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Der SRF-Journalist, der Trump-Illusionen hat
Medienkritik
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Der SRF-Journalist, der Trump-Illusionen hat

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Dieser SRF-Beitrag von Damian Rast über die Zollverhandlungen zwischen der Schweiz und den USA ist ein Lehrstück in Bestätigungsjournalismus: Der Redaktor weiss von Anfang an, was die Story ist — auf die USA ist kein Verlass, Trump tut, was er will — und er arrangiert die Fakten so, dass sie diese Story stützen. Was nicht in die Story passt, wird weggelassen. Was die Story stützt, wird behauptet. Was die Story komplizieren würde, wird nicht gefragt. Das Ergebnis ist ein Beitrag, der klingt wie eine Analyse, aber keine ist — denn eine Analyse prüft ihre eigenen Behauptungen, und dieser Beitrag prüft nichts.

Zum SRF-Beitrag «Schweiz darf sich keine Illusionen machen», HeuteMorgen / Damian Rast, 30.06.2026


Was der Beitrag gut macht

Die Fakten sind knapp und korrekt: Die USA sind nach der EU der zweitwichtigste Handelspartner der Schweiz. Die Absichtserklärung vom November hat zu einer Zollsenkung von teilweise über 40 auf rund 15 Prozent geführt. Die Erklärung ist rechtlich nicht verbindlich. Das aktuelle US-Zollregime läuft in rund drei Wochen aus. Parmelin ist in den USA, hat keinen Durchbruch erzielt, zeigt sich aber zuversichtlich. Das sind die Grundlagen — und Rast nennt sie sauber. Auch die Grundfrage ist legitim: Was nützt ein Abkommen, wenn Trump es nicht einhält? Das ist eine politische Frage, die man stellen muss.

«Auf die USA ist kein Verlass»: eine Behauptung als Fakt

Rast schreibt: «Auf die USA — und insbesondere auf Donald Trump — ist kein Verlass.» Das ist das Zentrum des Beitrags — und es ist eine Behauptung, die als Fakt präsentiert wird. Was heisst «kein Verlass»? Hat Trump die Absichtserklärung vom November gebrochen? Nein — die Zölle wurden gesenkt, von über 40 auf rund 15 Prozent. Das ist eine faktische Einhaltung. Hat Trump andere Abkommen mit der Schweiz gebrochen? Der Beitrag nennt kein einziges Beispiel. Hat Trump Abkommen mit anderen Ländern gebrochen? Der Beitrag nennt kein einziges Beispiel.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Welche US-Abkommen hat Trump tatsächlich gebrochen, und welche hat er eingehalten? Trump hat in seiner ersten Amtszeit das NAFTA durch das USMCA ersetzt — das ist eine Neuverhandlung, kein Bruch. Er hat das Iran-Abkommen gekündigt — das war ein Obama-Abkommen, kein Trump-Abkommen. Er hat das Pariser Klimaabkommen verlassen — das war ein nicht verbindliches Abkommen. Er hat Zölle gegen China, die EU, Kanada und Mexiko erhoben — aber er hat dabei bestehende Abkommen genutzt (Section 301, Section 232) oder neue Verhandlungen geführt. Das ist nicht «kein Verlass» — das ist harte Verhandlungspolitik innerhalb der bestehenden Spielräume.

Das heisst nicht, dass Trump verlässlich ist — aber es heisst, dass die Aussage «auf die USA ist kein Verlass» eine Pauschalisierung ist, die der Beitrag nicht belegt. Er behauptet sie — und der Leser soll sie glauben, weil sie in das Framing passt.

«Trump tut, was er will»: eine zweite Behauptung als Fakt

Rast schreibt: «Selbst bindende Verträge hindern Donald Trump nicht daran, zu tun, was er will.» Das ist die zweite zentrale Behauptung — und sie ist juristisch fragwürdig.

