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Der Sommer, der als Wahlkampfmaschine dient
Medienkritik
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Der Sommer, der als Wahlkampfmaschine dient

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SRF fragt, ob der Hitzesommer 2026 die Wahlen 2027 beeinflusst — und rahmt die Hitze als politisches Asset der Grünen. Ein Politgeograf erklärt, wie das Klima den Parteien nützt oder schadet. Was nicht vorkommt: die Frage, ob Wähler tatsächlich nach Hitze anders wählen. Was nicht vorkommt: die Frage, ob der Sommer 2026 aussergewöhnlich ist. Was nicht vorkommt: die Kosten der geforderten Massnahmen. Was nicht vorkommt: die Wahlergebnisse von 2023, die die grüne Welle schon wieder wegspülten. Der Beitrag ist eine Wahlanalyse ohne Wahldaten.

Zum SRF-Beitrag «Welche Folgen hat der Hitzesommer für das Wahljahr 2027?», Tagesschau, 03.08.2026


Das Framing steht im ersten Satz: «Der Hitzesommer 2026 hinterlässt Spuren — und der Schweiz steht 2027 ein Wahljahr bevor.» Das ist die Kausalität: Sommer hinterlässt Spuren, Spuren beeinflussen Wahlen. Die Hitze ist nicht ein Wetterereignis, sondern ein politischer Faktor. SRF setzt voraus, was es beweisen sollte: dass Hitze Wähler bewegt. Die Frage, ob das stimmt, wird nicht gestellt.

Die grüne Welle, die schon wieder versiegte

SRF berichtet: 2019 ging ein Hitzesommer den Wahlen voraus, und die Grünen und die GLP erzielten historische Sitzgewinne. SRF nennt die Parallele — und verschweigt die Gegenparallele. 2023 verloren die Grünen und die GLP massiv. Die Grünen verloren 9 Sitze im Nationalrat, die GLP 1. Die grüne Welle, die 2019 kam, ging 2023 wieder. SRF erwähnt die Verluste in den Kantonsparlamenten — 23 Sitze seit 2023 —, aber sie nennt nicht die Nationalratswahlen von 2023, die die Wende markierten. Die Frage, ob ein Hitzesommer einen nachhaltigen Effekt hat oder einen kurzfristigen, der bei der nächsten Wahl verpufft, wird nicht gestellt.

Der Experte, der als neutral auftritt

SRF zitiert Michael Hermann, Politgeograf und Leiter von Sotomo. SRF nennt ihn nicht als das, was er ist: einen politischen Akteur. Hermann ist SP-Mitglied. Er kandidierte 2019 für den Nationalrat. Sotomo führt Umfragen durch, die von Medien, Parteien und Interessengruppen in Auftrag gegeben werden. Hermann hat ein institutionelles Interesse daran, dass Umfragen zitiert werden, dass seine Interpretationen gefragt sind, dass das Klima ein Thema bleibt. SRF präsentiert ihn als neutralen Experten, ohne seine politische Verortung zu benennen. Die Frage, ob ein SP-Mitglied die richtige Quelle ist, um den Nutzen der Grünen bei Wahlen zu analysieren, wird nicht gestellt.

Die Hitze, die niemand einordnet

SRF berichtet über «Rekordtemperaturen» und «Pegeltiefststände». SRF fragt nicht: Rekorde wo? Seit wann? Um wie viel? SRF fragt nicht, ob der Sommer 2026 aussergewöhnlich ist im Vergleich zu 2003, 2015, 2018. SRF fragt nicht, ob Hitzesommer ein Muster sind oder ein Zufall. Die Hitze wird als Fakt präsentiert, der politisch wirksam ist — ohne dass jemand prüft, ob der Fakt stimmt oder ob die Wirkung stimmt.

Die Wähler, die als Marionetten gerahmt werden

Hermann sagt: «Es würde mich erstaunen, wenn es nicht einen Effekt hätte.» Das ist eine Vermutung — und SRF übernimmt sie als Prognose. Die Logik lautet: Hitze → Menschen beschäftigen sich mit Klima → sie wählen grün. Das ist eine Verkürzung, die den Wähler als Reaktionsmaschine gerahmt. Die Frage, ob Wähler nach einem heissen Sommer tatsächlich anders wählen — oder ob sie AHV, Migration, Wirtschaft, Sicherheit, Steuern wichtiger finden —, wird nicht gestellt. SRF fragt nicht, ob es Studien gibt, die den Zusammenhang zwischen Wetter und Wahlverhalten belegen. SRF fragt nicht, ob der Effekt 2019 durch die Hitze oder durch die Fridays-for-Future-Bewegung entstand, die damals ihren Höhepunkt hatte. Die Hitze wird zum alleinigen Erklärungsfaktor.

