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Der Brandstifter, der als Schriftsteller gewaschen wird
Medienkritik
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Der Brandstifter, der als Schriftsteller gewaschen wird

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SRF porträtiert Daniel de Roulet — und rahmt ihn als literarische Rebellen. «Immer noch wütend», lautet der Titel, und der Beitrag feiert einen Mann, der 1975 ein Chalet niederbrannte, als intellektuelle Instanz. Was nicht vorkommt: das Wort «Terrorismus» — obwohl SRF zwei Tage zuvor eine internationale Konferenz zum linksextremen Terrorismus als parteipolitisches Manöver gerahmt hat. Was nicht vorkommt: die Frage, ob ein Brandstifter, der erst nach Ablauf der Verjährungsfrist bekannte, eine Würdigung verdient. Was nicht vorkommt: ein Vergleich mit der Berichterstattung über rechte Gewalttäter — die nie als «militante Seiten» entschuldigt werden. Der Beitrag ist eine Hagiografie ohne Gegenstimme — und die Hagiografie verdeckt, dass ihr Gegenstand ein Arsonist ist.

Zum SRF-Beitrag «Daniel de Roulet: ‹Immer noch wütend›», Tagesgespräch, 16.07.2026


Das Framing steht im Titel: «Immer noch wütend.»

«Wütend» — das ist das Wort, das eine Charaktereigenschaft als Tugend präsentiert. Wer wütend ist, der hat einen Grund — und der Grund ist gerecht. De Roulet ist wütend auf die Schweiz, auf die Migrationspolitik, auf das Hier und Jetzt — und SRF rahmt diese Wut als Motor eines Schriftstellerlebens. Die Frage, ob die Wut gerechtfertigt ist, wird nicht gestellt. Die Wut ist da — und sie ist edel.

Die Brandstiftung, die als «militante Seite» entschuldigt wird

SRF schreibt: «Daniel de Roulet hatte auch sehr militante Seiten. 1975 zündete er das Chalet des ‹Bild›-Verlegers Axel Springer in Rougemont an.» «Sehr militante Seiten» — das ist die Formulierung, die eine Brandstiftung als Charaktereigenschaft entschuldigt. De Roulet hatte «militante Seiten» — wie jemand musikalische Seiten hat. Die Brandstiftung wird nicht als Verbrechen gerahmt — sie wird als Ausdruck einer Persönlichkeit präsentiert. SRF erwähnt, dass de Roulet erst «jahrzehnte später, nach Ablauf der Verjährungsfrist», ein Buch über die Tat schrieb — und fragt nicht, was das bedeutet. Er bekannte sich zu einer Brandstiftung, als er nicht mehr bestraft werden konnte. Das ist keine mutige Offenbarung — das ist eine strategische Bekundung. SRF rahmt es als literarischen Akt: «Das Buch und die Tat lösten eine heftige Kontroverse aus.» Die Kontroverse ist das Problem — nicht die Tat.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was wäre, wenn ein rechtsextremer Autor ein Gebäude angezündet hätte — und erst nach Verjährung darüber geschrieben hätte? Würde SRF ihn in einer Sommerserie porträtieren? Würde SRF seine «militanten Seiten» als Charaktereigenschaft entschuldigen? Würde SRF ihn «immer noch wütend» nennen — und die Wut als Tugend rahmen? Die Frage wird nicht gestellt — aber die Antwort ist offensichtlich. Ein rechtsextremer Brandstifter würde nicht porträtiert — er würde verurteilt. Ein linksextremer Brandstifter wird gewürdigt — weil seine Wut als gerecht gerahmt wird.

Der Terrorismus, der hier nicht vorkommt — und zwei Tage zuvor parteipolitisch war

Zwei Tage vor diesem Beitrag berichtete SRF über eine US-Konferenz zur Bekämpfung linksextremen Terrorismus — und rahmt sie als parteipolitisches Manöver. «USA wollen Terrorismus bekämpfen – aber nur den linken», lautete der Titel. SRF zitierte Kritiker, die den Fokus auf linksextremen Terrorismus als Propaganda bezeichneten. SRF rahmte Antifa als strukturlose Bewegung — nicht als Terrororganisation. Jetzt porträtiert SRF einen Mann, der 1975 ein Gebäude anzündete — und nennt das nicht Terrorismus. Es heisst «militante Seiten».

Die Frage, die nicht gestellt wird: Ist Brandstiftung Terrorismus? Die USA stufen Antifa-Ost als Terrororganisation ein — wegen «zahlreicher Angriffe gegen Personen». De Roulet zündete ein Chalet an — ein Gebäude, das 5 Millionen Franken wert war, das unbewohnt war, das hätte bewohnt sein können. Ist das Terrorismus? Ist das linksextreme Gewalt? SRF fragt nicht. Die Brandstiftung ist eine «militante Seite» — und der linksextreme Terrorismus, den SRF zwei Tage zuvor als parteipolitisches Konstrukt gerahmt hat, existiert in diesem Beitrag nicht. Das Muster ist konsistent: Linksextreme Gewalt wird minimiert — ob in Washington oder in Rougemont.

Die Wut, die als intellektuelle Haltung gerahmt wird

SRF schreibt: «Was ihn antreibt, ist die Unzufriedenheit mit dem Hier und Jetzt: ‹Wenn die Welt in Ordnung wäre, würde ich gar nicht schreiben.›» Das ist das Framing: De Roulets Wut ist ein Antrieb — ein Motor der Produktion, eine Quelle der Literatur. SRF rahmt die Wut als kreative Energie — nicht als destruktive Haltung. Die Frage, ob ein Schriftsteller, der «immer noch wütend» ist, die Schweiz angemessen beschreibt — oder ob seine Wut seine Wahrnehmung verzerrt —, wird nicht gestellt.

