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Der minderwertige Artikel über minderwertige Artikel
Medienkritik
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Der minderwertige Artikel über minderwertige Artikel

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Dieser SRF-Beitrag über den neuen EU-Päcklizoll ist ein Lehrstück in Protektionismus-Stenografie: Die EU erhebt einen Zoll von 3 Euro pro Artikelkategorie auf Pakete unter 150 Euro — und SRF berichtet das als selbstverständliche Massnahme gegen eine «Paketflut» mit «qualitativ minderwertigen Artikeln». Die zentralen Fragen werden nicht gestellt: Ist das legal (WTO?), wem nützt es (EU-Händlern?), wem schadet es (Konsumenten?), und was bedeutet es für Schweizer Exporteure (wie viele, wie viel, welche Produkte?). Und: Dieselbe EU, die Trumps Zölle als Schutzmassnahme bekämpft und als Bedrohung des Freihandels brandmarkt, erhebt nun selbst Zölle — und SRF erwähnt diesen Widerspruch mit keinem Wort. Der Beitrag liest sich wie ein Communiqué der EU-Kommission — ohne Prüfung, ohne Gegenperspektive, ohne wirtschaftliche Analyse.

Zum SRF-Beitrag «Vom neuen EU-Päcklizoll sind auch Schweizer Exporteure betroffen», SRF 3 Wirtschaft, 01.07.2026


Was der Beitrag gut macht

Die Fakten sind dokumentiert: Die EU erhebt ab sofort 3 Euro Zoll pro Artikelkategorie in Paketen mit einem Gesamtwert unter 150 Euro. Sind in einem Paket drei Kabel und ein T-Shirt, werden 6 Euro fällig. Der Zoll gilt auch für Pakete aus der Schweiz. Schweizer Shops können die Gebühr übernehmen oder auf EU-Kunden überwälzen. Bestellungen aus der EU in die Schweiz sind nicht betroffen. 5,9 Milliarden Sendungen unter 150 Euro kamen 2025 in die EU — 16 Millionen pro Tag, über 90 Prozent aus China. Die Massnahme gilt vorerst für zwei Jahre, bis eine neue digitale Plattform startet. Das ist die Grundlage — und SRF nennt sie sauber.

Die «Paketflut»: ein Framing, das Protektionismus normalisiert

Der Beitrag spricht von einer «Paketflut» — und das ist ein Framing. «Flut» ist eine Naturkatastrophe, etwas Bedrohliches, etwas, das eingedämmt werden muss. Das ist die Sprache der EU-Kommission — und SRF übernimmt sie ungeprüft.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Ist es eine «Flut» — oder ist es Handel? 5,9 Milliarden Pakete klingen nach einer enormen Zahl — aber die EU hat 450 Millionen Einwohner. Das sind 13 Pakete pro Einwohner pro Jahr — oder eins pro Einwohner pro Monat. Ist das eine «Flut»? Oder ist das der normale Handel in einer globalisierten Wirtschaft, in der Konsumenten günstig einkaufen können? Das sind die Fragen, die das Framing prüfen würden — und sie fehlen.

Die «qualitativ minderwertigen Artikel»: ein Werturteil als Fakt

Der Beitrag sagt: «Um die Paketflut mit oft qualitativ minderwertigen Artikeln von Temu & Co. einzudämmen.» Das ist ein Werturteil — nicht ein Fakt. Wer bestimmt, was «minderwertig» ist? Die EU? SRF? Der Konsument?

Die Frage, die nicht gestellt wird: Sind die Artikel tatsächlich «minderwertig»? Wer hat das geprüft? Gibt es Qualitätsstudien? Gibt es Vergleichstests? Oder ist «minderwertig» einfach ein Synonym für «billig» — und seit wann ist billig automatisch schlecht? Ein Ladekabel für 2 Franken, das funktioniert, ist nicht «minderwertig» — es ist günstig. Ein T-Shirt für 5 Franken, das nach zehn Waschgängen kaputt geht, ist vielleicht minderwertig — aber das weiss der Konsument, und er kauft es trotzdem. Warum? Weil er es sich leisten kann. Weil er es will. Das sind die Fragen, die das Werturteil prüfen würden — und sie fehlen.

