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Der russische Erfolg, der das eigene SRF Versagen verdeckt
Medienkritik
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Der russische Erfolg, der das eigene SRF Versagen verdeckt

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SRF interviewt einen Experten für russische Desinformation und rahmt diese als allmächtigen, erfolgreichen Angriff auf den Westen. Moskaus Propagandamaschine spalte Gesellschaften, befördere Populismus und beeinflusse Wahlergebnisse. Was nicht vorkommt: die Frage, warum westliche Bürger für diese Propaganda empfänglich sind. Was nicht vorkommt: die Fehlleistungen westlicher Medien und Regierungen, die der Experte selbst als Auslöser nennt. Was nicht vorkommt: der Verlust von Vertrauen in westliche Institutionen als eigenständiges Problem. Der Beitrag ist eine Warnung vor fremder Manipulation, die die eigene Verantwortung ausblendet.

Zum SRF-Beitrag «Russische Desinformation – ein erfolgreiches Rezept», Rendez-vous, 02.08.2026


Das Framing steht im Titel: «Russische Desinformation – ein erfolgreiches Rezept.» «Erfolgreich» ist das Wort, das die Prämisse setzt. Die russische Propaganda wirkt. Sie spaltet, sie radikalisiert, sie verändert Wahlergebnisse. Der Westen ist das Opfer, Moskau der Akteur. Ilya Yablokov, der Experte, liefert die Diagnose: Europa sei ein «weiches, lohnendes Ziel». SRF übernimmt diese Diagnose, ohne die Symptome zu prüfen. Wenn Populismus wächst, wenn Bürger sich abwenden, dann weil Russland es so will. Das Framing externalisiert eine Krise, die eine innere ist.

Die Fehlleistungen, die erwähnt und fallengelassen werden

SRF zitiert Yablokov: «Auslöser sind oft echte Konflikte und tatsächliche Fehlleistungen von Medien oder Regierungen im Westen.» Das ist die verräterische Stelle des Beitrags. Der Experte nennt die Ursache für die Empfänglichkeit für Desinformation: reales Versagen im Westen. SRF nennt den Satz und geht sofort weiter zu den Methoden der Trollfabriken. Die Frage, welche Fehlleistungen gemeint sind, wird nicht gestellt.

SRF berichtet, Russland nutze «wunde Punkte» in westlichen Gesellschaften. Dass diese wunden Punkte durch Inflation, Migrationskrisen, Energiepolitik oder Corona-Massnahmen entstanden, bleibt unerwähnt. SRF fragt nicht, ob der Aufstieg populistischer Kräfte ein Resultat russischer Trolle ist oder eine Reaktion auf westliche Politik. Der Beitrag externalisiert das politische Versagen der westlichen Eliten zum Erfolg der russischen Propaganda. Die Frage, ob der Westen seine Gesellschaften selbst spaltet, indem es reale Probleme ignoriert, wird nicht gestellt.

Die Faktenchecker, die niemandem mehr trauen

Yablokov fragt: «Wer traut den Faktencheckern?» SRF lässt die Frage stehen und fragt nicht weiter. Das Vertrauen in Medien und Faktenchecker ist in den letzten Jahren massiv gesunken. SRF erwähnt, dass der Kreml eigene Faktenchecks verbreite. Dass westliche Medien und Faktenchecker selbst an Glaubwürdigkeit verloren haben, etwa durch einseitige Berichterstattung, zensierte Debatten oder fehlerhafte Narrative, bleibt unerwähnt. Die Frage, ob die Abkehr von traditionellen Medien ein russisches Werk oder eine Konsequenz journalistischen Versagens ist, wird nicht gestellt. SRF referiert die Krise der Vertrauens als Angriff von aussen, nicht als Erosion von innen.

Der Trump-Effekt, der als Kapitulation gerahmt wird

SRF schreibt: «Die USA haben sich unter Trump gar abgemeldet von Bestrebungen, russische, aber auch chinesische Falschinformationen aufzudecken und anzuprangern.» Das ist eine politische Aussage. Trump wird als derjenige gerahmt, der die Verteidigung gegen Desinformation einstellt. SRF fragt nicht, warum. Hat Trump die Abmeldung als Schutz vor staatlicher Zensur oder als Abwehr von Einmischung in US-Wahlen gerahmt? Gab es eine Debatte über die Gefahr, dass Regierungen «Wahrheit» definieren? SRF referiert die Abmeldung als Fakt und als Defizit, ohne die Gegenperspektive zu erwähnen. Die Frage, ob staatlich geförderte Faktenchecks in Demokratien legitim sind, wird nicht gestellt.

Die Quellen, die nur eine Seite vertreten

SRF zitiert eine Quelle: Ilya Yablokov. Er ist Experte für russische Desinformation. Er hat ein Buch geschrieben, das «Worte, die töten» heisst. Seine Perspektive ist: Russland ist die Gefahr, der Westen ist weich. Das ist legitim. Aber wo bleibt der Gegenpol? Wo bleibt der Medienwissenschaftler, der sagt, dass der Einfluss von Trollfabriken auf Wahlergebnisse massiv überschätzt wird? Wo bleibt der Politologe, der den Aufstieg der AfD oder von Reform UK mit inneren Fehlleistungen erklärt, nicht mit russischen Trollen? SRF lässt einen Experten sprechen, dessen These die Schuld externalisiert, und fragt nicht nach der inneren Verantwortung.

Die Anerkennung des Gelungenen

Der Beitrag benennt korrekt die Mechanismen moderner Propaganda: Künstliche Intelligenz, Trollfabriken, die Ausnutzung bestehender Risse in der Gesellschaft. Yablokov ist ein kompetenter Analyst der russischen Seite. Das verdient Anerkennung. Aber genau deshalb ist die Auslassung so auffällig: Eine Analyse, die den Erfolg der russischen Propaganda erklärt, ohne den Nährboden im Westen zu untersuchen, ist unvollständig. Wenn die Propaganda nur deshalb erfolgreich ist, weil sie auf «echte Konflikte und Fehlleistungen» trifft, dann ist die Bekämpfung der Propaganda zweitrangig gegenüber der Lösung der Konflikte.


So funktioniert dieser Beitrag: Er warnt vor einer fremden Macht, die westliche Gesellschaften spaltet, und blendet aus, dass die Risse im Westen selbst gerissen wurden. Die Fehlleistungen von Medien und Regierungen werden erwähnt und fallengelassen. Der Vertrauensverlust in Faktenchecker wird als russischer Angriff gerahmt, nicht als journalistisches Versagen. Trumps Abmeldung von Anti-Desinformations-Kampagnen wird als Kapitulation präsentiert, ohne die Debatte über staatliche Wahrheitsdefinition zu erwähnen. Wer den Beitrag hört, weiss, dass Russland Desinformation verbreitet und dass dies erfolgreich ist. Wer wissen will, warum die Bürger empfänglich dafür sind, welche westlichen Fehlleistungen die Risse erzeugten, warum Faktenchecker Vertrauen verloren und ob der Aufstieg des Populismus ein russisches Werk oder eine westliche Konsequenz ist, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Analyse hybrider Kriegsführung, das ist die Externalisierung einer inneren Krise.

Originalbeitrag auf X →

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