SRF will berichten – aber nur links
SRF berichtet über eine internationale Konferenz zur Bekämpfung linksextremen Terrorismus — und rahmt sie als parteipolitisches Manöver. «USA wollen Terrorismus bekämpfen – aber nur den linken», lautet der Titel, und das «aber» ist das Wort, das den Vorwurf vor der Analyse liefert. Was nicht vorkommt: eine einzige Stimme, die den Fokus auf linksextremen Terrorismus unterstützt. Was nicht vorkommt: die Frage, ob linksextremer Terrorismus tatsächlich ein wachsendes Problem ist — mit Zahlen, mit Fällen, mit Befunden. Was nicht vorkommt: die Frage, ob die Schweizer «ganzheitliche» Strategie tatsächlich funktioniert — oder ob sie eine Formel ist, die unterschwellige Prioritäten verdeckt. Der Beitrag ist eine Warnung vor einer Konferenz — nicht eine Berichterstattung über eine Konferenz.
Zum SRF-Beitrag «USA wollen Terrorismus bekämpfen – aber nur den linken», SRF 4 News, 16.07.2026
Das Framing steht im Titel: «USA wollen Terrorismus bekämpfen – aber nur den linken.» «Aber nur» — das ist die Formulierung, die einen Vorwurf als Feststellung präsentiert. Die USA wollen Terrorismus bekämpfen — aber sie tun es selektiv, parteipolitisch, instrumentell. Das Urteil steht fest, bevor der Inhalt der Konferenz beschrieben ist. SRF entscheidet: Der Fokus auf linksextremen Terrorismus ist ein Problem — nicht eine Entscheidung, die man prüfen könnte. Die Frage, ob es Gründe gibt, linksextremen Terrorismus gesondert zu thematisieren, wird nicht gestellt.
Die Kritiker, die ohne Namen stehen
SRF schreibt: «Kritikerinnen und Kritiker werfen der Trump-Regierung vor, der Fokus auf linke Gewalttäter sei vor allem parteipolitisch motiviert.» «Kritikerinnen und Kritiker» — das ist die Formulierung, die einen Dissens markiert, ohne ihn zu verorten. Wer sind diese Kritiker? Amerikanische Politiker? Europäische Regierungen? Bürgerrechtsorganisationen? Akademiker? SRF nennt niemanden. Die Kritik existiert — aber sie hat keine Stimme, keinen Namen, keine Institution. Das ist die Struktur einer Behauptung, die sich selbst genügt: Kritiker sagen, es sei parteipolitisch — also ist es parteipolitisch.
Die Frage, die nicht gestellt wird: Gibt es Kritiker, die etwas anderes sagen? Gibt es Experten, die den Fokus auf linksextremen Terrorismus für legitim halten? Gibt es Geheimdienste, die einen Anstieg linksextremer Gewalt registrieren? SRF fragt nicht. Die Kritik steht da — als Konsens, der nie hergestellt wurde.
Der Terrorismus, der ohne Zahlen bleibt
SRF berichtet über eine Konferenz zum linksextremen Terrorismus — und nennt keine einzige Zahl. Wie viele linksextreme Anschläge gab es in den letzten Jahren? Wie viele Tote? Wie viele Verletzte? Wie entwickelt sich die Gewalt — steigt sie, sinkt sie, stagniert sie? SRF fragt nicht. Die Konferenz findet statt — aber der Gegenstand der Konferenz, der linksextreme Terrorismus, bleibt eine Behauptung ohne Befund.
Die Frage, die nicht gestellt wird: Ist linksextremer Terrorismus ein wachsendes Problem? Rubio sagt: «Zu lange sei extremistische Gewalt von links ein blinder Fleck gewesen.» Ist das wahr? Die Anschläge von Antifa-Ost in Deutschland und Budapest — wie schwer waren sie? Wie viele Menschen wurden verletzt? Welche Strafverfahren laufen? SRF erwähnt die Gruppe — und fragt nicht, was sie getan hat. Die Vorwürfe werden referiert — aber nicht untersucht. Der linksextreme Terrorismus ist der Anlass der Konferenz — und er kommt im Beitrag nur als Behauptung vor.