Die EU-Kritik an Trumps Zöllen: die Hypokrisie, die niemand erwähnt

Die EU hat in den vergangenen Monaten Trumps Zollpolitik scharf kritisiert. Trumps Zölle auf Stahl, Aluminium und EU-Produkte wurden als «Protektionismus», als «Bedrohung des Freihandels», als «Angriff auf die internationale Handelsordnung» bezeichnet. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sprach von «ungerechtfertigten Zöllen». Der EU-Binnenmarkt müsse verteidigt werden — gegen Trumps Protektionismus.

Und jetzt erhebt die EU selbst Zölle — 3 Euro pro Artikelkategorie auf Pakete unter 150 Euro. Das ist ein Zoll. Das ist Protektionismus. Das ist genau das, was die EU Trump vorwirft.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Warum kritisiert die EU Trumps Zölle als Protektionismus — und erhebt gleichzeitig selbst Zölle? Wo ist der Unterschied? Trumps Zölle schützen US-Industrie — EU-Zölle schützen EU-Händler. Trumps Zölle treffen EU-Exporteure — EU-Zölle treffen chinesische Exporteure und Schweizer Exporteure. Das Prinzip ist dasselbe: Staatliche Eingriffe in den Handel, um die heimische Wirtschaft zu schützen. Warum nennt die EU das bei Trump «Protektionismus» — und bei sich selbst «Eindämmung der Paketflut»? Das ist die zentrale Frage der politischen Dimension — und SRF stellt sie nicht.

Die zweite Gebühr, die niemand erwähnt: 3 Euro sind nur die halbe Wahrheit

Der Beitrag sagt: 3 Euro pro Artikelkategorie. Das klingt nach einer überschaubaren Belastung — aber es ist nur die halbe Wahrheit. Die EU plant eine zusätzliche, EU-weite Handhabungsgebühr, die voraussichtlich bei 2 Euro pro Paket liegt und ab November 2026 gelten soll. Das heisst: Die tatsächlichen Kosten pro Paket könnten 5 Euro betragen — nicht 3. Bei einem Paket mit drei Kabeln und einem T-Shirt (zwei Kategorien) wären das 6 Euro Zoll plus 2 Euro Handhabungsgebühr = 8 Euro. Bei einem Warenwert von 20 Euro sind das 40 Prozent — nicht 30.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was kostet der neue Zoll tatsächlich? Gibt es weitere Gebühren, die SRF nicht erwähnt? Wie hoch ist die Gesamtbelastung für den Konsumenten — und wie viel davon ist Zoll, wie viel ist Handhabungsgebühr? Das sind die Fragen, die die wahre Kostendimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Der Konsument: komplett absent

Der Beitrag erwähnt den Konsumenten mit keinem Wort — ausser als Opfer, das die Zollgebühr übernehmen darf. Aber der Konsument ist der Hauptakteur dieser Geschichte. Er bestellt bei Temu, weil es günstig ist. Er bestellt bei Shein, weil die Mode aktuell ist. Er bestellt bei AliExpress, weil die Auswahl gross ist. Warum tut er das? Weil die EU-Händler teurer sind? Weil die EU-Händler weniger Auswahl haben? Weil die EU-Händler langsamer liefern?

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was bedeutet der neue Zoll für den Konsumenten? Ein Paket mit drei Kabeln und einem T-Shirt kostet jetzt 6 Euro Zoll plus 2 Euro Handhabungsgebühr — 8 Euro mehr bei einem Gesamtwert von vielleicht 20 Euro. Das ist eine Preissteigerung von 40 Prozent. Ist das akzeptabel? Werden die Konsumenten weniger bestellen? Oder werden sie einfach mehr bezahlen? Und: Haben die Konsumenten eine Alternative — oder sind EU-Händler so teuer, dass Temu selbst mit Zoll noch günstiger ist? Das sind die Fragen, die die Konsumentenperspektive beleuchten würden — und sie fehlen.

Die Schweizer Exporteure: erwähnt, aber nicht quantifiziert

Der Beitrag sagt: «Auch Schweizer Exporteure betroffen.» Das ist korrekt — aber es bleibt vage. Wie viele Schweizer Exporteure sind betroffen? Wie viele Pakete gehen jährlich aus der Schweiz in die EU mit einem Wert unter 150 Euro? Welche Produkte sind das? Uhren? Schokolade? Kosmetik? Software? Handgemachte Produkte?

