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Die Verschmelzung, die niemand hinterfragt
Medienkritik
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Die Verschmelzung, die niemand hinterfragt

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SRF erklärt, warum sich der Ukraine- und der Irankrieg zunehmend verknüpfen — und rahmt die Entwicklung als naturgesetzliche Eskalation. Immer mehr Akteure, immer mehr Länder, immer mehr Krieg. Was nicht vorkommt: die Frage, ob die Verknüpfung ein Resultat westlicher Politik ist. Was nicht vorkommt: die Frage, wer von der Eskalation profitiert. Was nicht vorkommt: die Schweizer Milliarden, die in einen der beiden Kriege fliessen. Was nicht vorkommt: eine einzige Gegenstimme. Der Beitrag ist ein Monolog eines Korrespondenten, der als Analyse deklariert wird.

Zum SRF-Beitrag «Drohen der Ukraine- und der Irankrieg zu verschmelzen?», Echo der Zeit, 03.08.2026


Das Framing steht im Titel: «Drohen der Ukraine- und der Irankrieg zu verschmelzen?» Das ist eine Frage, die die Antwort vorwegnimmt. Wer fragt, ob etwas droht, hat bereits geurteilt: Es droht. Die Verschmelzung ist keine Hypothese, sondern eine Diagnose. Fredy Gsteiger bestätigt das im ersten Satz: «Es gibt bemerkenswerte Verbindungen und Verknüpfungen, sodass man nicht mehr von zwei völlig separaten Kriegen sprechen kann.» Die Prämisse steht — und sie wird nie geprüft. Die Frage, ob die Verknüpfung eine zwingende Entwicklung oder ein politisches Resultat ist, wird nicht gestellt.

Die Verknüpfung, die niemand ursächlich analysiert

SRF berichtet, die Ukraine habe ein iranisches Schiff im Kaspischen Meer beschossen. SRF berichtet, China helfe Russland und dem Iran. SRF berichtet, Nordkorea schicke Soldaten. SRF berichtet, der Iran spanne Milizen ein. Das sind Fakten — aber sie werden als Belege für eine Verschmelzung präsentiert, ohne dass jemand fragt, warum diese Verknüpfungen entstehen.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Haben westliche Sanktionen Russland, Iran und China zusammengeschweisst? Die USA haben Russland mit Sanktionen überzogen. Die USA haben den Iran mit Sanktionen überzogen. Die USA haben China mit Zöllen und Technologieembargos überzogen. Wenn drei Länder vom selben Gegner wirtschaftlich attackiert werden, ist ihre Annäherung keine Verschmelzung — sondern eine Allianzbildung unter Druck. SRF erwähnt die Sanktionen nicht als Ursache. Die Verknüpfung wird als russische Strategie gerahmt, nicht als Konsequenz westlicher Politik.

Die Profiteure, die nicht vorkommen

SRF sagt: «Es gibt weitaus mehr Verlierer als Gewinner.» Das ist eine Aussage — aber SRF nennt keinen Gewinner. Wer gewinnt? Die Rüstungsindustrie. Lockheed Martin, Raytheon, Rheinmetall, BAE Systems — ihre Aufträge steigen, ihre Aktien steigen, ihre Gewinne steigen. Der Ukraine-Krieg hat die europäischen Rüstungsbudgets verdoppelt. Der Irankrieg hat die US-Rüstungsausgaben im Nahen Osten erhöht. Die Verschmelzung der Kriege bedeutet mehr Budget, mehr Aufträge, mehr Gewinne.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Hat die Rüstungsindustrie ein Interesse an der Verschmelzung? SRF fragt nicht. Die Kriege werden als politische Konflikte gerahmt, nicht als wirtschaftliche. Die Frage, ob eine Industrie, die von Kriegen lebt, ein Interesse an deren Fortdauer hat, wird nicht gestellt. Gsteiger sagt: «Kriege enden normalerweise entweder dadurch, dass die eine Seite siegt und die andere verliert, oder sie enden am Verhandlungstisch.» Das ist richtig — aber er fragt nicht, warum keiner der beiden Wege beschritten wird. Die Frage, ob jemand ein Interesse daran hat, dass die Kriege nicht enden, wird nicht gestellt.