US-Präsidenten sind nicht allmächtig. Trump kann Verträge nicht beliebig brechen — er ist an das US-Recht, an den Kongress und an die Gerichte gebunden. Der Supreme Court hat Trump in mehreren Fällen zurückgebunden (siehe die Entscheide vom 29. Juni 2026, die SRF selbst berichtet hat). Trumps Zölle wurden vom Supreme Court teilweise für unzulässig erklärt. Trumps Einwanderungspolitik wurde gerichtlich limitiert. Trumps Entlassung von Fed-Gouverneurin Cook wurde gestoppt. Das sind alles Fälle, in denen Trump nicht tun konnte, was er wollte — weil die US-Verfassung ihn hinderte.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Welche rechtlichen Grenzen hat Trump bei Zollabkommen? Kann er ein abgeschlossenes Abkommen einseitig brechen? Oder braucht er dafür den Kongress? Die US-Verfassung gibt dem Kongress die Kompetenz über den Aussenhandel — Trump nutzt Delegationen (Section 301, Section 232), aber diese Delegationen haben rechtliche Grenzen. Der Supreme Court hat bereits Zölle auf dieser Grundlage gekippt. Das heisst: Trump kann nicht einfach «tun, was er will» — er muss sich an rechtliche Rahmenbedingungen halten, und diese Rahmenbedingungen sind stärker, als Rast suggeriert.

Der Beitrag thematisiert nichts von dem. Er behauptet Trumps Allmacht — und das ist nicht Analyse, das ist Karikatur.

Die Zwangsarbeit-Behauptung: erwähnt, aber nicht geprüft

Rast schreibt: «Die USA werden voraussichtlich neue Zölle auf einer neuen Grundlage erheben und diese voraussichtlich mit angeblich unfairen Handelspraktiken der Schweiz begründen — Stichwort: Zwangsarbeit.»

Das Wort «angeblich» markiert, dass Rast die Behauptung nicht teilt — aber er prüft sie auch nicht. Gibt es Zwangsarbeit in der Schweiz? Gibt es Schweizer Unternehmen, die mit Zwangsarbeit in Verbindung gebracht werden? Gibt es US-Behörden, die Schweizer Praktiken als unfair einstufen? Der Beitrag sagt nichts dazu.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was ist die faktische Grundlage für die US-Zwangsarbeit-Vorwürfe gegen die Schweiz? Geht es um spezifische Unternehmen? Geht es um Branchen? Geht es um eine allgemeine Klassifikation? Wenn es eine allgemeine Klassifikation ist — auf welcher Grundlage beruht sie? Das sind die Fragen, die die Behauptung prüfen würden — und sie fehlen.

Die Schweizer Wirtschaftsperspektive: erwähnt, aber nicht belegt

Rast schreibt: «Viele in der Wirtschaft sagen: Auch wenn die Unsicherheit dadurch nur graduell abgenommen hat, ist das bereits ein Gewinn.» Wer sind diese «vielen»? Welche Unternehmen? Welche Verbände? Welche Sektoren? Der Beitrag nennt keine einzige Quelle.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wie bewerten Schweizer Unternehmen die Zollsenkung konkret? Welche Sektoren profitieren? Welche Sektoren leiden noch? Wie gross ist das Volumen der Schweizer Exporte in die USA, das von den Zöllen betroffen ist? Wie vergleichen sich die aktuellen Zölle mit den Zöllen vor Trump? Das sind die Fragen, die die wirtschaftliche Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die Parmelin-Reise: erwähnt, aber nicht analysiert

Rast erwähnt, dass Parmelin in den USA war und keinen Durchbruch erzielt hat. Was hat Parmelin konkret besprochen? Wen hat er getroffen? Welche US-Gegenseitigkeit hat er erfahren? Welche Schweizer Gegenleistungen hat er angeboten? Der Beitrag sagt nichts dazu.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was war Parmelins Verhandlungsposition? Hat er Schweizer Gegenleistungen angeboten (z.B. Agrarzugeständnisse, Investitionsschutz, Militärkooperation)? Hat er US-Forderungen erhalten? Wenn ja, welche? Das sind die Fragen, die die Verhandlungsdimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die Alternativen: unsichtbar

Rast sagt, die Schweiz dürfe sich keine Illusionen machen — aber er fragt nicht, was die Alternative ist. Wenn die Schweiz kein Abkommen mit den USA schliesst — was passiert dann? Gibt es einen WTO-Rahmen, der die Schweizer Position schützt? Gibt es multilaterale Abkommen, die relevant sind? Gibt es eine EU-Vermittlung, die die Schweiz nutzen könnte?

