte. Die Frage, die der Titel nicht stellt: Wer trägt die Verantwortung für die Toten — Russland, das ein Munitionslager angriff, oder die Ukraine, die es neben Wohnhäusern platzierte? Die Frage ist nicht rhetorisch. Sie ist die Kernfrage des Kriegsvölkerrechts: Ein Munitionslager ist ein legitimes militärisches Ziel. Wenn eine Armee Munition neben Zivilisten lagert, nutzt sie die Zivilisten als Schutzschild — oder sie handelt fahrlässig. Beides ist ein Vergehen. Der Beitrag nennt die ukrainische Ermittlung — und verschweigt die völkerrechtliche Dimension: Die Verantwortung für zivile Opfer liegt beim Angreifer nur, wenn das Ziel nicht militärisch war. War es — Munitionslager —, liegt sie beim Verteidiger, der es neben Zivilisten platzierte.

Die 37 Toten, die nur eine Richtung haben

Der Beitrag meldet 37 Tote bei Kiew — ukrainische Opfer. Im letzten Absatz: drei Tote in Belgorod, einer auf der Krim — russische Opfer. Das Verhältnis: 37 zu 4. Der Beitrag nennt beide Zahlen — und rahmt nur die ersten als Tragödie. Die russischen Opfer stehen in einem Absatz, der mit «Welche Folgen hatten die ukrainischen Angriffe?» beginnt — als Fussnote, nicht als Hauptbefund. Die Frage, ob ein Krieg, in dem beide Seiten Zivilisten töten, einseitig berichtet werden kann, wird nicht gestellt. Die Frage, ob ukrainische Drohnenangriffe auf russische Grenzgebiete — Belgorod wird regelmässig angegriffen — dieselbe Tragödie produzieren wie russische Angriffe auf ukrainische Städte, wird nicht gestellt.

Die Milliarden, die nicht vorkommen

SRF berichtet über ein Munitionslager, das explodierte. Die Schweiz finanziert die Ukraine mit 5 Milliarden Franken über zwölf Jahre. Die EU will der Ukraine «zu neuen Waffen verhelfen» — der verlinkte Artikel sagt es. Die Frage, ob die Munition, die in Myla neben Wohnhäusern lag, aus westlichen Lieferungen stammt, wird nicht gestellt. Die Frage, ob ein Land, das eine Kriegspartei mit Milliarden unterstützt, eine Mitverantwortung für die Lagerung der Munition trägt, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die Schweiz, die 5 Milliarden zahlt, eine Evaluation der Verwendung verlangt — ob die Munition, die sie mitfinanziert, sicher gelagert wird —, wird nicht gestellt.

Die Neutralität, die nicht vorkommt

SRF berichtet über einen Krieg, in dem die Schweiz eine Partei mit Milliarden unterstützt. Die Schweiz ist neutral. Am 27. September stimmt das Volk über die Neutralitätsinitiative ab. Die Frage, ob ein Land, das eine Kriegspartei finanziert, deren Munition neben Wohnhäusern lagert und deren Fahrlässigkeit Zivilisten tötet, noch neutral ist, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die Neutralitätsinitiative, die Sanktionen ohne UNO-Mandat verbieten will, auch die Milliarden-Zahlungen betreffen würde, wird nicht gestellt. SRF berichtet über den Ukraine-Krieg und exempt die Schweizer Rolle vollständig.


Das Muster ist die Fahrlässigkeit als Angriff. Eine Armee lagert Munition neben Wohnhäusern. Ein Feind greift die Munition an. Zivilisten sterben. Das Medium meldet: Feind tötet Zivilisten. Was fehlt, ist die Kausalität: Die Zivilisten starben, weil die Munition neben ihnen lag. Die Verantwortung liegt beim Angreifer nur, wenn das Ziel zivil war. War es militärisch — und ein Munitionslager ist militärisch —, liegt sie beim Verteidiger, der es dort platzierte. Der Beitrag kennt diese Logik — die ukrainische Staatsanwaltschaft ermittelt genau deswegen. Aber er rahmt den Vorfall als russische Tat. Die Ermittlung der eigenen Fahrlässigkeit steht im Mittelteil. Der Titel fragt, warum die Ukraine ermittelt — und die Antwort, die er gibt, ist die Antwort, die er verschweigt: weil die Ukraine selbst die Toten verursachte.

So funktioniert dieser Beitrag: Er meldet 37 Tote und rahmt sie als russischen Angriff auf Zivilisten — während der eigene Text dokumentiert, dass die Ukraine Munition neben Wohnhäusern lagerte. Die völkerrechtliche Dimension — legitimes Ziel, Fahrlässigkeit, Schutzschild — fehlt. Die russischen Opfer stehen als Fussnote. Die Schweizer Milliarden fehlen. Die Neutralität fehlt. Wer den Beitrag liest, weiss, dass Russland 37 Menschen tötete und dass die Ukraine ermittelt. Wer wissen will, wer die Verantwortung trägt, warum die Munition dort lag, was das Kriegsvölkerrecht dazu sagt, was die Schweiz damit zu tun hat und ob die Neutralität die Antwort wäre, bekommt eine halbe Antwort. Die andere Hälfte steht im eigenen Text — im dritten Absatz, in dem die Ukraine die Schuld selbst benennt. Der Beitrag hat sie gelesen und nicht verstanden.

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