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wie gross ist das Problem für Schweizer Exporteure? Geht es um 100 Pakete pro Jahr — oder um 10 Millionen? Geht es um Grossunternehmen — oder um Kleinbetriebe, die auf EU-Kunden angewiesen sind? Wie viel Umsatz steht auf dem Spiel? Das sind die Fragen, die die Schweizer Dimension quantifizieren würden — und sie fehlen.

Die Schweizer Post: erwähnt, aber nicht hinterfragt

Der Beitrag sagt: «Wer in der Schweiz also einen Onlineshop betreibt, dessen Versand in die EU für den neuen Zoll infrage kommt, kann sich bei der Post über das Vorgehen informieren.» Das ist eine Information — aber es ist keine Analyse.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wie reagiert die Schweizer Post auf den neuen Zoll? Hat sie eine Stellungnahme abgegeben? Wie hoch sind die administrativen Kosten für die Post? Wie wird der Zoll technisch abgewickelt? Wer erfasst die Artikelkategorien? Wer erhebt die Gebühr? Wer überweist sie an die EU? Das sind die Fragen, die die administrative Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Der Schweizer Staat: komplett absent

Der Beitrag erwähnt mit keinem Wort, wie der Schweizer Staat auf den neuen Zoll reagiert. Hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) eine Stellungnahme abgegeben? Hat der Bundesrat den neuen Zoll kritisiert? Gibt es Verhandlungen mit der EU? Gibt es eine Beschwerde bei der WTO? Das sind die Fragen, die die staatliche Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die WTO-Konformität: komplett absent

Die EU erhebt einen Zoll auf Pakete unter 150 Euro — Pakete, die bisher zollbefreit waren. Ist das WTO-konform? Die WTO hat Regeln für Zölle — und eine pauschale Gebühr von 3 Euro pro Artikelkategorie könnte gegen das Meistbegünstigungsprinzip verstossen, wenn sie unterschiedlich angewendet wird. Sie könnte auch gegen das Verbot quantitativer Beschränkungen verstossen, wenn sie faktisch einen Importstopp bewirkt.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Ist der neue Zoll WTO-konform? Gibt es rechtliche Bedenken? Hat ein WTO-Mitglied (z.B. China) bereits Beschwerde eingelegt? Das sind die Fragen, die die juristische Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die EU-Händler: die eigentlichen Profiteure — nicht erwähnt

Wer profitiert vom neuen Zoll? Die EU-Händler. Wenn Temu, Shein und AliExpress teurer werden, dann werden EU-Händler konkurrenzfähiger — ohne selbst etwas tun zu müssen. Das ist Protektionismus — und SRF erwähnt es mit keinem Wort.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wer profitiert vom neuen Zoll? Welche EU-Händler? Wie viel werden sie verdienen? Haben sie lobbyiert? Gibt es Verbindungen zwischen der EU-Kommission und EU-Händlerverbänden? Das sind die Fragen, die die wirtschaftliche Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die Umwelt: komplett absent

5,9 Milliarden Pakete aus China — das ist eine enorme Umweltbelastung. Schiffe und Flugzeuge transportieren Waren um die halbe Welt, die einzeln verpackt, einzeln versendet und einzeln zugestellt werden. Der neue Zoll könnte das reduzieren — aber SRF erwähnt die Umwelt mit keinem Wort.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wie gross ist die Umweltbelastung der Paketflut? Wird sie durch den Zoll reduziert? Oder werden die Konsumenten einfach mehr bezahlen und genauso viele Pakete bestellen? Das sind die Fragen, die die ökologische Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die Arbeitsbedingungen: ein Argument, das niemand prüft — und das nichts ändert

