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Das Lager, das der Betrug baute –– selektive Aufarbeitung bei SRF
Medienkritik
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Das Lager, das der Betrug baute –– selektive Aufarbeitung bei SRF

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SRF meldet, dass die Schweiz ihre Tamiflu-Reserven drastisch senkt — Millionen Kapseln verfallen ungenutzt. Der Beitrag rahmt den Vorgang als Bedarfsoptimierung: Das Lager sei «überdimensioniert», die Neubeurteilung zeige, dass ein Viertel reiche. Was der Beitrag verschweigt: Das Lager wurde vermutlich auf Basis von Täuschung aufgebaut. Roche wird in den USA wegen Betrugs verklagt — der Vorwurf: Das Unternehmen habe Studien falsch dargestellt, um Regierungen zum Kauf von Tamiflu zu bewegen. Die Schweiz kaufte hundert Jahre Vorrat. Der Beitrag verschweigt die Klagen, die Kosten, die Verantwortung — und er verschweigt den Kontext, den ein Sender liefert, der gleichzeitig vor Gericht darum kämpft, über Pandemie-Dokumente nicht berichten zu müssen. Er ist eine Entsorgungsmeldung, die einen Betrugsskandal als Logistikfrage verkauft.

Zum SRF-Beitrag «Bund will die Tamiflu-Reserven drastisch senken», Rendez-vous, 28.08.2026


Was der Beitrag leistet: Er erklärt das Pflichtlagersystem verständlich. Er nennt die Fakten korrekt — 200 Paletten, hundert Jahre Vorrat, Reduktion auf ein Viertel. Und er fragt nach den Kosten der Vernichtung. Das ist mehr als eine Agenturmeldung.

Das Medikament, das nicht half — und dessen Hersteller dafür verklagt wird

Der Beitrag sagt: Tamiflu müsse «zu Beginn der Erkrankung eingenommen werden», es könne «das Ausbreiten des Virus im Körper verhindern». Das ist die Zusage. Was der Beitrag verschweigt: Die Wirksamkeit von Tamiflu ist umstritten — und der Streit darüber ist Gegenstand von Betrugsklagen. Ein Whistleblower-Verfahren in den USA wirft Hoffmann-La Roche vor, das Unternehmen habe klinische Studien falsch dargestellt und irreführende Fachartikel publiziert, um die US-Regierung davon zu überzeugen, Tamiflu sei hochwirksam gegen die Ausbreitung von Influenza in einer Pandemie. Der Vorwurf lautet: Regierungen kauften Millionen Dosen für strategische Lager auf Basis von Falschdarstellungen. Die USA sollen um 1,5 Milliarden Dollar geschädigt worden sein.

Die Schweiz kaufte hundert Jahre Vorrat. Die Frage, ob der Schweizer Bund dasselbe Narrativ kaufte, das die US-Justiz heute als Betrug behandelt, wird nicht gestellt. Die Frage, ob ein Medikament, dessen Wirksamkeit Gegenstand von Betrugsklagen ist, in einem Beitrag über dessen Vernichtung erwähnt werden sollte, wird nicht gestellt. Ein Bericht über Tamiflu-Lager ohne die Betrugsklagen ist ein Bericht über den Schrank ohne den Dieb.

Die Millionen, die keine Zahl haben

Der Beitrag sagt: «Wie hoch die Rechnung für die Vernichtung der Medikamente ausfallen wird, ist offen.» Er sagt: Helvecura rechnet «mit hohen Beträgen». Er sagt: Wer für die Finanzierung zuständig ist, ist ebenso offen. Was der Beitrag nicht sagt: Wie viel das Lager ursprünglich kostete. Wie viel der Schweizer Steuerzahler für hundert Jahre Tamiflu bezahlte. Wie viel die Vernichtung kostet. Keine einzige Zahl. Die Frage, ob ein Bericht über die Vernichtung von Pandemie-Vorräten ohne eine einzige Franken-Zahl eine Rechnung oder eine Verschleierung ist, wird nicht gestellt. Die Frage, ob ein Bund, der hundert Jahre Vorrat eines Medikaments kaufte, das nie flächendeckend eingesetzt wurde, eine Bilanz schuldet, wird nicht gestellt.

