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Climate Week Zurich: Von Gebührengeldern und Werbebudgets
Medienkritik
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Climate Week Zurich: Von Gebührengeldern und Werbebudgets

SRF/SRGKlima/EnergieDemokratie
schwerwiegend
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Schauen wir den heutigen SRF-Beitrag «Zürich will zur Klimaplattform werden», erschienen am 4. Mai 2026 im HeuteMorgen, verfasst von Klaus Ammann. Er ist ein weiterer Lehrfall für die Methode des Konsenssenders, diesmal im Themenfeld Klima.

Die Sachlage

In Zürich findet diese Woche zum ersten Mal die Climate Week Zurich statt. Über 250 Anlässe, mehr als 10'000 Teilnehmer, Eröffnung im Opernhaus. Beteiligt sind Greenpeace, SwissRe, das Bundesamt für Umwelt, Klima-Startups, Finanzmarktspezialisten, Forscherinnen. Geschäftsführer ist Johannes Pokorny. Das Vorbild ist die New York Climate Week.

Das ist eine Veranstaltung. Sie hat ein Profil, eine Finanzierung, eine politische Stossrichtung, eine Interessenkonstellation. Sie verdient Berichterstattung, die diese Dimensionen ausleuchtet und dem Hörer ein eigenes Urteil ermöglicht.

Schauen wir, was geliefert wurde.

Die Stimmen, die zu Wort kommen

Der Beitrag enthält genau eine Stimme: Johannes Pokorny, Geschäftsführer der Climate Week. Er kommt zweimal ausführlich zu Wort. Einmal mit der Selbstbeschreibung des Erfolgs der Veranstaltung. Einmal mit der Verteidigung gegen die einzige kritische Frage, die der Beitrag stellt.

Das ist die gesamte Quellenlage. Keine kritische Stimme. Kein Skeptiker. Kein Klimaforscher, der auf die methodischen Schwächen solcher Konferenzformate hinweist. Kein Ökonom, der die Effizienzfrage stellt. Kein Medienkritiker, der die PR-Funktion der Veranstaltung benennt. Kein Vertreter einer Position, die das gesamte Format der internationalen Klimakonferenzen hinterfragt.

Der Veranstalter spricht über seine eigene Veranstaltung. Der Sender reicht das Mikrofon. Das ist keine Berichterstattung, das ist Veranstaltungspromotion mit journalistischem Briefkopf.

Die einzige kritische Frage und ihre Behandlung

Der Beitrag enthält eine kritische Geste. Die Frage: «Aber lohnt sich der Aufwand und der Schaden am Klima, wenn Tausende für diese Woche nach Zürich fliegen?»

Das ist eine gute Frage. Sie verdient eine ernsthafte Antwort. Was passiert?

Die Antwort kommt vom Veranstalter selbst. Pokorny sagt, das sei «eine absolut berechtigte Frage», und liefert dann die Verteidigung: physische Begegnungen seien für Beziehungsaufbau wichtig. Punkt. Ende der kritischen Auseinandersetzung.

Das ist keine kritische Behandlung der Frage, das ist ihre rituelle Stilllegung. Eine echte journalistische Auseinandersetzung würde Zahlen liefern. Wie viele der 10'000 Teilnehmer fliegen ein? Wie viele Tonnen CO2 produziert die Veranstaltung? Wie verhält sich diese Belastung zum behaupteten Nutzen? Gibt es Studien zur tatsächlichen Wirksamkeit solcher Konferenzen? Wie hoch ist die Korrelation zwischen Klimakonferenzen und tatsächlich umgesetzten Klimamassnahmen?

Diese Fragen werden nicht gestellt. Stattdessen darf der Veranstalter mit einer Floskel über die Bedeutung physischer Begegnungen die Frage verschwinden lassen. Das ist die journalistische Standardbewegung des Konsenssenders: Eine kritische Frage wird gestellt, um den Anschein der Ausgewogenheit zu wahren. Die Antwort wird vom Betroffenen selbst geliefert. Eine echte kritische Stimme kommt nicht vor.

