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Der Anschlag, der nur ein Sicherheitsproblem ist
Medienkritik
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Der Anschlag, der nur ein Sicherheitsproblem ist

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SRF meldet die Sicherheitslage nach dem Berliner CSD-Anschlag und rahmt einen islamistischen Terroranschlag als logistische Frage. Wie bereitet man sich in der Schweiz auf Risiken vor? Wer die Risiken verursacht, welche Ideologie dahinter steht, warum der Berliner Täter trotz Bekanntheit frei herumlief: all das kommt nicht vor. Der Beitrag ist eine Sicherheitsberichterstattung ohne Sicherheitsursache. Die Massnahmen werden diskutiert, die Bedrohung nicht.

Zum SRF-Beitrag «Prides und Street Parade: Wie steht es um die Sicherheit?», Tagesschau, 27.07.2026


Das Framing steht im Untertitel: «Wie steht es um die Sicherheit?» Das ist die Frage, die der Beitrag beantwortet, und sie ist die falsche. Die richtige Frage lautet: Wer bedroht die Sicherheit? SRF berichtet über Sicherheitskonzepte, Lagebeurteilungen, Massnahmen. Dass ein islamistischer Terrorist in Berlin ein Auto in eine CSD-Menge steuerte und Menschen mit einer Stichwaffe angriff, ein Täter, der den Behörden bekannt war, der als Hochrisikoperson eingestuft war, der im Mai 2026 aus der Haft entlassen wurde: bleibt unerwähnt. Die Ideologie, die die Bedrohung erzeugt, kommt nicht vor. Die Frage, warum der Täter frei war, kommt nicht vor. Die Frage, ob die Schweiz dieselben Fehler macht, kommt nicht vor. SRF fragt nach dem Wie, nicht nach dem Wer.

Der Täter, der nicht vorkommt

SRF berichtet über einen Anschlag in Berlin. Der mutmassliche Täter sei tot. Das ist alles. Kein Name. Kein Alter. Keine Nationalität. Keine Ideologie. Kein Motiv. SRF berichtet über die Folgen eines Anschlags und lässt den Angreifer weg. Der Berliner Täter war 21 Jahre alt, war den Behörden bekannt, hatte sich in islamistischen Kreisen bewegt, war im Mai 2026 aus dem Jugendarrest entlassen worden und sollte ein Ausstiegsprogramm besuchen, das zum Zeitpunkt der Tat noch nicht begonnen hatte. Nichts davon steht im SRF-Beitrag. Der Täter existiert als «der mutmassliche Täter»: ein Akteur ohne Gesicht, ohne Herkunft, ohne Ideologie.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Warum wurde er entlassen? Warum war er frei? Warum hatte das Ausstiegsprogramm noch nicht begonnen? SRF referiert den Anschlag als Ereignis und fragt nicht nach dem Versagen, das ihn ermöglichte. Die Sicherheitsbehörden hatten den Täter bis kurz vor der Tat im Blick, aber sein Verhalten lieferte offenbar keine Hinweise, dass er in absehbarer Zeit einen Anschlag planen würde. Das ist das Versagen. SRF erwähnt es nicht.

Die Ideologie, die niemand benennt

SRF berichtet über einen Anschlag auf einen Christopher Street Day. Ein CSD ist eine queere Veranstaltung. Der Täter war Islamist. Das ist kein Zufall, das ist ein Muster. Islamisten verfolgen queere Menschen, islamistische Staaten bestrafen Homosexualität mit dem Tod, islamistische Propaganda diffamiert queere Lebensformen als «westliche Dekadenz». Der Anschlag in Berlin ist Teil dieses Musters. SRF erwähnt mit keinem Wort, dass es ein Muster gibt.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Was bedeutet es, wenn islamistische Terroristen gezielt queere Veranstaltungen angreifen? Ist der CSD ein Ziel, weil er queer ist, oder weil er «westlich» ist? SRF fragt nicht. Der Anschlag wird als «Grossveranstaltung»-Problem gerahmt, nicht als ideologisches Problem. Die Sicherheitskonzepte werden diskutiert, die Ideologie, die sie nötig macht, nicht.