Die SVP, die als Getriebene gerahmt wird

Hermann sagt: Die SVP wolle nicht über das Klima sprechen, weil es ihr nicht nützt. SRF zitiert SVP-Präsident Marcel Dettling: «Wir müssen jetzt Geld investieren, um besser mit der Hitze leben zu können.» Das ist ein Zitat, das die SVP als anpassungsbereit zeigt — aber SRF rahmt es als Ausnahme. Hermann sagt: Die SVP spreche lieber über Themen, mit denen sie Wahlen gewinnt. Das ist eine Deutung, die die SVP als zynisch markiert: Sie weiss, dass das Klima wichtig ist, aber sie ignoriert es aus Opportunismus. Die Frage, ob die SVP das Klima nicht thematisiert, weil sie es für weniger wichtig hält als andere Themen — oder weil sie die Massnahmen für falsch hält —, wird nicht gestellt. Die SVP wird als Getriebene gerahmt, die ihr eigenes Interesse kennt und das Thema vermeidet. Die Frage, ob die SVP recht hat, wird nicht gestellt.

Die Massnahmen, die niemand bezahlt

SRF zitiert vier Politiker: Samira Marti (SP) fordert bauliche Massnahmen und Klimaanlagen. Lisa Mazzone (Grüne) fordert Begrünungsoffensiven und Gebäudesanierungen. Patrick Hässig (GLP) fordert smarte Kühlung. Marcel Dettling (SVP) fordert Investitionen. Vier Politiker, vier Forderungen nach mehr Geld. Was SRF nicht fragt: Wie viel? Wer zahlt? Welche Massnahmen kosten wie viel? Welche bringen wie viel? Die Frage, ob Klimaanlagen in Altersheimen mehr Leben retten als CO₂-Abgaben, wird nicht gestellt. Die Frage, ob die geforderten Investitionen im Rahmen des Sparpakets des Bundes realisierbar sind, wird nicht gestellt. Die Massnahmen sind kostenlos in diesem Beitrag — weil niemand nach den Kosten fragt.

Die Themenkonjunktur, die als Naturgesetz steht

SRF schliesst mit dem Satz: «Welche Parteien an Wählerstärke zulegen können, wird auch 2027 von der Themenkonjunktur abhängen.» «Themenkonjunktur» ist ein Begriff, der suggeriert, dass Themen wie Konjunkturzyklen kommen und gehen — naturgesetzlich, nicht gesteuert. SRF fragt nicht, wer die Themenkonjunktur macht. Medien machen Themenkonjunktur. SRF macht Themenkonjunktur — mit diesem Beitrag. Wenn SRF den Hitzesommer als Wahlkampfthema rahmt, dann erzeugt SRF die Themenkonjunktur, die es beschreibt. Die Frage, ob Medien durch die Themensetzung Wahlergebnisse beeinflussen, wird nicht gestellt.


So funktioniert dieser Beitrag: Er rahmt einen heissen Sommer als Wahlkampffaktor und nutzt einen SP-affinen Experten als neutralen Analyst. Die Wahlniederlage der Grünen 2023 fehlt. Die Hitze wird nicht eingeordnet. Die Wähler werden als Reaktionsmaschinen gerahmt. Die SVP wird als zynisch markiert. Die Kosten der Massnahmen fehlen. Die Rolle der Medien bei der Themenkonjunktur wird nicht reflektiert. Wer den Beitrag liest, weiss, dass 2019 die Grünen nach einem heissen Sommer gewannen und dass 2027 vielleicht wieder passiert. Wer wissen will, ob der Effekt nachhaltig ist, ob die Hitze aussergewöhnlich ist, ob der Experte neutral ist, was die Massnahmen kosten und wer die Themenkonjunktur steuert, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Wahlanalyse, das ist eine Prognose mit Wunschcharakter.

Originalbeitrag auf X →

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