Die Billigprodukte aus China haben einen Preis — nicht nur für den Konsumenten, sondern auch für die Arbeiter, die sie herstellen. Niedrige Löhne, lange Arbeitszeiten, schlechte Bedingungen. Das ist ein Argument, das gelegentlich zur Rechtfertigung von Zöllen vorgebracht wird: Der Zoll erhöhe den Druck auf China, die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Aber das ist eine Illusion. Der Zoll von 3 Euro pro Artikelkategorie fliesst in den EU-Haushalt — nicht in einen Fonds zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in China. Er belastet den Konsumenten — nicht den Produzenten. Die chinesischen Fabriken bekommen denselben Preis für ihr Produkt — nur der EU-Konsument zahlt mehr. Nichts ändert sich in den Fabriken. Nichts ändert sich in den Arbeitsbedingungen. Der Zoll ist eine Abgabe, die der EU-Konsument an die EU-Kasse entrichtet — und die als Nebeneffekt die EU-Händler vor Konkurrenz schützt. Das ist alles.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Verbessert der Zoll die Arbeitsbedingungen in China? Gibt es einen Mechanismus, der das sicherstellt? Oder ist das Argument ein reines Alibi — eine moralische Rechtfertigung für eine fiskalische Massnahme? Das sind die Fragen, die die soziale Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die Sicherheit: eine Behauptung, die niemand prüft — und die nichts bewirkt

Die EU begründet den Zoll auch mit Sicherheitsbedenken: minderwertige Produkte, die nicht den EU-Standards entsprechen, könnten gefährlich sein. Das klingt plausibel — aber es ist eine Behauptung, die nicht geprüft wird.

Erstens: Ein Zoll von 3 Euro prüft keine Sicherheit. Er ist eine Gebühr, keine Qualitätskontrolle. Ein gefährliches Spielzeug aus China wird nicht dadurch sicherer, dass 3 Euro Zoll darauf erhoben werden. Es wird nur teurer. Wenn die EU tatsächlich Sicherheit will, müsste sie die Produkte prüfen — nicht besteuern.

Zweitens: Die EU hat bereits Sicherheitsvorschriften. Produkte, die nicht den CE-Normen entsprechen, dürfen nicht in die EU importiert werden — mit oder ohne Zoll. Wenn die EU diese Vorschriften nicht durchsetzt, ist das ein Vollzugsproblem — kein Zollproblem. Ein Zoll löst kein Vollzugsproblem.

Drittens: Der Zoll gilt für alle Pakete unter 150 Euro — auch für solche, die den EU-Standards entsprechen. Ein sicheres Ladekabel aus China wird genauso besteuert wie ein unsicheres. Der Zoll unterscheidet nicht zwischen sicher und unsicher — er unterscheidet nur zwischen billig und teuer. Das ist keine Sicherheitsmassnahme — das ist eine Abgabemassnahme.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Macht der Zoll die Konsumenten sicherer? Gibt es einen Mechanismus, der gefährliche Produkte ausfiltert? Oder ist die Sicherheitsargumentation ein Alibi für eine fiskalische Massnahme? Das sind die Fragen, die die Sicherheitsdimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die «digitale Plattform»: erwähnt, aber nicht erklärt

Der Beitrag sagt: «Die neue Zollpauschale gilt vorerst für zwei Jahre. Sie soll die Zeit überbrücken, bis eine neue digitale Plattform zur Abwicklung und Kontrolle an den Start geht.» Was ist das für eine Plattform? Wer baut sie? Wie funktioniert sie? Was kostet sie? Wird sie funktionieren — oder wird sie wie viele EU-IT-Projekte verspätet und über Budget?

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was ist die «neue digitale Plattform»? Wer entwickelt sie? Wann ist sie fertig? Wie viel kostet sie? Wird sie die Zollabwicklung vereinfachen — oder komplizierter machen? Das sind die Fragen, die die technologische Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die Zollerträge: komplett absent

5,9 Milliarden Pakete × 3 Euro (mindestens eine Kategorie pro Paket) = mindestens 17,7 Milliarden Euro pro Jahr — plus die zusätzliche Handhabungsgebühr von 2 Euro pro Paket = weitere 11,8 Milliarden Euro. Das sind zusammen fast 30 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist eine erhebliche Summe. Wo fliessen diese Gelder? In den EU-Haushalt? In die Mitgliedstaaten? Wie werden sie verwendet?