Die Diplomatie, die als trüb abgetan wird

Gsteiger sagt: «In beiden Fällen sind die Aussichten für eine diplomatische Lösung momentan sehr trüb.» Das ist ein Urteil — aber es ist keine Analyse. Warum sind die Aussichten trüb? Weil die Kriegsparteien nicht verhandeln wollen? Oder weil die Vermittler nicht verhandeln lassen? Die Schweiz hat sich als Vermittler positioniert — «gute Dienste». Was tut die Schweiz, um die Aussichten zu verbessern? SRF fragt nicht.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wurde Diplomatie ernsthaft versucht? Im Ukraine-Krieg gab es 2022 Verhandlungen in Istanbul, die durch westliche Intervention abgebrochen wurden. Im Irankrieg gab es ein Rahmenabkommen auf dem Bürgenstock — das von den USA unter Trump gekündigt wurde. SRF erwähnt keine dieser diplomatischen Versuche. Diplomatie wird als trübe Aussicht präsentiert, ohne dass jemand fragt, wer sie trüb gemacht hat.

Die Quelle, die allein steht

SRF zitiert eine Quelle: Fredy Gsteiger, diplomatischer Korrespondent. Er ist SRF-eigener Mitarbeiter. Er ist keine unabhängige Stimme — er ist die Stimme des Senders. SRF fragt nicht, ob seine Einordnung geteilt wird. Kein Völkerrechtler. Kein Geopolitiker. Kein Militärexperte. Kein Friedensforscher. Kein Vertreter eines der beteiligten Länder. Gsteiger darf urteilen — und SRF gibt das Urteil weiter.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Ist die Verschmelzungsthese umstritten? Gibt es Experten, die argumentieren, die Kriege seien getrennt, die Verknüpfungen seien taktisch, nicht strategisch? SRF fragt nicht. Die Verschmelzung wird als Konsens präsentiert — ohne dass jemand prüft, ob es einen Konsens gibt.

Die Schweizer Milliarden, die nicht vorkommen

SRF berichtet über zwei Kriege, die verschmelzen. Die Schweiz finanziert die Ukraine mit über fünf Milliarden Franken. Die Schweiz übernimmt Sanktionen gegen Russland. Die Schweiz hat ein Interesse an einer diplomatischen Lösung — weil sie bezahlt. Die Frage, was die Verschmelzung für die Schweizer Unterstützung bedeutet, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die Schweiz ihre Zahlungen angesichts der Eskalation überprüfen sollte, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die Schweizer Vermittlerrolle durch die Verschmelzung infrage gestellt ist, wird nicht gestellt. SRF berichtet über eine geopolitische Entwicklung — und nimmt die Schweiz davon aus.

Der Weltkrieg, der als Massstab dient

Gsteiger sagt: «Es gibt bereits einzelne Beobachter, die von einem neuen Weltkrieg sprechen.» Er verwift das — und liefert dann den Massstab: 17 Millionen Tote im Ersten, 60 Millionen im Zweiten Weltkrieg. Die aktuellen Kriege seien nicht vergleichbar. Das ist korrekt — aber es ist ein selektiver Massstab. Ein Weltkrieg wird nicht nur an Toten gemessen, sondern an der Zahl der beteiligten Staaten. Gsteiger selbst sagt: «Würde man auf einer Weltkarte alle Länder mit mehr oder minder direkter Kriegsbeteiligung rot einfärben, dann wäre diese Karte inzwischen zu weiten Teilen rot.» Das ist die Definition eines Weltkriegs — aber SRF verwirft den Begriff, während es die Fakten liefert, die ihn rechtfertigen.


So funktioniert dieser Beitrag: Er rahmt eine geopolitische Entwicklung als naturgesetzliche Eskalation und nutzt einen eigenen Korrespondenten als einzige Quelle. Die Ursache der Verknüpfung — westliche Sanktionen als Katalysator — fehlt. Die Profiteure — die Rüstungsindustrie — fehlen. Die Diplomatiegeschichte fehlt. Die Schweizer Milliarden fehlen. Die Gegenstimmen fehlen. Der Weltkriegsbegriff wird erwähnt und dismissiert, während die Fakten ihn stützen. Wer den Beitrag hört, weiss, dass die Kriege verschmelzen und dass das Ende nicht in Sicht ist. Wer wissen will, warum sie verschmelzen, wer davon profitiert, ob Diplomatie versucht wurde, was die Schweiz dazu beiträgt und ob der Weltkriegsbegriff gerechtfertigt ist, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Geopolitikanalyse, das ist ein Monolog mit Eskalations-Tendenz.

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