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Die Souveränität, die als Umsatzeinbusse verbucht wird
Medienkritik
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Die Souveränität, die als Umsatzeinbusse verbucht wird

Kritisierter Beitrag (SRF 4 News) →

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SRF erzählt die Endmontage der Schweizer F-35A als Geschäftsfrage eines Unternehmens. Der Titel spricht vom «Geschäft mit Fragezeichen», ein Zwischentitel von der Wartung, die der Ruag «weniger ein» bringt. Dabei formuliert der Beitrag den anderen Massstab selbst. Die Inlandwartung der F/A-18 sei wichtig, damit die Armee «jederzeit einsatzbereit und nicht auf Serviceleistungen aus dem Ausland angewiesen ist». Weiterverfolgt wird danach nur die zweite Hälfte der Begründung, die «wichtige Einnahmequelle». Die Bezugsgrösse der Reduktion von vier auf drei Jets, also die Gesamtflotte, nennt keiner der beiden SRF-Beiträge dieses Tages. Die einzige eigene Erklärung der Redaktion ist eine Mutmassung ohne Beleg.

Zum SRF-Beitrag «Finalisierung von F-35A bei der Ruag – Geschäft mit Fragezeichen», SRF 4 News, 15.10.2026


Mitgeprüft wird die SRF-Meldung «Ruag wird nur drei F-35-Kampfjets in Emmen finalisieren» vom selben Tag.

Der Hauptbeitrag geht deutlich über die Medienmitteilung hinaus, auf der die Meldung von 14 Uhr fast vollständig beruht. Er holt bei der Ruag ein Eingeständnis ein, das in keiner Mitteilung stünde, und kennzeichnet es als Antwort «auf Anfrage von SRF»: «Es ist absehbar, dass ein signifikanter Einnahmenverlust im Vergleich mit der Wartung und Instandhaltung der F/A-18 entstehen wird.» Er erklärt die technische Differenz zwischen den beiden Flugzeugtypen an einem konkreten Beispiel, dem Triebwerk. Er legt offen, woher diese Information stammt, nämlich aus einem Hintergrundgespräch der Ruag. Er markiert, wo das Unternehmen schweigt: bei den Vertragsverhandlungen und bei den Gesprächen mit anderen Staaten. Sein Titel ist zudem skeptischer als die Meldung von 14 Uhr, die den Vertrag noch als Schritt in die «nächste Phase» präsentierte. Das ist solide Recherche. Die Kritik betrifft die Linse, durch die sie gelesen wird.

Einsatzbereit, aber nicht allein

Der Beitrag baut einen Widerspruch auf und lässt ihn stehen. Das ist keine Weglassung, denn alle Elemente stehen im Text. Im dritten Absatz begründet er die Inlandwartung der F/A-18 mit der Unabhängigkeit der Armee: Sie solle nicht auf Serviceleistungen aus dem Ausland angewiesen sein. Zwei Absätze später beschreibt er den F-35A als Flugzeug, das in Komponenten unterteilt ist, «wie etwas das Cockpit oder das Triebwerk». Für diese Komponenten gebe es weltweit «klar definierte Zentren», für Triebwerke etwa «in den Niederlanden oder Norwegen». Dann folgt der Satz: «Ginge also an einem Schweizer F-35A ein Triebwerk kaputt, könnte es im luzernischen Emmen ausgebaut und in eines dieser Zentren gebracht werden.»

Der Schluss, den beide Stellen zusammen nahelegen, wird nicht gezogen. Am Kriterium, das der Beitrag für die F/A-18 selbst aufstellt, gemessen, wäre die Schweizer Luftwaffe beim F-35A in einem zentralen Bereich auf ausländische Serviceleistungen angewiesen. Der Befund erscheint stattdessen unter dem Zwischentitel «Wartung von F-35A bringt Ruag weniger ein». Die Folgerung lautet: «Weil die Ruag beim F-35A aber weniger selbst warten kann als beim F/A-18, wird die Armee auch weniger dafür bezahlen.» Was die Armee an Eigenständigkeit verliert, wird als das verbucht, was die Ruag an Umsatz verliert. Wer die Arbeit in den ausländischen Zentren ausführt und dafür bezahlt wird, steht nicht im Beitrag.

Das verschiebt auch das Gewicht der Ruag-Zusicherung, die Reduktion habe auf den Know-how-Aufbau «keinen Einfluss». Der Beitrag nennt den Aufbau von Know-how «das grosse Ziel des Rigi-Projekts». Welches Know-how gemeint ist, beschreibt er selbst: ausbauen, zusammenbauen, testen. Die Reparatur einzelner Komponenten, die beim F/A-18 in Emmen möglich war, gehört beim F-35A nicht dazu. Die Zusicherung, ein eng begrenztes Ziel sei durch die Kürzung nicht gefährdet, sagt weniger aus, als das Wort «Know-how» vermuten lässt. Die Bildlegende zeigt eine F/A-18 in der Wartung in Emmen, aufgenommen 2019. Sie illustriert damit die Wartungstiefe, die der Beitrag als Vergleichsmassstab setzt und beim neuen Jet nicht mehr findet.

Drei von wie vielen?

