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Berset als Integritätsprediger
Medienkritik
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Berset als Integritätsprediger

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SRF berichtet über Alain Bersets Kritik an der FIFA — und rahmt den Europarat-Generalsekretär als Hüter der Integrität. «Wieso interveniert der Europarat im Fussball?», lautet die Frage — und die Antwort ist: weil Berset es für nötig hält. Was nicht vorkommt: die Frage, ob Berset die moralische Autorität hat, Integrität einzufordern. Was nicht vorkommt: Bersets eigene Bilanz — die Covid-Politik, die er als Innenminister verantwortete, die Grundrechte einschränkte, Regeln bog und wissenschaftliche Dissens unterdrückte. Was nicht vorkommt: die Frage, ob ein Politiker, der während einer Krise Prinzipien aufgab, jetzt Prinzipien einfordern darf. Was nicht vorkommt: der Begriff «selektive Moral» — den SRF wörtlich zitiert, aber nur auf Trump anwendet, nicht auf Berset. Was nicht vorkommt: die Erkenntnis, dass der Fussball nur ein Symptom ist — und dass das eigentliche Problem der Prinzipienverlust der politischen Klasse ist, dessen perfektes Beispiel Berset selbst ist. Der Beitrag ist Autoritätenberichterstattung ohne Selbstreflexion — und die Selbstreflexion wäre die Frage gewesen, wer den Wächter wacht.

Zum SRF-Beitrag «Wieso interveniert der Europarat im Fussball?», Echo der Zeit, 20.07.2026


Das Framing steht in der ersten Zeile: «Die Fussball-WM hat den Europarat auf den Plan gerufen.» «Auf den Plan gerufen» — das ist die Formulierung, die eine Institution als Hüter markiert, der eingreift, wenn es nötig ist. SRF rahmt den Europarat als Akteur, der handelt — und Berset als dessen Stimme. Die Frage, ob diese Stimme Glaubwürdigkeit hat, wenn ihr Sprecher eine politische Bilanz hat, die SRF nicht erwähnt, wird nicht gestellt.

Berset, der als moralische Instanz gerahmt wird — ohne Covid-Bilanz

SRF schreibt: «Der Europarat, der sich sonst für Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einsetzt, hält es offenbar für nötig, die Vorgänge bei der Fifa zu kommentieren.» Das ist die Beschreibung — und sie ist eindrucksvoll. «Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit» — das sind die Werte, die der Europarat vertritt. SRF fragt nicht, was es heisst, wenn diese Werte von einem Mann vertreten werden, der als Schweizer Innenminister eine Covid-Politik verantwortete, die Grundrechte einschränkte. Lockdowns, Geschäftsschliessungen, Zertifikatspflicht, Impfdruck — das waren Grundrechtseinschränkungen, die der Bundesrat unter Bersets Führung verhängte. Ob diese Politik gerichtlich korrigiert wurde, ob sie wissenschaftlich gerechtfertigt war, ob sie demokratisch legitimiert war — das sind Fragen, die SRF nicht stellt.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Hat ein Politiker, der Grundrechte einschränkte, die moralische Autorität, der FIFA «Integrität» vorzuschreiben? Berset sagt: «Politische Einflussnahme dürfe nicht bis auf das Spielfeld reichen.» Aber Berset selbst liess politische Einflussnahme bis in die intimsten Bereiche des Schweizer Lebens reichen — in Geschäfte, in Restaurants, in Familien, in Körper. Die Frage, ob ein Mann, der die Regeln der Schweiz bog, um eine Krise zu managen, der FIFA vorwerfen darf, dass sie die Regeln des Fussballs biegt — das ist die Frage, die SRF nicht stellt. Berset klagt die FIFA an — SRF referiert. Die Covid-Bilanz existiert nicht. Das ist Framing: Berset ist eine Autorität — seine Vergangenheit ist irrelevant.

Die «selektive Moral», die SRF nur bei Trump sieht — nicht bei Berset

SRF zitiert den US-Politikwissenschaftler Jules Boykoff: «Die Fifa wende ihre Moral sehr selektiv an.» «Andere Länder würden bestraft, wenn sie sich politisch in den Fussball einmischen. Pakistan zum Beispiel oder Kenia. Sie hätten Strafen zahlen müssen, als sich ihre Regierungen in den Fussball einmischten. Präsident Trump jedoch nicht.» Das ist die Diagnose — und sie ist korrekt. Die FIFA wendet ihre Moral selektiv an: kleine Länder werden bestraft, grosse nicht. Aber SRF fragt nicht, ob dieselbe Diagnose auf Berset zutrifft. Berset wendet seine Moral selektiv an: Er fordert Integrität bei der FIFA — aber er wandte keine Integrität an, als er Grundrechte einschränkte. Er fordert Transparenz bei der FIFA — aber er war Teil einer Regierung, die Covid-Verträge geheim hielt. Er fordert Regeln bei der FIFA — aber er bog Regeln, als es opportun war.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wenn Boykoff der FIFA «selektive Moral» vorwirft — was wäre das Äquivalent für Berset? Berset klagt die FIFA an, weil sie Trump nicht bestraft — aber Berset wurde nicht bestraft, als er Grundrechte einschränkte. Berset klagt die FIFA an, weil sie Regeln bog — aber Berset bog Regeln, als er Innenminister war. Die «selektive Moral», die SRF nur bei der FIFA diagnostiziert, ist dieselbe «selektive Moral», die Berset selbst praktiziert. SRF sieht sie nicht — weil SRF Berset als Autorität rahmt, nicht als Akteur mit einer Bilanz.