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wie viel wird der Zoll einbringen — inklusive der Handhabungsgebühr? Wohin fliessen die Einnahmen? Werden sie für Konsumentenschutz verwendet — oder in den allgemeinen Haushalt? Das sind die Fragen, die die fiskalische Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die Umgehung: die EU weiss es — SRF erwähnt es nicht

Ein Zoll von 3 Euro pro Artikelkategorie — das ist eine Einladung zur Umgehung. Wenn ein Paket mit drei Kabeln 9 Euro Zoll kostet, aber drei Pakete mit je einem Kabel nur 3 Euro (wenn der Wert unter 150 Euro bleibt) — dann lohnt es sich, die Bestellung aufzuteilen. Das würde die Paketflut nicht reduzieren, sondern vergrössern.

Und die EU weiss das. Die EU-Kommission muss ab Oktober 2026 ein monatliches Monitoring durchführen, um zu prüfen, ob Handelsverlagerungen auftreten — also ob Importe über andere Wege, andere Länder oder andere Kanäle umgeleitet werden. Das heisst: Die EU selbst rechnet mit Umgehung. Die EU selbst weiss, dass der Zoll Umgehungsstrategien auslösen wird. Aber SRF erwähnt das Monitoring mit keinem Wort.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wird der Zoll umgangen? Wie? Werden die Konsumenten Bestellungen aufteilen? Werden die Händler Pakete anders zusammenstellen? Wird die Paketflut tatsächlich reduziert — oder nur vergrössert? Und: Wenn die EU selbst ein Monitoring plant — wie ernst nimmt sie dann die Wirksamkeit der eigenen Massnahme? Das sind die Fragen, die die Verhaltensdimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die Inflation: komplett absent

Ein Zoll von 3 Euro pro Artikelkategorie plus 2 Euro Handhabungsgebühr auf Pakete unter 150 Euro — das ist eine Preissteigerung. Bei einem Paket mit 20 Euro Warenwert und 8 Euro Gesamtabgaben sind das 40 Prozent. Das ist inflationär — besonders für Konsumenten mit niedrigem Einkommen, die auf Billigprodukte angewiesen sind.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wie wirkt sich der Zoll auf die Inflation aus? Werden die Konsumenten mehr bezahlen — oder weniger konsumieren? Trifft es besonders Konsumenten mit niedrigem Einkommen? Das sind die Fragen, die die makroökonomische Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Die rechtliche Unklarheit: Spannung zwischen Verordnungstext und Auslegung

Es gibt eine dokumentierte Spannung zwischen dem rechtsverbindlichen Text der EU-Verordnung und der breiteren administrativen Auslegung durch die Kommission. Der Verordnungstext legt den formalen Rahmen fest — aber die administrative Praxis der Kommission könnte den Anwendungsbereich ausweiten, über das hinaus, was die Verordnung formell vorsieht. Das heisst: Die tatsächliche Anwendung des Zolls könnte umfangreicher, komplexer und belastender sein, als der gesetzliche Text suggeriert.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was sagt der Verordnungstext genau — und wie interpretiert die Kommission ihn? Gibt es eine Lücke zwischen Recht und Praxis? Könnte der Zoll in der Anwendung ausgeweitet werden — und wer kontrolliert das? Das sind die Fragen, die die rechtsstaatliche Dimension beleuchten würden — und sie fehlen.

