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Der bewaffnete Arm, der kein Bürger mehr ist
Medienkritik
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Der bewaffnete Arm, der kein Bürger mehr ist

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SRF meldet, dass Basel erstmals Polizisten mit einer B-Bewilligung einstellt. Der Beitrag rahmt dies als pragmatische Lösung eines Personalmangels. Der nationale Polizeiverband warnt, dass der bewaffnete Arm des Staates von Bürgern vertreten werden müsse. SRF referiert die Warnung und dismissiert sie als Meinungsverschiedenheit. Was nicht vorkommt: die verfassungsrechtliche Frage, ob der Staat sein Gewaltmonopol an Nicht-Bürger delegieren darf. Was nicht vorkommt: die Frage, warum der Staat keine Schweizer findet, die ihn schützen wollen. Der Beitrag ist eine Verwaltungsnote über ein Prinzip.

Zum SRF-Beitrag «Zum ersten Mal: Polizisten mit B-Bewilligung in Basel im Einsatz», Regionaljournal Basel Baselland, 27.07.2026


Das Framing steht im Untertitel: «Für die Polizeiausbildung reicht eine B-Bewilligung.» Das Wort «reicht» macht eine verfassungsrechtliche Frage zu einer bürokratischen Voraussetzung. Es geht um eine Aufenthaltsbewilligung, die befristet ist, die widerrufen werden kann, die keine staatsbürgerlichen Rechte verleiht. SRF rahmt die Absenkung der Anforderung an das Gewaltmonopol als logistischen Schritt, um vier Stellen zu besetzen. Die Frage, was es bedeutet, wenn der Staat sein Gewaltmonopol an Personen delegiert, die nicht Bürger dieses Staates sind, wird nicht gestellt.

Die Loyalität, die niemand hinterfragt

SRF zitiert den Verband Schweizerischer Polizeibeamter: «Der bewaffnete Arm des Staates muss von Schweizer Bürgern vertreten werden.» SRF präsentiert diesen Satz als Position eines Verbandes, nicht als Prinzip eines Rechtsstaates. Ein Polizist übt unmittelbaren Zwang aus. Er schwört einen Eid auf die Verfassung. Eine B-Bewilligung ist kein Bürgerrecht, sie ist ein Gastrecht.

SRF berichtet, die neuen Rekruten seien Deutsche. Das macht die Debatte palatable. Deutsche sind kulturell nah, sie sprechen die Sprache, sie sind keine Fremden im Sinne der Asyldebatte. Aber eine B-Bewilligung ist eine B-Bewilligung. Der Präzedenzfall gilt für alle. SRF nutzt die deutsche Herkunft, um die Frage nach der kulturellen Distanz, nach Loyalitätskonflikten und nach Integrationsanforderungen an Strafverfolger zu umgehen. Die Frage, ob Basel denselben Schritt mit einem syrischen oder afghanischen B-Bewilligungsinhaber machen würde, wird nicht gestellt. SRF fragt nicht, was passiert, wenn die B-Bewilligung abläuft oder widerrufen wird. Darf ein Polizist abgeschoben werden? SRF fragt nicht.

Der Personalmangel, der als Naturereignis gerahmt wird

SRF berichtet, der Basler Polizei fehlen hundert Leute. SRF berichtet, die vier Deutschen beheben den Mangel nicht. SRF fragt nicht, warum der Mangel besteht. Sind die Löhne zu tief? Sind die Bedingungen zu schlecht? Ist das Ansehen des Berufs gesunken? SRF behandelt den Personalmangel als Naturereignis, das man durch Absenkung der Standards bewältigt.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wenn ein Staat keine Bürger findet, die bereit sind, ihn zu schützen, hat er dann ein Legitimationsproblem? Wenn die Schweizer sich weigern, Polizist zu werden, und der Staat Ausländer rekrutiert, um die Schweizer zu polizeilich zu bevollmächtigen, wessen Interessen vertritt die Polizei dann? SRF referiert den Mangel und nutzt ihn als Rechtfertigung. Die Frage, ob der Mangel ein Symptom für ein tieferes Problem ist, wird nicht gestellt.

Die Sicherheit, die als gegeben vorausgesetzt wird

SRF berichtet, die neuen Rekruten müssten «mit Basel vertraut sein». SRF berichtet, sie seien «im grenznahen Ausland aufgewachsen». SRF fragt nicht, wie diese Vertrautheit geprüft wird. SRF fragt nicht, welche Sicherheitsüberprüfungen für B-Bewilligungsinhaber gelten, die Zugang zu sensiblen Daten, Waffen und polizeilicher Gewalt erhalten.

SRF setzt voraus, dass die Sicherheit gewährleistet ist, weil die Kandidaten aus Deutschland kommen. Die Frage, ob ein B-Bewilligungsinhaber denselben Loyalitäts- und Sicherheitscheck durchläuft wie ein Schweizer Bürger, bleibt unerwähnt. SRF berichtet, man habe gute Erfahrungen mit C-Bewilligungsinhabern gemacht. C ist aber nicht B. C ist eine Niederlassungsbewilligung, die einen dauerhaften Aufenthalt und eine stärkere Bindung an den Staat impliziert. B ist eine Aufenthaltsbewilligung, die befristet ist und keine solche Bindung impliziert. SRF vermengt die beiden Kategorien und fragt nicht nach dem Unterschied.

Die Gegenstimme, die als Fussnote abgetan wird

SRF erwähnt den nationalen Verband und seine Kritik. SRF erwähnt, dass die Kantone Baselland und Obwalden sich gegen eine Lockerung der Bedingung gestellt haben. SRF erwähnt, dass der nationale und der kantonale Verband unterschiedliche Haltungen haben. Das ist mehr als nichts. Aber SRF präsentiert die Kritik als Verbandsmeinung, nicht als verfassungsrechtliche Position.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Hat der nationale Verband recht? Ist es ein Prinzip des Rechtsstaates, dass der bewaffnete Arm des Staates von Bürgern vertreten wird? Oder ist es eine veraltete Forderung, die dem Personalmangel geopfert werden darf? SRF referiert die Position und lässt sie stehen. Die Frage, ob die Kritik substantiell ist, wird nicht gestellt. SRF zitiert den Basler Verbandsvertreter: «Ich durfte dort unsere Position vorstellen.» Das ist die Antwort. Die Position ist vorgestellt. Die Debatte ist erledigt.


So funktioniert dieser Beitrag: Er meldet die Absenkung eines verfassungsrechtlichen Prinzips als Personalmassnahme. Die Loyalitätsfrage wird als Verbandsmeinung abgetan. Der Personalmangel wird als Rechtfertigung genutzt, ohne nach den Ursachen gefragt zu werden. Die deutsche Herkunft wird genutzt, um die Debatte über kulturelle Distanz zu vermeiden. Die Sicherheitsüberprüfung wird als gegeben vorausgesetzt. Wer den Beitrag liest, weiss, dass Basel vier Deutsche mit B-Bewilligung einstellt und dass der nationale Verband kritisch ist. Wer wissen will, ob ein Staat sein Gewaltmonopol an Nicht-Bürger delegieren darf, warum der Staat keine Schweizer findet, wo die Grenze der Herkunft liegt und wie die Sicherheit geprüft wird, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Rechtsstaatsberichterstattung, das ist eine Stellenausschreibung mit Gewerkschaftskommentar.

Originalbeitrag auf X →

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