Der Winterthur-Angriff, der nicht vorkommt

SRF berichtet über die Sicherheitslage in der Schweiz und erwähnt einen verhinderten Anschlag auf die Zurich Pride «vor zwei Jahren». Aber SRF verschweigt den aktuellen Vorfall in Winterthur. Am 28. Mai 2026 stach ein Mann am Bahnhof Winterthur drei Menschen nieder, rief «Allahu Akbar», wurde vor Ort festgenommen. Die Behörden stuften den Anschlag als Terrorakt ein. Der Täter, ein Schweizer-Türkischer Doppelbürger, war seit 2015 polizeilich bekannt, hatte IS-Propaganda verbreitet, war strafrechtlich verfolgt worden. Ein Muster, das dem Berliner Fall gleicht: Bekannte Täter, die frei herumlaufen, bis sie zuschlagen. SRF erwähnt vergangene Bedrohungen, aber sie nennt nicht die aktuelle Gefahr durch bekannte Islamisten in der Schweiz.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Gibt es ein Muster islamistischer Angriffe in der Schweiz? Wie viele «Gefährder» gibt es, und wie viele werden überwacht? SRF nennt keine Zahlen. Die Frage, ob die Erfassung lückenhaft ist, wird nicht gestellt. Die Frage, ob ein Täter, der seit 2015 bekannt ist, im Mai 2026 zuschlagen kann, ein Systemversagen ist, wird nicht gestellt. SRF erwähnt den Winterthur-Angriff mit keinem Wort.

Die «vermehrte Gewalt», die niemand spezifiziert

Alessandra Widmer von der LOS Lesbenorganisation Schweiz sagt: «LGBTIQ-Personen erleben in der Schweiz vermehrt Gewalt.» Das ist eine starke Aussage. SRF fragt nicht: Von wem? Wer übt die Gewalt aus? Islamisten? Rechtsextreme? Jugendliche? Migranten? Einheimische? SRF nennt die Aussage und lässt sie stehen, ohne sie zu spezifizieren. «Vermehrt Gewalt» ist eine Behauptung, die jede Ursache ausschliesst. SRF fragt nicht nach der Ursache. Die Gewalt wird als abstraktes Phänomen präsentiert: ohne Akteure, ohne Muster, ohne Herkunft. Das ist Framing. Die Massnahme wird diskutiert, die Ursache eliminiert.

Die Quellen, die alle dieselbe Seite vertreten

SRF zitiert drei Quellen: Alessandra Widmer, Co-Geschäftsleiterin der LOS Lesbenorganisation Schweiz. Julia Müller, Leiterin der Zurich Pride. Judith Hödl, Kommunikationschefin der Stadtpolizei Zürich. Das sind drei Stimmen, und alle kommen vom Veranstalter- oder Behördenseite. Keine Stimme eines Terrorismusexperten. Keine Stimme des Nachrichtendienstes. Keine Stimme eines Islamismus-Kritikers. Keine Stimme eines Politikers, der die Frage stellt, ob die Prävention funktioniert. SRF berichtet über Sicherheit und lässt nur diejenigen sprechen, die Sicherheit organisieren. Die Frage, ob die Organisatoren die richtige Perspektive haben, um die Bedrohung zu beurteilen, wird nicht gestellt.


So funktioniert dieser Beitrag: Er meldet einen islamistischen Terroranschlag auf eine queere Veranstaltung und rahmt ihn als Sicherheitslogistik. Der Täter kommt nicht vor. Die Ideologie kommt nicht vor. Das Versagen der Behörden kommt nicht vor. Der Winterthur-Angriff kommt nicht vor. Die «vermehrte Gewalt» wird behauptet, ohne spezifiziert zu werden. Die Quellen sind einseitig. Wer den Beitrag liest, weiss, dass die Schweiz Sicherheitskonzepte hat und dass die Lage laufend beurteilt wird. Wer wissen will, wer die Bedrohung verursacht, welche Ideologie dahinter steht, warum der Berliner Täter frei war, ob die Schweiz dieselben Fehler macht, wie viele Risikopersonen es gibt und ob die Prävention funktioniert, bekommt keine Antwort, weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Sicherheitsberichterstattung, das ist eine Sicherheitslogistik ohne Bedrohungsanalyse.

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