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Der Anschlag ohne Hintergrund
Medienkritik
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Der Anschlag ohne Hintergrund

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Dieser SRF-Beitrag über den Bombenanschlag in Monaco ist ein Lehrstück in kriminalistischer Stenografie: Ein Sprengsatz explodiert vor einem Wohnhaus, drei Menschen werden verletzt, eine Verdächtige wird gesucht — und SRF meldet es wie einen Routinefall von Sachbeschädigung. Die zentralen Fragen werden nicht gestellt: Wer ist das Opfer wirklich? Wer ist die Täterin wirklich? Und: Was bedeutet es, wenn eine ukrainische «Kriegsflüchtige» aus Deutschland einen ukrainischen Oligarchen in Monaco bombardiert — im Jahr 2026, mitten in einem Krieg? Der Beitrag klingt wie Kriminalberichterstattung, aber er ist keine — denn Kriminalberichterstattung fragt nach Motiv, Kontext und Bedeutung, und dieser Beitrag fragt nach nichts.

Zum SRF-Beitrag «Nach Bombenanschlag in Monaco: Spur führt nach Deutschland», SRF 4 News, 03.07.2026


Was der Beitrag gut macht

Die Fakten sind dokumentiert: Eine Explosion verletzte am Montagabend drei Personen vor einem Wohnhaus in Monaco. Die Verdächtige ist eine 39-jährige Ukrainerin, die sich als Mann verkleidet haben soll. Sie hatte ihren letzten Wohnsitz in Deutschland (Main-Taunus-Kreis). Die Wohnung und ein Fahrzeug wurden durchsucht. Sie verwendete ein Auto mit deutschem Kennzeichen, das über Italien nach Monaco gelangte. Die Staatsanwaltschaft geht von mehreren Beteiligten aus, wegen der Komplexität des Sprengsatzes. Zwei festgenommene Männer wurden freigelassen. Die Opfer sind der ukrainischstämmige Geschäftsmann Wadym Jermolajew, seine Partnerin und sein Sohn. Jermolajew erhielt 2019 die zyprische Staatsbürgerschaft, lebt im Exil und wurde 2023 von der Ukraine sanktioniert — wegen Geschäften auf der Krim. Fürst Albert II. nennt es eine «abscheuliche Tat». Das ist die Grundlage — und sie ist korrekt.

Das Opfer: erwähnt, aber nicht erklärt

Der Beitrag sagt: Jermolajew ist «aus der Ukraine stammender Geschäftsmann», er «erhielt 2019 die zyprische Staatsbürgerschaft und lebt im Exil», er «wurde 2023 von der Ukraine sanktioniert» — wegen «Geschäften auf der von Russland annektierten Krim». Das sind Fakten — aber sie werden nicht erklärt.

Was bedeutet es, dass ein ukrainischer Geschäftsmann zyprische Staatsbürgerschaft hat und im Exil lebt? Was bedeutet es, dass er von der eigenen Regierung sanktioniert wird — wegen Geschäften mit dem Feind? Was bedeutet es, dass er zur sogenannten «Monaco-Bataillon»-Gruppe gehört — ukrainische Oligarchen, die sich an der Mittelmeerküste niedergelassen haben, während ihr Land im Krieg ist? Was bedeutet es, dass ein französischer Ex-Geheimdienstler sagt, Jermolajew sei «Kiew ein Dorn im Auge» gewesen und habe «Korruption in Kiew aufdecken» wollen?

Das sind die Fragen, die das Motiv beleuchten würden — und SRF stellt sie nicht. Es nennt die Sanktionen — und lässt sie stehen, als ob sie Selbstzweck seien. Wer war Jermolajew wirklich? Ein Kollaborateur? Ein Whistleblower? Ein Oligarch, der auf beiden Seiten spielte? SRF fragt nicht.

Die Täterin: erwähnt, aber nicht kontextualisiert

Die Verdächtige ist eine 39-jährige Ukrainerin mit Wohnsitz in Deutschland. Der Beitrag sagt: Sie «befindet sich aktuell auf der Flucht.» Mehr nicht.