Der rechte Terrorismus, der als fehlender Gegensatz gerahmt wird
SRF schreibt: «Terrorismus und Gewalt von rechts waren dagegen kein Thema in seiner Ansprache, weshalb Kritikerinnen und Kritiker monieren, die heutige Konferenz diene der US-Regierung vor allem dazu, Propaganda gegen politische Gegner zu machen.» Das ist die Struktur des Vorwurfs: Rubio spricht nicht über rechten Terrorismus — also ist die Konferenz Propaganda. Die Frage, die nicht gestellt wird: Muss jede Konferenz über Terrorismus alle Formen von Terrorismus thematisieren? Eine Konferenz über jihadistischen Terrorismus thematisiert in der Regel keinen rechtsextremen Terrorismus — das ist nicht Propaganda, das ist Fokussierung. Eine Konferenz über linksextremen Terrorismus könnte denselben Massstab anlegen — aber SRF rahmt die Fokussierung als Auslassung, die parteipolitisch motiviert ist.
Die Frage, die nicht gestellt wird: Gibt es andere Konferenzen, die sich mit rechtsextremem Terrorismus befassen? Findet eine parallele Aufarbeitung statt — oder wird rechter Terrorismus tatsächlich vernachlässigt? SRF fragt nicht. Die Auslassung wird gerahmt — ohne den Kontext, der sie bewerten liesse.
Die Antifa, die als harmlose Bewegung gerahmt wird
SRF schreibt: «Nach Einschätzung gemeinnütziger Forschungsinstitute und Bürgerrechtsorganisationen in den USA verfügt die Antifa-Bewegung über keine feste Organisationsstruktur.» Das ist das Framing: Antifa ist keine Organisation — also kann sie keine Terrororganisation sein. SRF referiert das — und fragt nicht, was es bedeutet. «Keine feste Organisationsstruktur» — das heisst nicht «keine Gewalt». Es heisst: die Struktur ist dezentral, netzwerkartig, schwer zu fassen. Das ist eine Herausforderung für die Strafverfolgung — aber es ist kein Beweis für Harmlosigkeit. SRF rahmt die Strukturlosigkeit als Argument gegen die Terror-Einstufung — ohne zu fragen, ob strukturlose Netzwerke Gewalt ausüben können.
Die Frage, die nicht gestellt wird: Welche Gewalttaten wurden von Antifa-Gruppen oder -Einzelakteuren verübt? SRF erwähnt Antifa-Ost — «zahlreiche Angriffe gegen Personen» und «eine Reihe von Angriffen in Budapest» — und fragt nicht, was das war. Wie viele Angriffe? Welche Schwere? Welche Opfer? SRF nennt die Vorwürfe — und lässt sie im Vagen. Die Angriffe existieren — aber sie haben kein Gesicht, kein Opfer, kein Ausmass. Das ist Framing: Antifa ist strukturlös — also harmlos. Die Angriffe sind «zahlreich» — aber namenlos. Beides dient derselben Richtung: Die Einstufung als Terrororganisation erscheint übertrieben.
Die Schweiz, die als moralische Instanz gerahmt wird
SRF schreibt: «Das Aussendepartement in Bern hält in einer Stellungnahme gegenüber Radio SRF fest, die Schweiz verfolge in der Terrorismusbekämpfung bewusst einen ganzheitlichen Ansatz – man wolle jeden gewalttätigen Extremismus bekämpfen, egal ob er linksextrem, rechtsextrem oder jihadistisch motiviert sei.» Das ist die Schweizer Position — und SRF rahmt sie als überlegen. Die Schweiz kämpft gegen alle Formen von Extremismus — die USA nur gegen eine. Die Schweiz ist ganzheitlich — die USA sind selektiv. Die Schweiz ist neutral — die USA sind parteipolitisch.