SRF schreibt: «In seinen Büchern, Essays und Artikeln geht de Roulet immer wieder hart mit der Schweiz und ihrer Politik ins Gericht. Ganz besonders ärgert ihn die in seinen Augen übertrieben strenge Migrationspolitik.» «Hart mit der Schweiz ins Gericht gehen» — das ist die Formulierung, die Kritik als Mut präsentiert. «In seinen Augen übertrieben strenge Migrationspolitik» — das ist die Formulierung, die eine politische Position als persönliche Empfindung entschuldigt. SRF fragt nicht, ob die Migrationspolitik tatsächlich übertrieben streng ist — oder ob de Roulet das nur «in seinen Augen» sieht. Die Position steht da — als Einsicht eines Wütenden, nicht als Behauptung eines Ideologen.

Die Fantasie, die als Methode gerahmt wird

SRF schreibt: «Unterprivilegierte hinterlassen weniger Dokumente. Anders als ein Historiker könne er als Schriftsteller mit Fantasie ergänzen.» Das ist die zentrale methodische Aussage — und SRF fragt nicht, was sie bedeutet. De Roulet schreibt Geschichte «von unten» — mit Fantasie. Er erfindet, was er nicht weiss — und nennt es Literatur. Das ist legitim — für einen Roman. Aber SRF rahmt es als historische Praxis: «Ich versuche, die Geschichte von unten zu erzählen.» Erzählen — das ist das Wort, das Fiktion und Fakten verschmelzen lässt. De Roulet erzählt Geschichte — mit Fantasie. Das heisst: er erfindet, was die Quellen nicht hergeben — und nennt es Geschichte.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was ist der Unterschied zwischen Geschichte und historischem Roman? De Roulet schreibt Romane — aber SRF rahmt ihn als Chronisten der Schweizer Geschichte. Die «Geschichte von unten» ist ein akademisches Konzept — aber de Roulet praktiziert es als Schriftsteller, der mit Fantasie ergänzt. SRF fragt nicht, ob das Geschichte ist — oder Fiktion. Die Grenze verschwindet — und SRF tut so, als wäre das normal.

Die Stimmen, die nur aus einer Richtung kommen

SRF zitiert de Roulet — ausführlich, mit seinen Positionen, seiner Wut, seiner Methode. SRF zitiert niemanden, der ihn kritisiert. Kein Historiker, der fragt, ob «Geschichte von unten mit Fantasie» Geschichte ist. Kein Jurist, der fragt, ob ein Brandstifter eine Würdigung verdient. Kein Politiker, der fragt, ob die Kritik an der Migrationspolitik stimmt — oder ob sie ideologisch ist. Kein Opfer — niemand aus dem Umfeld Springers, der sagt, was der Brandanschlag bedeutete. Niemand.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Gibt es Stimmen, die de Roulet kritisch sehen? Gibt es Schweizer Literaturkritiker, die seine Methode hinterfragen? Gibt es Schweizer Historiker, die sagen, dass «Geschichte von unten mit Fantasie» keine Geschichte ist? SRF fragt nicht. De Roulet spricht — SRF referiert. Das ist die Struktur eines Porträts ohne Gegenstimme — und die Gegenstimme wäre die Frage, ob ein 82-jähriger Brandstifter, der mit Fantasie Geschichte schreibt, eine Würdigung verdient.

Die Sommerserie, die als Rahmen dient

SRF schreibt: «In der Sommerserie ‹25 Jahre Tagesgespräch› kommen Persönlichkeiten zu Wort, die in all den Jahren mehrere Male zu Gast waren.» Das ist der Rahmen — und der Rahmen ist das Framing. De Roulet war «mehrere Male» zu Gast — also wird er gewürdigt. Die Frage, wer eingeladen wird — und wer nicht —, ist die Frage, die SRF nicht stellt. Wer in 25 Jahren Tagesgespräch nie eingeladen wurde — ein rechtsextremer Autor? Ein konservativer Kritiker der Migrationspolitik? Ein Schriftsteller, der für strenge Asylpolitik plädiert? SRF fragt nicht. Die Sommerserie feiert die, die da waren — und verschweigt, wer nie da war.


So funktioniert dieser Beitrag: Er porträtiert einen Brandstifter als Schriftsteller — und nennt die Brandstiftung «militante Seiten». Er rahmt die Wut als Tugend — ohne zu fragen, ob sie gerechtfertigt ist. Er erwähnt, dass de Roulet erst nach Verjährung bekannte — und fragt nicht, was das bedeutet. Er rahmt «Geschichte von unten mit Fantasie» als historische Praxis — ohne zu fragen, ob das Geschichte oder Fiktion ist. Er zitiert de Roulet ausführlich — und keine Gegenstimme. Er erwähnt die Sommerserie als Rahmen — und fragt nicht, wer nie eingeladen wurde. Und er tut das zwei Tage, nachdem er eine Konferenz zum linksextremen Terrorismus als parteipolitisches Manöver gerahmt hat — ohne zu bemerken, dass er hier einen linksextremen Gewalttäter feiert. Wer den Beitrag hört, weiss, dass de Roulet wütend ist, dass er Geschichte von unten schreibt und dass er einmal ein Chalet anzündete. Wer wissen will, ob die Brandstiftung Terrorismus war, ob die Wut gerechtfertigt ist, ob «Geschichte mit Fantasie» Geschichte ist, ob ein Brandstifter gewürdigt werden sollte und ob SRF rechtsextreme Gewalttäter ebenso porträtieren würde, bekommt keine Antwort — weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist kein Porträt, das ist eine Hagiografie — und die Hagiografie feiert einen Brandstifter als Schriftsteller, weil seine Wut die richtige Wut ist.

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