Hier liegt eine Weglassung vor. Die Ruag begründet die Reduktion damit, dass «der Kostenrahmen eingehalten wird». Die Meldung von 14 Uhr übernimmt die Formel, das Programm stehe nun «mit den definierten Anforderungen und den verfügbaren Ressourcen im Einklang». Ob damit der Kostenrahmen der Ruag für das Projekt Rigi gemeint ist oder jener der Beschaffung, fragt keiner der beiden Beiträge. Eine Kostenzahl zur Reduktion nennt die Ruag nicht. Der Begriff Kostenrahmen steht ohne Rahmen da.

Dieser Rahmen ist bekannt. Am 12. Dezember 2025 entschied der Bundesrat, innerhalb des Finanzrahmens von 6 Milliarden Franken die maximal mögliche Zahl F-35A zu beschaffen, weil 36 Flugzeuge wegen Mehrkosten nicht zu halten sind. Im März 2026 verzichtete er auf einen Zusatzkredit von 1,1 Milliarden Franken. Das VBS geht von rund 30 Flugzeugen aus. Die definitive Zahl muss gegenüber den USA spätestens im zweiten Quartal 2027 feststehen.

Vor diesem Hintergrund liest sich die Reduktion in Emmen anders. Sie ist nicht die einzige Zahl in diesem Programm, die sinkt. Ob die beiden Kürzungen ursächlich zusammenhängen, lässt sich aus dem vorliegenden Material nicht ableiten. Ein Beitrag, der eine Kürzung zur Einhaltung eines Kostenrahmens meldet, schuldet dem Publikum aber den Hinweis, dass das Gesamtprojekt seit Monaten unter Kostendruck steht. Die Bildlegende der 14-Uhr-Meldung spricht davon, «einen Teil der Schweizer F-35-Flotte» in Emmen zusammenzubauen. Wie gross das Ganze ist, erfährt das Publikum an keiner Stelle. Dabei steckt im Kalender eine Asymmetrie: Die Zahl der Jets, die in Emmen montiert werden, ist vertraglich festgelegt. Die Zahl der Jets, zu denen sie gehören, ist es noch nicht.

«Dürfte auch»

Die einzige Erklärung aus eigener Feder liefert die Redaktion im ersten Absatz: «Der Grund dafür dürfte auch bei den hohen Kosten der Ruag liegen.» Der Satz hat weder Quelle noch Zahl noch Gegenstimme. Das Publikum erfährt nicht, wer die Kosten der Ruag als hoch eingestuft hat und im Vergleich womit. Ebenso wenig erfährt es, ob Armasuisse dazu befragt wurde. Die Ruag selbst spricht in der zitierten Stellungnahme von einer «Kosten-/Nutzen-Abwägung», nicht von eigenen Kosten. Mutmassung und Firmenaussage stehen unverbunden nebeneinander. Weder wird die eine bestätigt, noch wird sie an der anderen gemessen.

Der Halbsatz prägt die Lektüre des ganzen Beitrags. Er verortet die Ursache der Kürzung bei der Ruag und richtet damit alles Weitere auf das Unternehmen aus: auf seine Kosten, seine Einnahmen und seinen Druck, «neue Kunden im Ausland zu finden». Dass die Ruag dem Bund gehört, der über die Armee zugleich ihr Kunde ist, erwähnt keiner der beiden Beiträge. Damit erscheinen hohe Kosten und sinkende Einnahmen als Firmenangelegenheit, obwohl sie Posten in derselben Staatsrechnung sind.

Die Linse, die nur den Ertrag misst

Das Muster ist eine Verschiebung des Standpunkts: Eine staatspolitische Frage wird aus der Perspektive eines Lieferanten erzählt. Was für den Staat einen Verlust an Handlungsfähigkeit bedeutet, erscheint in dieser Optik als Umsatzeinbusse. Der Kunde, hier Armee und Bund, wird zum Kostenfaktor im Geschäftsmodell. Wer die Folgen einer Beschaffung an der Bilanz eines Unternehmens abliest, sieht Abhängigkeit nur dort, wo sie Geld kostet. Am stärksten wirkt der Mechanismus, wenn das Medium den eigentlichen Massstab selbst ausspricht und danach nur den Ertrag misst. Die Linse ist nicht falsch, aber sie ist schmal. Sie zeigt, was der Lieferant verliert, und verdeckt, was der Besteller aufgibt. Zur selben Optik gehört die Zahl ohne Nenner: Drei Jets sind eine Unternehmenszahl. Als Anteil an einer Flotte würden sie zu einer politischen Zahl.

Die halbe Bilanz

So funktioniert dieser Beitrag: Er meldet, dass ein defektes Triebwerk eines Schweizer F-35A zur Reparatur ins Ausland gebracht würde, und rahmt es als Einnahmenproblem eines Rüstungskonzerns. Er zitiert eine Kürzung zur Einhaltung eines Kostenrahmens und verschweigt den Rahmen. Die Fragezeichen im Titel gelten der Ruag. Die Antwort auf die Frage der Armee steht bereits im dritten Absatz.

Gebucht wird der Verlust in Emmen, repariert wird in den Niederlanden oder in Norwegen.

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