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was passiert, wenn die Schweiz die Verhandlungen abbricht? Welche Konsequenzen hätte das für die Schweizer Wirtschaft? Welche Konsequenzen hätte es für die US-Schweizer-Beziehungen über die Zölle hinaus? Das sind die Fragen, die die strategische Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Der historische Vergleich: komplett absent

Rast behandelt die US-Zollpolitik als Trump-spezifisches Phänomen — aber US-Zölle sind nicht neu. Biden hat Trumps Zölle gegen China largely beibehalten. Obama hat Zölle gegen chinesische Reifen erhoben. Bush hat Stahlzölle erhoben. Reagan hat Zölle gegen japanische Autos erhoben. US-Präsidenten nutzen Zölle als Instrument der Handelspolitik — das ist kein Trump-Phänomen, das ist US-Tradition.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wie vergleichen sich Trumps Zölle gegen die Schweiz mit historischen US-Zöllen gegen Verbündete? Sind sie aussergewöhnlich oder normal? Wie haben andere Länder in der Vergangenheit reagiert? Das sind die Fragen, die die historische Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Was komplett fehlt

Keine Belege für die Behauptung «auf die USA ist kein Verlass». Keine juristische Analyse der Grenzen präsidentieller Macht bei Zollabkommen. Keine Prüfung der Zwangsarbeit-Vorwürfe. Keine Schweizer Wirtschaftsstimmen (nur «viele in der Wirtschaft»). Keine Analyse von Parmelins Verhandlungsposition. Keine Frage nach Schweizer Gegenleistungen. Keine Frage nach Alternativen zur Verhandlung. Kein historischer Vergleich mit US-Zollpolitik früherer Präsidenten. Keine Frage nach dem Volumen der betroffenen Schweizer Exporte. Keine Frage nach den Sektoren, die profitieren oder leiden. Keine US-Perspektive (Was will die US-Administration konkret? Welche US-Interessen stehen hinter den Zöllen?). Keine Frage nach der Rolle des Kongresses (Muss ein Abkommen vom Senat ratifiziert werden?). Keine Frage nach der Rolle der EU (Verhandelt die EU parallel? Gibt es Koordination?). Keine Frage nach dem Zeitplan (Wann läuft was aus? Wann müssen Verhandlungen abgeschlossen sein?).

Kurzurteil

Ein Beitrag, der klingt wie eine Analyse, aber keine ist. Die zentralen Behauptungen — «auf die USA ist kein Verlass», «Trump tut, was er will» — werden als Fakten präsentiert, ohne belegt zu werden. Die juristischen Grenzen präsidentieller Macht werden ignoriert. Die Zwangsarbeit-Vorwürfe werden erwähnt, aber nicht geprüft. Schweizer Wirtschaftsstimmen werden behauptet, aber nicht benannt. Parmelins Verhandlungsposition wird nicht analysiert. Alternativen werden nicht diskutiert. Der historische Vergleich mit US-Zollpolitik früherer Präsidenten fehlt. Die US-Perspektive fehlt vollständig. Die Rolle des Kongresses und der EU fehlt. Gemessen an Art. 93 BV ist das kein Falschbericht — aber es ist ein Stück, das eine politische These (Trump ist unzuverlässig) als Analyse verkleidet, ohne die These zu prüfen oder Gegenperspektiven zuzulassen. Wer den Beitrag hört, weiss, dass SRF Trump nicht traut. Wer wissen will, ob diese Skepsis juristisch, historisch und ökonomisch begründet ist, bekommt keine Antwort — weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Wirtschaftsanalyse, das ist Trump-Skepsis im Gewand der Wirtschaftsberichterstattung.

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