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Die Community für heisse Propaganda
Medienkritik
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Die Community für heisse Propaganda

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SRF berichtet über Hitzefrei — und rahmt es als Community-Debatte. «Zwei Drittel der dialog-Community wünschen sich hitzefrei», lautet der Befund. Was nicht vorkommt: dass die «dialog»-Community eine selbstselektierte Gruppe ist, die sich auf der SRF-Plattform registriert hat — keine repräsentative Stichprobe, keine Bevölkerung, kein Volk. Was nicht vorkommt: eine einzige Stimme aus der Wirtschaft — kein Arbeitgeberverband, kein KMU, kein Ökonom, niemand, der rechnet, was Hitzefrei kostet. Was nicht vorkommt: die Frage, ob SRF hier über eine Debatte berichtet — oder eine Debatte inszeniert, indem es die eigenen User als Quelle zitiert. Der Beitrag ist Advocacy mit Community-Format — und die Community ist das Deckmäntelchen.

Zum SRF-Beitrag «Hitzefrei: ‹Bei 35 Grad lernt und arbeitet niemand mehr richtig›», dialog, 16.07.2026


Das Framing steht im Titel: «Bei 35 Grad lernt und arbeitet niemand mehr richtig.» Das ist kein Zitat aus der Community — das ist eine Behauptung, die SRF als Fakt präsentiert. «Niemand» — das ist das Wort, das den Dissens eliminiert, bevor er beginnt. Wenn niemand mehr richtig lernt und arbeitet — dann ist Hitzefrei keine Frage, sondern eine Konsequenz. Der Titel entscheidet die Debatte — bevor die Debatte stattfindet.

Die Umfrage, die keine ist

SRF schreibt: «67 Prozent der Userinnen und User sprechen sich in einer nicht-repräsentativen Umfrage dafür aus.» «Nicht-repräsentativ» — das Wort steht da, und SRF tut so, als genüge es. Es genügt nicht. Eine nicht-repräsentative Umfrage unter einer selbstselektierten Gruppe, die sich auf der SRF-Plattform registriert hat, ist keine Umfrage — sie ist eine Stimmungslage unter Menschen, die sich für SRF-Themen interessieren und bereit sind, auf SRF-Plattformen zu kommentieren. Das ist eine Gruppe mit einem Profil: online-affin, meinungsstark, politisch engagiert. Das ist nicht die Schweiz.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wer gehört zur «dialog»-Community? Wie viele Mitglieder hat sie? Wie werden die Fragen formuliert — und von wem? Wie wird entschieden, welche User-Zitate in den Beitrag aufgenommen werden — und welche nicht? SRF berichtet über eine Umfrage, die es selbst veranstaltet hat, über eine Community, die es selbst betreibt, über User, die es selbst ausgewählt hat. Das ist zirkulär: SRF erzeugt die Meinungen, die es dann als Bericht verbreitet. Die «Community» ist nicht die Quelle der Debatte — sie ist das Medium, durch das SRF seine eigene Position als Volkswillen rahmt.

Die Stimmen, die einseitig gewichtet werden

SRF zitiert fünf User. Vier argumentieren für Hitzefrei oder für Anpassung an die Hitze. Einer argumentiert dagegen — und sein Argument ist eigentlich nicht dagegen. «Hanspeter Peterhans» schreibt: «Hitzefrei für die gesamte Wirtschaft und Bildungseinrichtungen zu fordern, ist eine reine Kapitulationserklärung vor das Thermometer.» Das ist kein Argument gegen Hitzefrei als Massnahme — es ist ein Argument für Infrastrukturinvestitionen statt Hitzefrei. «Peterhans» will Kühlkonzepte, Beschattung, Isolation. Er streitet nicht mit den Befürwortern — er streitet mit ihnen über das Mittel, nicht über das Ziel. Die eigentliche Gegenposition — dass Sommerhitze eine wiederkehrende Jahreszeiterscheinung ist, dass Menschen seit Jahrtausenden in heissen Klimazonen arbeiten, dass Hitzefrei eine kulturelle Anpassung ist, die keine institutionelle Lösung erfordert — kommt in einem Halbsatz vor: «Beim Drittel der Community, das Hitzefrei ablehnt, vertreten entsprechend nur wenige die Meinung, man müsse sich schlicht an die hohen Temperaturen gewöhnen.» «Nur wenige» — das ist die Abfuhr, die die Position erledigt, bevor sie argumentiert wird.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Warum werden die Pro-Stimmen mit vollen Argumenten zitiert — und die Contra-Stimme mit einem Halbsatz? SRF wählt aus — und die Auswahl ist das Framing. Vier ausführliche Pro-Zitate gegen ein verkürztes Contra-Zitat: Das ist keine ausgewogene Debatte — das ist eine inszenierte Überlegenheit.

