Die Brutalität der einen Seite
SRF erklärt, warum Russlands Luftangriffe tödlicher werden, und rahmt den Krieg als einseitige russische Zermürbungsstrategie. Russland bombardiere zivile Ziele, um die ukrainische Bevölkerung zu brechen. Was nicht vorkommt: dass die Ukraine ebenfalls russische Zivilisten angreift; die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Wohngebiete und die getöteten Zivilisten in Russland. Der Beitrag ist eine Kriegsanalyse, die die Kriegsrealität halbiert — und damit nicht erklärt, warum der Krieg eskaliert, sondern nur, warum eine Seite leidet.
Zum SRF-Beitrag «Warum Russlands Luftangriffe wieder tödlicher werden», SRF News Plus, 05.08.2026
Das Framing steht im ersten Satz: «Russland setzt den Luftkrieg zunehmend mit schweren Waffen fort und lässt damit seine Angriffe eskalieren.» Russland ist der Akteur, die Ukraine ist das Ziel. Die Struktur des Beitrags ist linear: Russland greift an, die Ukraine leidet, der Westen muss liefern. SRF fragt nicht, ob die Ukraine ebenfalls angreift. SRF fragt nicht, ob die russischen Angriffe eine Reaktion sind. SRF fragt nicht, ob der Krieg ein Kreislauf ist, in dem beide Seiten zivile Ziele treffen. Die Frage, ob die Eskalation eine Ursache hat, die über die russische Brutalität hinausgeht, wird nicht gestellt.
Die ukrainischen Angriffe, die nicht vorkommen
SRF berichtet über russische Luftangriffe auf Kiew. SRF berichtet über ballistische Raketen, die Wohnhäuser treffen. SRF berichtet über eine «Zermürbungsstrategie». Was SRF nicht berichtet: Die Ukraine greift ebenfalls russische Städte an. In der Region Saratov wurde zivile Infrastruktur in den Städten Saratov und Engels getroffen, zwei Menschen starben, als ein Wohnhaus in Engels getroffen wurde. In der von Russland besetzten Krim stieg die Zahl der Toten auf vier. In den Grenzsiedlungen der Region Belgorod wurden vier Zivilisten getötet, 17 verletzt. Mindestens 16 Menschen wurden in Russland getötet, 11 in der Ukraine — beide Seiten melden Opfer.
SRF erwähnt none of this. Die ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Hafenanlagen, auf Raffinerien, auf Wohngebiete — all das fehlt. Die Frage, ob die russischen Luftangriffe eine Reaktion auf ukrainische Angriffe sind, wird nicht gestellt. Die Frage, ob beide Seiten Zivilisten töten, wird nicht gestellt. SRF rahmt den Krieg als einseitige russische Aggression gegen die ukrainische Zivilbevölkerung — und verschweigt, dass die Ukraine dieselbe Taktik anwendet.
Die Zivilisten, die nur auf einer Seite zählen
SRF zitiert ARD-Korrespondentin Rebecca Barth: «Das Gefühl der Verwundbarkeit wächst.» SRF beschreibt Menschen in Metrostationen, die Schutz suchen. SRF beschreibt zerstörte Wohnhäuser, zerstörte Schulen, zerstörte Botschaften. Das sind reale Leiden — aber sie sind nur die halbe Story. Die andere Hälfte: russische Zivilisten, die in Kellern Schutz suchen. Russische Wohnhäuser, die von ukrainischen Drohnen getroffen werden. Russische Familien, die fliehen. SRF erwähnt sie nicht. Die Frage, ob russische Zivilisten ebenfalls verwundbar sind, wird nicht gestellt. Die Frage, ob der Krieg für beide Seiten Opfer fordert, wird nicht gestellt. SRF entscheidet: Nur ukrainische Opfer sind erwähnenswert.
Die Zermürbungsstrategie
SRF zitiert Sicherheitsexperte Häsler: Russland setze darauf, «die ukrainische Bevölkerung mit anhaltenden Angriffen zu zermürben». Das ist eine These — aber SRF fragt nicht, ob die Ukraine dieselbe Strategie verfolgt. Die Ukraine greift russische Raffinerien an, um die russische Wirtschaft zu schwächen. Die Ukraine greift russische Hafenstädte an, um russische Exporte zu blockieren. Die Ukraine greift russische Grenzstädte an, um die russische Bevölkerung zu verunsichern. Das ist ebenfalls eine Zermürbungsstrategie — aber SRF erwähnt sie nicht. Die Frage, ob beide Seiten Zivilisten als Druckmittel einsetzen, wird nicht gestellt.
Die Munition
SRF erklärt, der Ukraine fehle Abwehrmunition. Lieferengpässe, hoher Verbrauch, der Iran-Konflikt als Konkurrenz. Das ist korrekt — aber es ist die halbe Wahrheit. SRF fragt nicht, ob Russland ebenfalls Munitionprobleme hat. SRF fragt nicht, ob Russland mehr Raketen verschiesst als es produziert. SRF fragt nicht, ob die russische Eskalation ein Zeichen von Schwäche ist, nicht von Stärke. SRF rahmt die Munitionslage als ukrainisches Problem — und verschweigt, dass Russland vor demselben Problem steht.
Die Schweizer Milliarden
SRF berichtet über einen Krieg, den die Schweiz mit über fünf Milliarden Franken unterstützt. SRF berichtet über Luftverteidigung, über Patriot-Systeme, über Abfangraketen. Die Frage, ob die Schweiz ihre Unterstützung angesichts der Eskalation überprüft, wird nicht gestellt. Die Frage, ob Schweizer Geld indirekt ukrainische Angriffe auf russische Zivilisten finanziert, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die Schweiz eine Vermittlerrolle spielen sollte, statt eine Seite zu bewaffnen, wird nicht gestellt. SRF berichtet über den Krieg — und exempt die Schweiz.
Die Expertin, die als neutral auftritt
SRF zitiert Sofia Fässler als Autorin. SRF zitiert Georg Häsler, Oberst im Stab der Schweizer Armee, als Sicherheitsexperten. SRF zitiert Rebecca Barth, ARD-Korrespondentin in Kiew. Das sind drei Stimmen — und alle kommen von der ukrainischen Seite. Kein russischer Offizieller. Kein russischer Journalist. Kein neutraler Beobachter. Kein Friedensforscher. Die Frage, ob ein Schweizer Armeeoffizier die richtige Quelle ist, um eine einseitige Kriegsanalyse zu liefern, wird nicht gestellt.
So funktioniert dieser Beitrag: Er halbiert die Kriegsrealität und rahmt Russland als alleinigen Akteur. Die ukrainischen Angriffe auf russische Zivilisten fehlen. Die russischen Opfer fehlen. Die ukrainische Zermürbungsstrategie fehlt. Die russische Munitionslage fehlt. Die Schweizer Milliarden fehlen. Die Gegenstimmen fehlen. Wer den Beitrag liest, weiss, dass Russland Kiew bombardiert und dass der Ukraine Munition fehlt. Wer wissen will, ob die Ukraine ebenfalls Zivilisten tötet, ob die russischen Angriffe eine Reaktion sind, ob beide Seiten zermürben, ob Russland Munitionsprobleme hat und was die Schweiz dazu beiträgt, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Kriegsanalyse, das ist ein einseitiger Lagebericht ohne Kontext.
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