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Die Heimat, die keine Prinzipien hat
Medienkritik
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Die Heimat, die keine Prinzipien hat

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Bundesrat Beat Jans hält eine Bundesfeierrede in Therwil und rahmt die Schweiz als Geschichte der Offenheit und Vielfalt. Die Zahl 99 wird zum Symbol für ständige Erweiterung. Was nicht vorkommt: die Grundsätze, die diese Offenheit erst möglich machten. Was nicht vorkommt: die Neutralität. Was nicht vorkommt: die Kosten der Migration. Die Rede ist ein Festtagsvortrag, der die Schweiz zu einem reinen Verwaltungsapparat ohne Grenzen umdeutet.

Zur Bundesfeierrede von Bundesrat Beat Jans in Therwil, 31.07.2026


Das Framing steht in der Deutung der Zahl 99. Jans nimmt die lokale Anekdote der 99 Därwiler Soldaten, die sich im Mittelalter gegen Reinach aufstellten, und dreht sie um. Aus einem militärischen Zählfehler wird ein Plädoyer für grenzenlose Aufnahme: «99 steht gleichzeitig für Vielfalt und für Offenheit. Dafür, dass es immer noch Platz hat. Für Menschen, die dazukommen und hier ihre Heimat finden.» Das Framing steht fest: Die Schweiz ist kein Ort mit Grenzen, sondern ein Container, der stets mehr aufnehmen kann und soll. Die Frage, ob ein Land unbegrenzt Menschen aufnehmen kann, ohne seine Identität zu verlieren, wird nicht gestellt.

Die Neutralität, die am 1. August fehlt

Jans spricht über die Aussenpolitik. Er erwähnt die Ukraine, Grönland, die Strasse von Hormus. Er erwähnt die EU. Er erwähnt den «bilateralen Weg», den er als «Königsweg» bezeichnet. Er erwähnt die Neutralität mit keinem Wort. Ein Bundesrat, der am 1. August über die Schweiz spricht, lässt das zentrale aussenpolitische Identitätsmerkmal des Landes weg. Er ersetzt es durch «Europa»: «Auch Europa ist Heimat.»

Die Frage, die nicht gestellt wird: Ist die Neutralität noch Regierungspolitik? Oder wurde sie stillschweigend aufgegeben, ohne das Volk zu fragen? Jans spricht über «Kooperation» und «gemeinsame Werte» mit den Nachbarn. Dass die Neutralität genau diese Verflechtung ausschliesst, um in Konflikten vermitteln zu können, kommt nicht vor. Die Neutralität wird behandelt als existiere sie nicht mehr.

Die Souveränität, die ins Mittelalter zurückkehrt

Jans sagt: «Statt der Stärke des Rechts, gilt immer öfters wieder das Recht des Stärkeren.» Er meint die globale Weltordnung. Aber er rahmt nationale Souveränität und Grenzstreitigkeiten als Rückfall ins Mittelalter: «Das Mittelalter scheint wieder zurückzukommen.» Er sagt: «In einer vernetzten, digitalisierten und mobilen Welt meistern wir die grossen Herausforderungen nur gemeinsam.» Das ist die technokratische Lesart: Souveränität stört, weil sie ineffizient ist. Grenzen stören, weil sie mobilitätshemmend sind.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wenn die Schweiz ihre Souveränität an internationale Organisationen abgibt, wer vertritt dann die Schweizer Interessen, wenn diese Organisationen ihre eigenen verfolgen? Jans fordert die Abgabe von Kompetenzen an den Bund und an die EU, um «Cyber» und «Desinformation» zu bekämpfen. Dass genau diese Zentralisierung dem Prinzip der Subsidiarität widerspricht, das die Schweiz stark machte, bleibt unerwähnt.

Die Migration, die nur Gewinner kennt

Jans sagt: «Gastarbeiter haben in der Schweiz Grosses vollbracht. Flüchtlinge haben hier geschrieben, gewirkt und geforscht. Zugewanderte haben Schweizer Uhren gross gemacht.» Das ist korrekt. Aber es ist die halbe Geschichte. Die andere Hälfte: Migration kostet. Migration erzeugt Parallelgesellschaften. Migration erzeugt Kriminalität. Jans nennt die Uhren und lässt die Probleme weg. Er sagt: «Unsere Geschichte ist keine Geschichte der Abschottung, sondern eine Geschichte der Vielfalt, der Offenheit und des Zusammenhalts.»

Das ist eine Lüge durch Auslassung. Die Schweiz hatte immer Grenzen, immer Einwanderungskontrolle, immer das Prinzip der Eigenverantwortung. Die Schweiz war nie ein Land ohne Abschottung. Sie war ein Land mit geordneter Zuwanderung. Jans tilgt die Grenze aus der Geschichte und präsentiert die Schweiz als Einwanderungsland ohne Limit. Die Frage, was die aktuelle, unkontrollierte Migration für die Sicherheit und den Wohlstand des Landes bedeutet, wird nicht gestellt.

Die Demokratie, die nur verliert

Jans sagt: «Demokratie heisst nicht, dass immer alles so läuft, wie man will. Auch und erst recht nicht als Bundesrat.» Das ist korrekt. Aber er verschweigt, dass die politische Klasse Volksentscheide zunehmend umgeht oder uminterpretiert. Er sagt: «Heimat ist dort, wo man aufeinander eingeht, wo man mitbestimmen darf.» Das ist eine schöne Formulierung. Aber sie verschweigt, dass das Volk bei fundamentalen Entscheidungen wie der Übernahme von EU-Sanktionen oder der Aufgabe des Bankgeheimnisses nie gefragt wurde.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wenn die direkte Demokratie nur dann gilt, wenn das Ergebnis der politischen Klasse passt, ist es dann noch eine Demokratie? Jans erwähnt das Frauenstimmrecht als historischen Fortschritt. Er erwähnt nicht die aktuelle Entfremdung zwischen Volk und Parlament. Er rahmt die Schweiz als einen Ort, wo man «auch mal verliert». Er verschweigt, dass die politische Klasse oft genug sorgt, dass das Volk gar nicht erst gewinnen darf.


So funktioniert diese Rede: Sie feiert die Schweiz als offene Werkstatt und verschweigt, dass die Werkzeuge, die diese Schweiz bauten, abgeschafft werden. Die Neutralität fehlt. Die Souveränität wird als rückständig gerahmt. Die Migration wird idealisiert. Die direkte Demokratie wird beschwichtigt. Wer die Rede hört, weiss, dass die Schweiz vielfältig und offen ist. Wer wissen will, warum die Schweiz neutral war, wie sie ihre Grenzen kontrollierte, wie sie ihre Demokratie verteidigte und warum diese Prinzipien verschwinden, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Festrede, das ist ein Abschiedsbrief an die Schweiz, der als Liebesbrief getarnt ist.

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