Die Wirtschaft, die nicht vorkommt

SRF berichtet über Hitzefrei für «Schulen und Unternehmen» — und erwähnt mit keinem Wort die Wirtschaftsperspektive. Kein Arbeitgeberverband, kein KMU-Vertreter, kein Ökonom, niemand, der rechnet, was ein Hitzefrei-Tag kostet. Die User-Stimme «Jonas Büchi» sagt: «Hitzefrei ist nicht wirtschaftsschädlich, sondern schlicht vorausschauend.» SRF referiert das — und fragt nicht, ob es stimmt. Ist Hitzefrei wirtschaftsschädlich? Was kostet ein Tag Stillstand in der Schweizer Wirtschaft — in der Industrie, im Baugewerbe, im Dienstleistungssektor? Was kostet es, wenn Schulen schliessen und Eltern nicht zur Arbeit können? SRF fragt nicht. Die Wirtschaft kommt vor — als Adressat von Forderungen, nicht als Akteur mit einer Stimme.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was sagt der Arbeitgeber? Was sagt der Gewerkschafter? Was sagt der Bauer, der ernten muss — heute, nicht morgen? Was sagt der Spitalchef, der Personal braucht — auch bei 35 Grad? SRF zitiert einen User, der sich «Bürogummi» nennt und sich vorstellt, «wie schlimm es für Bauarbeiter oder Bauern sein muss» — aber SRF fragt keinen Bauarbeiter. SRF fragt keinen Bauern. Die Betroffenen werden aus der Perspektive des Bürogummis imaginiert — nicht aus ihrer eigenen.

Die Hitzetoten, die ohne Kontext stehen

SRF verlinkt am Rand einen verwandten Artikel: «WHO meldet über 1300 Hitzetote in Europa.» Die Zahl steht da — ohne Kontext, ohne Massstab, ohne Vergleich. 1'300 Hitzetote in Europa — über welchen Zeitraum? In welchen Ländern? Unter welchen Demografien? Wie viele Kältetote gibt es in Europa pro Jahr — und warum kommt diese Zahl nie vor? Die Frage, die nicht gestellt wird: Sind Hitzetote ein neues Phänomen — oder ein bekanntes, das jetzt neu gerahmt wird? SRF liefert die Zahl — und lässt sie wirken. 1'300 Tote sind ein Argument für Hitzefrei — aber nur, wenn niemand fragt, was die Zahl bedeutet.

Das Klima, das als Erklärung reicht

SRF zitiert Userin «Débattrice Apaisée»: «Seit über 25 Jahren wissen wir, dass sich das Klima erwärmt, seit über 25 Jahren tun wir nichts.» SRF referiert das — und fragt nicht, ob es stimmt. «25 Jahre nichts tun» — das ist eine politische Behauptung, die SRF als User-Einsicht stehen lässt. Hat die Schweiz 25 Jahre nichts getan? Die Schweiz hat CO₂-Gesetze verabschiedet, Gebäudeprogramme finanziert, öffentliche Verkehrsmittel ausgebaut, Klimaziele festgelegt — und mehrere Abstimmungen darüber durchgeführt. Ob das genug war — das ist eine Debatte. Aber «nichts tun» ist keine Beschreibung, das ist eine Anklage. SRF referiert die Anklage — ohne sie zu prüfen.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Seit wann gibt es Hitzewellen in der Schweiz — und seit wann gibt es Hitzefrei? SRF erwähnt die Romandie, die «vorprescht» — und fragt nicht, warum die Deutschschweiz nicht folgt. Sind die Romands hitzeempfindlicher — oder politisch anders ausgerichtet? SRF fragt nicht. Die Hitze ist die Erklärung — und die Erklärung reicht.

Die Romandie, die als Vorbild gerahmt wird

SRF verlinkt einen Beitrag: «Romandie: Schulen geben Hitzeferien – das sorgt auch für Kritik.» Das ist der einzige Hinweis auf Kritik — und er steht in einem verlinkten Titel, nicht im Text. SRF berichtet über Hitzefrei — und erwähnt die Romandie als Vorreiterin, ohne zu fragen, was die Kritik dort ist. Wer kritisiert? Warum? Welche Erfahrungen gibt es — mit Eltern, die arbeiten müssen, mit Schülern, die Stoff verpassen, mit Schulen, die Nachholbedarf haben? SRF fragt nicht. Die Romandie «prescht vor» — und das ist positiv gerahmt. Die Kritik existiert — aber sie ist ein Link, kein Inhalt.


So funktioniert dieser Beitrag: Er rahmt eine selbstselektierte Online-Umfrage als Volkswillen — und nennt die Nicht-Repräsentativität in einem Halbsatz, der die Methode entschuldigt, statt sie zu problematisieren. Er zitiert vier Pro-Stimmen ausführlich und eine Contra-Stimme, die eigentlich nicht contra ist. Er erwähnt die Wirtschaft als Adressat — nicht als Akteur. Er liefert eine Hitzetod-Zahl ohne Kontext. Er referiert eine politische Anklage («25 Jahre nichts getan») als User-Einsicht. Er erwähnt die Romandie als Vorbild — und die Kritik als Link. Wer den Beitrag liest, weiss, dass zwei Drittel der Community Hitzefrei wollen und dass Hitze anstrengend ist. Wer wissen will, ob die Community repräsentativ ist, was Hitzefrei kostet, was Arbeitgeber sagen, was die Hitzetod-Zahl bedeutet, ob die Kritik in der Romandie berechtigt ist und ob «25 Jahre nichts tun» eine faktenbasierte Beschreibung ist, bekommt keine Antwort — weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Berichterstattung über eine Debatte, das ist eine Debatte, die SRF mit eigenen Mitteln führt — und die Community ist das Deckmäntelchen.

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