Die Sprache, die keine Distanz hält

«Zürich wird diese Woche zur Klima-Stadt.» Das ist nicht eine neutrale Beschreibung, das ist die Marketing-Sprache der Veranstaltung. Eine neutrale Berichterstattung würde sagen: «In Zürich findet diese Woche eine als Climate Week vermarktete Veranstaltung statt.» Der SRF-Satz übernimmt das Selbstbild des Veranstalters als Tatsache.

«Da wird über neue Wege der Kommunikation über den Klimawandel diskutiert, dort darüber, wie die Politik die Abscheidung von CO2 aus der Luft voranbringen kann oder soll.» Das ist eine Aufzählung der Programmpunkte, präsentiert als interessantes Geschehen. Der Hörer erhält den Eindruck einer vielfältigen, substantiellen Veranstaltung. Was nicht thematisiert wird: dass jede dieser Diskussionen ein politisches Profil hat, dass die Auswahl der Diskussionen bestimmte Positionen voraussetzt, dass etwa CO2-Abscheidung aus der Luft eine technologisch und ökonomisch hochumstrittene Strategie ist, deren Befürwortung selbst eine politische Position darstellt.

«Weiter zeigen Finanzmarktspezialistinnen und -spezialisten, wie Greenwashing erkannt werden kann.» Das ist besonders pikant. Eine Veranstaltung, die selbst ein Festival des Klima-Marketings darstellt, präsentiert sich als Aufklärungsinstanz gegen Greenwashing. Das ist nicht etwas, was ein neutraler Beobachter unwidersprochen stehen lässt. Der SRF-Beitrag tut es.

Was nicht thematisiert wird

Erstens: Die Finanzierung. Wer zahlt für die Climate Week Zurich? Welche Sponsoren stehen dahinter? Welche Interessen vertreten sie? SwissRe ist im Beitrag erwähnt, aber nicht als finanzieller Akteur, sondern als Teilnehmer. Tatsächlich ist die Frage nach der Finanzierung solcher Veranstaltungen entscheidend, weil sie die Inhalte vorformt. Eine Veranstaltung, die von der Finanzindustrie mitfinanziert wird, wird kaum die Finanzindustrie als Kerntreiber der Klimakrise diskutieren.

Zweitens: Das Vorbild. New York Climate Week wird positiv referenziert, ohne ihre eigene Geschichte zu thematisieren. New York Climate Week ist seit Jahren in der Kritik, als grünes PR-Festival der Konzerne, als Veranstaltung mit massiver Klimabilanz, als Schauplatz von Greenwashing in industriellem Massstab. Die Übernahme dieses Modells nach Zürich ist nicht selbsterklärend positiv. Sie verdient kritische Reflexion.

Drittens: Die Effektivität. Was bringen solche Veranstaltungen tatsächlich? Es gibt einen wachsenden Forschungszweig, der die Wirksamkeit von Klimakonferenzen empirisch untersucht. Die Resultate sind ernüchternd. Die meisten Konferenzen produzieren primär Networking und PR, der Output an konkreter Klimapolitik ist begrenzt. Diese Forschung wird im Beitrag nicht erwähnt.

Viertens: Der politische Kontext. Pokorny sagt selbst: «Der Klimawandel steht bei vielen nicht mehr zuoberst auf der Agenda.» Das ist eine bedeutsame Beobachtung. Sie verdient Erklärung. Warum ist das so? Welche Erfahrungen haben die Wähler mit der Klimapolitik der letzten Jahre gemacht? Welche ökonomischen, sozialen, politischen Faktoren haben dazu geführt, dass die Priorität gesunken ist? Stattdessen wird die sinkende Priorität als Anomalie gerahmt, gegen die man «erst recht zusammenkommen» müsse. Die Möglichkeit, dass die Bevölkerung gute Gründe hat, ihre Prioritäten zu verschieben, wird nicht erwogen.