Die Verantwortung, die seit 2005 kreist

Der Beitrag sagt: Im Jahr 2005 beauftragte der Bundesrat das Wirtschafts- und das Innendepartement, die Finanzierungsfrage zu lösen. «Ausgang offen.» Das ist der bemerkenswerteste Satz des Beitrags — und er wird als Verwaltungsstatus gemeldet, nicht als Skandal. Seit 2005 — also seit 21 Jahren — ist ungeklärt, wer für ein Lager bezahlt, das der Bund anordnete. Zwanzig Jahre Verantwortungslosigkeit. Der Beitrag nennt das Datum — und fragt nicht, wer in 21 Jahren versäumte, die Frage zu lösen. Die Frage, ob eine Regierung, die 21 Jahre lang eine Finanzierungsfrage offen lässt, während das Lager verfällt, Verantwortung übernimmt oder verwaltet, wird nicht gestellt.

Die Aufarbeitung, die selektiv ist

Der Beitrag ist Teil einer Berichterstattung über Pandemie-Folgen. SRF berichtet über Tamiflu-Lager, über Medikamentenengpässe, über Impfstoff-Lieferketten. Was SRF nicht berichtet: die RKI-Protokolle. Die internen Dokumente des Robert-Koch-Instituts, deren schrittweise Veröffentlichung seit 2024 läuft, dokumentieren, dass die deutsche Corona-Politik teilweise ohne solide Datenbasis getroffen wurde. SRF steht vor Gericht, um nicht darüber berichten zu müssen. Ein Sender, der über die Entsorgung von Pandemie-Mitteln berichtet und gleichzeitig vor Gericht darum kämpft, über die Entstehung von Pandemie-Politik nicht berichten zu müssen, betreibt keine Aufarbeitung — er betreibt Sortierung. Er meldet, was folgenlos ist, und verschweigt, was Konsequenzen hätte.

Dazu kommt der Kontext, der im eigenen Land liegt: Ein Schweizer Gericht ordnete die Offenlegung der Covid-Impfstoff-Verträge an — Verträge über rund eine Milliarde Franken Steuergelder, deren Bedingungen die Öffentlichkeit nicht kannte. Die Frage, ob ein Sender, der über Pandemie-Ausgaben berichtet, aber gegen die Offenlegung von Pandemie-Verträgen und Pandemie-Dokumenten prozessiert, ein Interesse an Aufarbeitung oder an deren Verhinderung hat, wird nicht gestellt.


Das Muster ist die Entsorgung als Abschluss. Ein Lager wird verkleinert, ein Medikament vernichtet, eine Rechnung offen gelassen. Der Beitrag rahmt den Vorgang als Ende: Das Lager war zu gross, nun wird es kleiner. Was fehlt, ist der Anfang: Warum war das Lager so gross? Wer überzeugte die Schweiz, hundert Jahre Vorrat eines Medikaments zu kaufen, dessen Wirksamkeit umstritten ist? Wer verdiente daran? Die Betrugsklagen in den USA liefern die Antwort für die USA — Roche soll Regierungen mit fragwürdigen Studien zum Kauf bewegt haben. Die Schweiz kaufte. Die Frage, ob dieselbe Maschine hier lief, wird nicht gestellt. Ein Bericht, der das Ende eines Lagers meldet, ohne den Anfang zu untersuchen, meldet die Entsorgung eines Beweises.

So funktioniert dieser Beitrag: Er meldet die Vernichtung von Tamiflu-Reserven und rahmt sie als Bedarfsoptimierung. Die Betrugsklagen gegen den Hersteller — der Vorwurf, Regierungen mit falschen Studien zum Kauf bewegt zu haben — fehlen. Die Kosten haben keine Zahl. Die Verantwortung kreist seit 2005, ohne dass jemand fragt, warum. Und der Sender, der über Pandemie-Abfälle berichtet, kämpft vor Gericht dagegen, über Pandemie-Entscheidungen zu berichten. Wer den Beitrag hört, weiss, dass ein Lager verkleinert wird und dass die Rechnung offen ist. Wer wissen will, wie das Lager entstand, wer daran verdiente, was es kostete und warum der Sender, der das meldet, die Dokumente verschweigt, die die Antwort enthielten — der muss vor ein anderes Gericht gehen. Das ist keine Gesundheitsberichterstattung, das ist die Entsorgung eines Skandals in vier Absätzen — mit einer offenen Rechnung, die seit 21 Jahren offen ist, und einem Beweis, der gerade verbrannt wird.

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