Was SRF nicht sagt: Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich um Anastasiia Berezovka, geboren 1987 in der Ukraine, aus der ostukrainischen Region Luhansk stammend — und im März 2022 nach Beginn der russischen Invasion als Kriegsflüchtling nach Deutschland eingereist. Das ist kein Detail. Das ist der Schlüssel.

Eine Frau aus Luhansk — einer von Russland besetzten Region — kommt 2022 als Kriegsflüchtling nach Deutschland — und vier Jahre später bombardiert sie einen ukrainischen Oligarchen in Monaco. Mit einem komplexen Sprengsatz, der nach Einschätzung der Ermittler nicht von einer Einzeltäterin gebaut wurde. Mit einem Auto mit deutschem Kennzeichen, das über Italien nach Monaco fuhr. Mit möglichen Komplizen und Hintermännern.

Das sind die Fragen, die den Fall von einem Kriminalfall zu einem geopolitischen Fall machen: Ist die Täterin eine ukrainische Agentin? Eine russische Agentin? Eine bezahlte Auftragskillerin? Wer hat sie rekrutiert? Wer hat den Sprengsatz gebaut? Wer hat die Logistik organisiert? Und: Was bedeutet es für die deutsche Flüchtlingspolitik, wenn eine als Flüchtling eingereiste Person vier Jahre später einen Bombenanschlag in Monaco verübt? SRF fragt nicht — und erwähnt mit keinem Wort, dass die Täterin 2022 als Kriegsflüchtling nach Deutschland kam.

Das Motiv: komplett absent

Der Beitrag erwähnt weder ein mögliches Motiv der Täterin noch die möglichen Hintergründe des Anschlags. War es ein politischer Anschlag — von der Ukraine, von Russland, von einem Dritten? War es ein wirtschaftlicher Anschlag — Konkurrenz, Erpressung, Geld? War es ein persönlicher Anschlag — Rache, Beziehung, Familie? SRF erwähnt die Sanktionen gegen Jermolajew — aber sie verbindet sie nicht mit dem Anschlag. Sie erwähnt die Geschäfte auf der Krim — aber sie fragt nicht, ob diese Geschäfte zum Anschlag geführt haben könnten. Sie erwähnt die Komplexität des Sprengsatzes — aber sie fragt nicht, wer die Expertise hat, solche Sprengsätze zu bauen.

Die geopolitische Dimension: komplett absent

Ein ukrainischer Oligarch, der von der Ukraine sanktioniert wird, wird in Monaco bombardiert — von einer Ukrainerin aus Luhansk, die in Deutschland lebt. Das ist kein Kriminalfall. Das ist ein geopolitischer Fall. Die Fragen: Steht der ukrainische Geheimdienst (SBU) dahinter? Steht der russische Geheimdienst (FSB) dahinter? Steht ein dritter Akteur dahinter — ein Geschäftspartner, ein Rivale, ein Staat? Was bedeutet der Anschlag für den Krieg in der Ukraine — ist er ein Signal an andere Oligarchen, die mit Russland Geschäfte machen? Ist er ein Signal an den Westen, dass der Krieg jetzt auch in Monaco ausgetragen wird? SRF fragt nicht.

Die deutsche Dimension: erwähnt, aber nicht analysiert

Die Spur führt nach Hessen. Das LKA hat die Wohnung durchsucht. Das ist ein Fakt — aber was bedeutet er? Die Täterin lebte in Deutschland, sie kam als Flüchtling nach Deutschland, sie organisierte den Anschlag von Deutschland aus. Was bedeutet das für die Sicherheit in Deutschland? Gibt es ukrainische oder russische Agentennetzwerke in Deutschland, die solche Operationen planen? Wie viele weitere Personen sind involviert? Gibt es Verbindungen zu anderen Fällen — zu den Abhöraktionen in Bayern, zu den Sabotageplänen in Frankfurt? SRF fragt nicht.