Fünftens: Die alternative Sicht. Es gibt seriöse Wissenschaftler, die die etablierte Klimanarrative in Teilen hinterfragen. Nicht im Sinne der Klimaleugnung, sondern im Sinne der Präzisierung. Bjørn Lomborg etwa argumentiert, dass viele Klimamassnahmen ineffizient sind und dass andere Investitionen mehr Wohlfahrt produzieren würden. Roger Pielke Jr. dokumentiert die methodischen Schwächen vieler Klima-Schadensberechnungen. Solche Stimmen kommen in der SRF-Klimaberichterstattung praktisch nie vor. Auch in diesem Beitrag nicht.

Die strukturelle Funktion

Der Beitrag erfüllt eine Funktion, die in der Klimakommunikation der Leitmedien systematisch ist. Er rahmt eine bestimmte Form der Klimapolitik, jene der internationalen NGO- und Konzern-Allianzen, der Konferenzen und Erklärungen, der CO2-Märkte und Transition-Bonds, als die Form der Klimapolitik. Andere Formen, von der nationalen Energiepolitik über die Anpassungsstrategie bis zur ökonomischen Priorisierung anderer Probleme, kommen nicht vor.

Diese Rahmung ist nicht zufällig. Sie reproduziert die Selbstbeschreibung der NGO-Konzern-Wissenschafts-Allianz, die genau diese Veranstaltungen organisiert. Sie übernimmt deren Vokabular. Sie spiegelt deren Erfolgsdefinitionen wider. Wer die Climate Week als Erfolg präsentiert, weil 10'000 Menschen kommen, übernimmt die Erfolgsmetrik der Veranstalter, nicht eine unabhängige journalistische Bewertung.

Das ist der eigentliche Mechanismus. Der Sender wird Teil des Ökosystems, das er berichten sollte. Er ist nicht Beobachter, er ist Multiplikator. Er liefert die mediale Reichweite, die solche Veranstaltungen brauchen, um ihre Funktion zu erfüllen. Er kontrolliert nicht, er kollaboriert.

Die Frage der Symmetrie

Stellen wir uns vor, in Zürich fände eine Konferenz mit 10'000 Teilnehmern statt, die sich kritisch mit der etablierten Klimapolitik auseinandersetzt. Eine Veranstaltung, die Effizienzfragen, ökonomische Trade-offs, technologische Alternativen, regulatorische Übergriffigkeit thematisiert. Wäre die Berichterstattung dieselbe?

Niemand, der die SRF-Praxis kennt, glaubt das. Eine solche Veranstaltung würde mit kritischer Distanz behandelt. Die Finanzierung würde sofort thematisiert, vermutlich mit dem Verdacht auf Industriegelder. Die Stimmen würden gegengeprüft. Die Stimmen kritischer Forscher und NGOs würden eingeholt. Die ideologische Färbung würde benannt. Die Methode wäre eine völlig andere.

Genau diese Asymmetrie ist die Definition des Konsenssenders. Veranstaltungen, die der redaktionellen Disposition entsprechen, werden als selbstverständlich behandelt. Veranstaltungen, die ihr widersprechen, werden mit kritischer Distanz behandelt. Der Hörer erlebt diese Asymmetrie, ohne sie immer benennen zu können. Er entwickelt das diffuse Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Dieses Gefühl ist eine empirisch korrekte Wahrnehmung der redaktionellen Praxis.

Die Pointe der Klimaberichterstattung

Im Klimathema zeigt sich die Methode des Konsenssenders besonders deutlich, weil hier die Disposition der Redaktionen besonders homogen ist. Klimaschutz ist die unhinterfragte Selbstverständlichkeit. Die Form, in der Klimaschutz organisiert wird, ist nicht zur Diskussion gestellt. Die Stimmen, die methodische Skepsis äussern, sind ausgegrenzt. Die Veranstalter und ihre Sprecher sind privilegierte Quellen.