Was komplett fehlt

Keine Frage nach dem Konsumenten (Was bedeutet der Zoll für ihn?). Keine Frage nach der WTO-Konformität. Keine Frage nach den EU-Händlern als Profiteuren (Protektionismus?). Keine Frage nach dem Schweizer Staat (SECO, Bundesrat, Verhandlungen?). Keine Frage nach der Schweizer Post (administrative Kosten, technische Abwicklung?). Keine Quantifizierung der Schweizer Exporteure (Wie viele? Wie viel Umsatz? Welche Produkte?). Keine Frage nach den Zollerträgen (Wie viel? Wohin?). Keine Erwähnung der zusätzlichen Handhabungsgebühr von 2 Euro (Die tatsächlichen Kosten sind 5 Euro, nicht 3). Keine Frage nach der Umgehung (Bestellungen aufteilen? EU-Monitoring ab Oktober 2026?). Keine Frage nach der Inflation (Preissteigerung für Konsumenten?). Keine Frage nach der Umwelt (Paketflut als ökologisches Problem?). Keine Prüfung der Arbeitsbedingungsargumentation (Verbessert der Zoll die Bedingungen? Nein — er fliesst in den EU-Haushalt.). Keine Prüfung der Sicherheitsargumentation (Macht der Zoll sicherer? Nein — er besteuert, er prüft nicht.). Keine Frage nach der «digitalen Plattform» (Was ist das? Wann kommt sie?). Keine Frage nach der rechtlichen Unklarheit (Spannung zwischen Verordnungstext und Kommissionsauslegung?). Keine Frage nach dem Lobbyismus (Wer hat den Zoll gefordert?). Keine Frage nach der Wirksamkeit (Wird die Paketflut reduziert?). Keine Frage nach dem Präzedenzfall (Wer folgt als Nächstes?). Keine Frage nach dem internationalen Vergleich (Wie gehen andere Länder mit Billigimporten um?). Keine Gegenperspektive (Gibt es Kritiker des Zolls?). Keine Frage nach der historischen Dimension (Zölle als Instrument des Protektionismus). Keine Frage nach der politischen Dimension (EU-Kommission vs. Mitgliedstaaten). Keine Frage nach der wirtschaftspolitischen Dimension (Freihandel vs. Protektionismus). Keine Frage nach der Hypokrisie (EU kritisiert Trumps Zölle — und erhebt selbst Zölle).

Kurzurteil

Ein Beitrag, der eine protektionistische Massnahme der EU als selbstverständliche Eindämmung einer «Paketflut» mit «minderwertigen Artikeln» berichtet — ohne eine einzige kritische Frage zu stellen. Das Framing übernimmt die Sprache der EU-Kommission («Flut», «minderwertig»). Der Konsument fehlt vollständig — obwohl er der Hauptbetroffene ist. Die Schweizer Exporteure werden erwähnt, aber nicht quantifiziert. Der Schweizer Staat fehlt. Die WTO-Konformität fehlt. Die EU-Händler als Profiteure fehlen. Die Umwelt fehlt. Die Arbeitsbedingungsargumentation wird nicht geprüft — der Zoll fliesst in den EU-Haushalt, nicht in die Verbesserung der Bedingungen. Die Sicherheitsargumentation wird nicht geprüft — der Zoll besteuert, er prüft nicht. Die Zollerträge fehlen — inklusive der verschwiegenen Handhabungsgebühr, die die tatsächlichen Kosten von 3 auf 5 Euro pro Paket erhöht. Die Umgehung fehlt — obwohl die EU selbst ein monatliches Monitoring ab Oktober 2026 plant, weil sie Handelsverlagerungen erwartet. Die Inflation fehlt. Die «digitale Plattform» wird erwähnt, aber nicht erklärt. Die rechtliche Unklarheit — die Spannung zwischen Verordnungstext und Kommissionsauslegung — fehlt. Die Gegenperspektive fehlt. Und: Die Hypokrisie der EU, die Trumps Zölle als Protektionismus kritisiert und selbst Zölle erhebt, wird mit keinem Wort erwähnt. Gemessen an journalistischen Standards ist das kein Falschbericht — aber es ist ein Stück, das eine EU-Massnahme 1:1 übernimmt, ohne sie wirtschaftlich, juristisch oder politisch zu prüfen. Wer den Beitrag liest, weiss, dass die EU einen Zoll erhebt und dass auch Schweizer Exporteure betroffen sind. Wer wissen will, ob der Zoll WTO-konform ist, wem er nützt, wem er schadet, wie viel er tatsächlich kostet (5 Euro, nicht 3), wie viel er einbringt, ob er umgangen wird (die EU selbst rechnet damit), ob er die Arbeitsbedingungen verbessert (nein), ob er die Sicherheit erhöht (nein), ob die rechtliche Auslegung über den Verordnungstext hinausgeht (ja), ob er die Paketflut tatsächlich reduziert und warum die EU Trumps Zölle kritisiert, aber selbst Zölle erhebt, bekommt keine Antwort — weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Wirtschaftsberichterstattung, das ist EU-Communiqué-Stenografie mit SRF-Siegel.

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