Die Sprengsatz-Komplexität: erwähnt, aber nicht vertieft

Die Staatsanwaltschaft sagt: «Die Art, wie der Sprengsatz gebaut sei, spreche dafür, dass weitere Personen daran beteiligt gewesen sein.» Das ist ein Hinweis auf professionelle Hilfe — aber SRF fragt nicht: Was für ein Sprengsatz war es? Wie komplex? Welche Materialien? Welche Zündmechanismen? Wer hat die Expertise, solche Sprengsätze zu bauen — ukrainische Geheimdienste, russische Geheimdienste, kriminelle Organisationen, Söldner? Und: Wo wurde der Sprengsatz gebaut — in Deutschland, in Italien, in Monaco, in der Ukraine? SRF fragt nicht.

Die zwei freigelassenen Männer: erwähnt, aber nicht erklärt

«Zwei Männer, die in den Tagen zuvor festgenommen worden waren, kamen inzwischen wieder frei. Der Tatverdacht gegen sie erhärtete sich nicht.» Wer waren sie? Welche Nationalität? Welcher Hintergrund? Warum wurden sie festgenommen — und warum wieder freigelassen? Waren sie Zeugen, Komplizen, Zufallsopfer? SRF nennt die Tatsache — und lässt die Fragen stehen.

Die Opfer-Perspektive: erwähnt, aber nicht beleuchtet

Jermolajew, seine Partnerin, sein Sohn — drei Verletzte, zwei schwer. Wer sind diese Menschen? Wie geht es ihnen? Was haben sie erlebt? Was sagen sie? Was sagen ihre Anwälte? Was sagen ihre Freunde, ihre Geschäftspartner, ihre Feinde? SRF nennt die Namen — und lässt die Menschen weg.

Was komplett fehlt

Keine Frage nach dem Motiv. Keine Frage nach dem Opfer-Hintergrund (Monaco-Bataillon, Krim-Geschäfte, Korruptionsvorwürfe). Keine Frage nach der Täterin-Hintergrund (Luhansk, Flüchtling 2022, mögliche Geheimdienstverbindungen). Keine Frage nach den Hintermännern. Keine Frage nach der Sprengsatz-Expertise. Keine Frage nach der geopolitischen Dimension (Ukraine-Krieg, SBU, FSB). Keine Frage nach der deutschen Dimension (Flüchtlingspolitik, Sicherheitslage, Agentennetzwerke). Keine Frage nach den freigelassenen Männern. Keine Frage nach der Opfer-Perspektive. Keine Frage nach der regionalen Bedeutung (Monaco als sicherer Ort). Keine Frage nach internationalen Vergleichen (andere Anschläge auf Oligarchen). Keine Frage nach der ukrainischen Reaktion. Keine Frage nach der russischen Reaktion. Keine Frage nach der deutschen Reaktion. Keine Frage nach der französischen Reaktion. Keine Frage nach der Interpol-Fahndung (welche Länder, welche Koordination). Keine Frage nach der Rolle der EU-Innenpolitik.

Kurzurteil

Ein Beitrag, der einen Bombenanschlag als Kriminalfall meldet — ohne die Fragen zu stellen, die den Fall von einem Kriminalfall zu einem geopolitischen Fall machen. Die zentralen Informationen — die Täterin kam 2022 als Kriegsflüchtling aus Luhansk nach Deutschland, das Opfer gehört zur «Monaco-Bataillon»-Gruppe und wurde von der Ukraine sanktioniert, die Komplexität des Sprengsatzes deutet auf professionelle Hintermänner — werden entweder verschwiegen oder nur angedeutet. SRF nennt die Sanktionen gegen Jermolajew, ohne nach dem Motiv zu fragen. SRF nennt die Wohnsitz-Durchsuchung in Hessen, ohne nach der Flüchtlingsdimension zu fragen. SRF nennt die Komplexität des Sprengsatzes, ohne nach den Hintermännern zu fragen. Wer den Beitrag liest, weiss, dass in Monaco eine Bombe explodiert ist und dass die Spur nach Deutschland führt. Wer wissen will, warum eine ukrainische Flüchtling aus Luhansk einen ukrainischen Oligarchen in Monaco bombardiert, wer dahintersteckt, was das für den Ukraine-Krieg bedeutet, was das für die deutsche Sicherheitslage bedeutet und was das für die europäische Flüchtlingspolitik bedeutet, bekommt keine Antwort — weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Kriminalberichterstattung, das ist Stenografie mit SRF-Siegel.

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