Das produziert eine Berichterstattung, die nicht falsch ist im Sinne von empirischer Unwahrheit. Sie ist gefiltert. Sie zeigt eine Realität, die existiert, und blendet andere aus, die ebenfalls existieren. Der Hörer erhält ein Weltbild, das in sich konsistent ist, das aber bestimmte unbequeme Fragen nicht enthält. Er weiss nicht, was er nicht weiss.

Die Climate Week Zurich findet statt. 10'000 Teilnehmer fliegen ein. Sie werden eine Woche lang über Klimathemen diskutieren. Manche dieser Diskussionen werden substantiell sein. Andere werden Networking-Folklore sein. Einiges wird zu konkreter Politik führen. Vieles wird in der Präsentationsphase steckenbleiben. Diese differenzierte Realität spiegelt der Beitrag nicht wider. Er spiegelt das Selbstbild der Veranstaltung wider, garniert mit einer rituell stillgelegten kritischen Frage.

Der Befund

Ja, es lohnt sich, der Klimaberichterstattung kritisch zu begegnen. Nicht weil Klimaschutz unwichtig wäre, im Gegenteil. Sondern weil eine asymmetrische, unkritische Berichterstattung dem Anliegen schadet, dem sie nominell dient. Wer Klimapolitik will, die in der Bevölkerung getragen wird, braucht eine Berichterstattung, die die Bevölkerung als urteilsfähig behandelt. Die ihre Skepsis ernst nimmt. Die unbequeme Fragen stellt, statt sie wegzumoderieren.

Genau das tut der SRF-Beitrag nicht. Er behandelt die Bevölkerung als Empfänger einer Botschaft, nicht als Urteilsinstanz. Er liefert das Selbstbild der Veranstalter, nicht eine unabhängige Einordnung. Er erfüllt eine PR-Funktion, nicht eine journalistische.

Die strukturelle Pointe ist die gleiche wie beim Neutralitätsbeitrag. Nicht offene Parteinahme, sondern strukturelle Vorentscheidung der Streitfrage durch Auswahl, Sprache und Auslassung. Nicht Lüge, sondern Filterung. Nicht Manipulation im plumpen Sinne, sondern Konsensreproduktion mit dem Anspruch auf Neutralität.

Die Schweizer Bevölkerung hat in den letzten Abstimmungen mehrfach signalisiert, dass sie der etablierten Klimanarrative nicht mehr blind folgt. Das CO2-Gesetz wurde 2021 abgelehnt. Die Klimainitiative wurde nur knapp angenommen. Die Energiewende ist umstritten. Das Stromgesetz wurde knapp angenommen. Diese Skepsis ist nicht Verirrung, sondern legitime demokratische Praxis. Eine Berichterstattung, die diese Bevölkerung erreichen will, müsste ihre Bedenken ernst nehmen. Sie müsste die Streitfragen als Streitfragen behandeln. Sie müsste die kritischen Stimmen gleichberechtigt einbinden.

Der heutige Beitrag macht das Gegenteil. Er reproduziert die etablierte Narrative, ohne ihre Schwachstellen zu thematisieren. Er stärkt damit die Distanz zwischen dem Sender und einer erheblichen Minderheit der Bevölkerung, die sich in dieser Narrative nicht wiederfindet. Er trägt zum Vertrauensverlust bei, den der Sender in der Halbierungsabstimmung erfahren hat, ohne die Lehre daraus gezogen zu haben.

Das ist die Pointe. Konsensjournalismus produziert keine Konsense. Er produziert Misstrauen bei jenen, die im Konsens nicht enthalten sind. Und je länger er weitergeht, desto grösser wird diese Gruppe. Die Climate Week Zurich wird kommen und gehen. Die strukturelle Frage bleibt: Will der Sender berichten oder mitveranstalten? Die heutige Antwort ist deutlich. Sie ist nicht im Verfassungsauftrag enthalten.

Originalbeitrag auf X →

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