Die Frage, die nicht gestellt wird: Was bedeutet der «ganzheitliche Ansatz» in der Praxis? Bekämpft die Schweiz tatsächlich alle Formen von Extremismus gleichermassen — oder gibt es Prioritäten, Ressourcenverteilungen, Schwerpunkte? Wie viele Ermittlungen gibt es gegen linksextreme Gruppen in der Schweiz — und wie viele gegen rechtsextreme? Wie viele gegen jihadistische? SRF fragt nicht. Der «ganzheitliche Ansatz» ist eine Formel — und SRF referiert sie, ohne zu prüfen, ob sie gilt.
Die Frage, die nicht gestellt wird: Hat die Schweiz eigene Erfahrungen mit linksextremer Gewalt? Die «Antifaschistischer Karneval» in Lausanne, den SRF selbst in einem verlinkten Beitrag erwähnt — war das eine friedliche Demonstration oder eine gewalttätige Aktion? SRF verlinkt den Beitrag — aber fragt nicht, was er über den Schweizer Linksextremismus aussagt. Die Schweiz hat den «ganzheitlichen Ansatz» — und SRF fragt nicht, ob er aus Erfahrung oder aus Formel gespeist ist.
Der Spagat, der als Tugend gerahmt wird
SRF schreibt: «Die Schweizer Aussenpolitik übt sich einmal mehr im Spagat: Sie hat die Einladung der US-Regierung angenommen, will sich aber politisch nicht instrumentalisieren lassen.» «Spagat» — das ist das Wort, das einen Konflikt als Tugend präsentiert. Die Schweiz nimmt teil — aber sie lässt sich nicht instrumentalisieren. Die Schweiz ist dabei — aber sie distanziert sich. Das ist die Position, die SRF rahmt: nah genug, um dabei zu sein — fern genug, um nicht verantwortlich zu sein.
Die Frage, die nicht gestellt wird: Kann man an einer Konferenz teilnehmen und sich gleichzeitig von ihr distanzieren? Wenn die Schweiz den «ganzheitlichen Ansatz» vertritt — und die Konferenz einen selektiven Ansatz vertritt —, warum nimmt die Schweiz teil? SRF rahmt den «Spagat» als diplomatische Notwendigkeit — ohne zu fragen, ob er glaubwürdig ist. Die Schweiz will nicht instrumentalisert werden — aber sie sitzt am Tisch, den die USA instrumentalisieren. Das ist ein Widerspruch — und SRF rahmt ihn als Tugend.
So funktioniert dieser Beitrag: Er rahmt eine Konferenz als parteipolitisches Manöver — bevor der Inhalt analysiert wird. Er nennt Kritiker ohne Namen — und keine Befürworter. Er referiert linksextremen Terrorismus als Behauptung — ohne Zahlen, ohne Fälle, ohne Opfer. Er rahmt die Auslassung des rechten Terrorismus als Propaganda — ohne zu fragen, ob Fokussierung legitim ist. Er nennt Antifa strukturlös — und fragt nicht, ob strukturlose Netzwerke Gewalt ausüben. Er erwähnt Angriffe von Antifa-Ost — und fragt nicht, wie schwer sie waren. Er rahmt die Schweiz als moralische Instanz mit «ganzheitlichem Ansatz» — und fragt nicht, ob der Ansatz in der Praxis gilt. Er rahmt den Schweizer «Spagat» als Tugend — ohne zu fragen, ob er glaubwürdig ist. Wer den Beitrag hört, weiss, dass die USA eine Konferenz gegen linksextremen Terrorismus veranstalten, dass Kritiker das parteipolitisch finden und dass die Schweiz einen Spagat macht. Wer wissen will, ob linksextremer Terrorismus ein wachsendes Problem ist, welche Gewalttaten Antifa-Gruppen verübt haben, was der Schweizer «ganzheitliche Ansatz» in der Praxis bedeutet und ob der Schweizer Spagat mehr ist als eine Formel, bekommt keine Antwort — weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Konferenzberichterstattung, das ist ein Vorwurf mit Schweizer Moral — und die Moral verdeckt, was sie bewerten sollte.
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