Der Fussball, der als Problem gerahmt wird — ohne dass das eigentliche Problem vorkommt

SRF rahmt die FIFA-Kritik als Fussballproblem. «Politische Einflussnahme», «rassistische Beleidigungen», «Sportwetten» — das sind die Diagnosen, die Berset stellt. Die Frage, ob der Fussball nur ein Symptom ist — und das eigentliche Problem der Prinzipienverlust in der Politik ist —, wird nicht gestellt. Die FIFA ist nicht das Problem. Das Problem ist eine politische Klasse, die Prinzipien aufgibt, wenn es opportun ist — und dann Prinzipien einfordert, wenn es opportun ist. Berset ist das perfekte Beispiel: Er gab Prinzipien auf während Covid — und fordert Prinzipien ein bei der FIFA. Das ist nicht Konsistenz — das ist Opportunismus.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wenn der Fussball an Glaubwürdigkeit verliert — verliert die Politik nicht auch an Glaubwürdigkeit? Berset klagt die FIFA an — aber die Schweizer Politik, die Berset prägte, hat ihre eigene Glaubwürdigkeit verloren. Die Covid-Politik, die wissenschaftliche Kommunikation, die Medienkooperation, die Zensur von Dissens — das sind Befunde einer Politik, die Glaubwürdigkeit eingebüsst hat. SRF fragt nicht, ob Berset, der die Glaubwürdigkeit des Fussballs einfordert, die Glaubwürdigkeit der Politik selbst beschädigt hat. Der Fussball ist das Symptom — die Politik ist die Krankheit. SRF rahmt das Symptom — und verschweigt die Krankheit.

Die Sportwetten, die Berset anmahnt — ohne dass die Schweizer Normalisierung vorkommt

Berset warnt vor «Wettpartnerschaften der Fifa, die Tür und Tor für Betrug öffneten.» Das ist die Kritik — und sie ist korrekt. Sportwetten sind ein Problem. Aber SRF fragt nicht, wer die Sportwetten normalisiert hat. Die Schweiz hat 2019 das Online-Glücksspiel legalisiert — unter Bundesrat Berset. Die Schweiz hat Swisslos, der Sportwetten anbietet und bewirbt. Die Schweiz hat eine Glücksspielpolitik, die Sportwetten als legitim rahmt — und gleichzeitig Spielsucht als Problem anmahnt. Die Frage, ob Berset, der die Sportwetten bei der FIFA kritisiert, eine Schweizer Politik mitverantwortete, die Sportwetten normalisierte — das ist die Frage, die SRF nicht stellt.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wenn Berset vor «Wettpartnerschaften» warnt — was sagt er zu Swisslos? Was sagt er zu den Schweizer Online-Casinos, die seit 2019 legal sind? Was sagt er zu einer Schweizer Glücksspielpolitik, die Sportwetten als Freizeitbeschäftigung rahmt — und gleichzeitig ihre Nebenwirkungen beklagt? SRF fragt nicht. Die Sportwetten sind ein FIFA-Problem — die Schweizer Sportwetten existieren nicht. Das ist Framing: Das Problem ist fern — die Schweizer Mitschuld existiert nicht.

Der Europarat, der als Wächter gerahmt wird — ohne Frage nach seiner eigenen Glaubwürdigkeit

SRF schreibt: «Der Europarat meldet sich immer dann, wenn der Sport in einer grossen Krise steckt.» Das ist die Beschreibung — und SRF fragt nicht, was sie wert ist. Der Europarat meldet sich bei Sportkrisen — aber der Europarat hat während Covid kaum gewacht. Der Europarat hat die Grundrechtseinschränkungen in seinen Mitgliedstaaten kaum kritisiert. Der Europarat hat die Covid-Politik, die Berset verantwortete, kaum hinterfragt. Die Frage, ob eine Institution, die während einer Krise schwieg, jetzt das Recht hat, in einer anderen Krise zu sprechen — das ist die Frage, die SRF nicht stellt.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Hat der Europarat während Covid Demokratie und Menschenrechte gewacht? Oder hat er geschwiegen — während seine Mitgliedstaaten Grundrechte einschränkten, Oppositionelle zensierten, Proteste unterdrückten? SRF fragt nicht. Der Europarat wird als Wächter gerahmt — ohne dass seine Bilanz als Wächter geprüft wird. Das ist Framing: Die Institution ist, was sie behauptet zu sein — nicht was sie getan hat.

Die Stimmen, die einseitig ausgewählt werden

SRF zitiert Berset, Boykoff, Zryd, Büchel — vier Stimmen. Berset klagt an. Boykoff kritisiert die FIFA. Zryd fordert den Bundesrat auf, mit der FIFA zu sprechen. Büchel warnt vor Selbstinszenierung — aber nur vorsichtig. Kein einziger Stimme fragt, ob Berset die Autorität hat, der FIFA Integrität vorzuschreiben. Kein einziger Stimme erinnert an Bersets Covid-Bilanz. Kein einziger Stimme diagnostiziert den Prinzipienverlust der politischen Klasse — nicht der FIFA. Niemand.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Gibt es Stimmen, die Bersets Autorität infrage stellen? Gibt es Kritiker, die sagen, dass ein Politiker mit einer Covid-Bilanz nicht der moralische Richter der FIFA sein sollte? Gibt es Kommentatoren, die den Prinzipienverlust der politischen Klasse — nicht der FIFA — als das eigentliche Problem rahmen? SRF fragt nicht. Berset ist die Stimme — und die Gegenstimme existiert nicht.

Die Schweiz, die als FIFA-Sitz gerahmt wird — ohne Frage nach der Schweizer Verantwortung

SRF schreibt: «Immerhin habe der Weltfussballverband seinen Sitz in der Schweiz.» Das ist der Hinweis — und SRF nutzt ihn, um die Schweizer Relevanz zu markieren. Aber SRF fragt nicht, was es heisst, dass die FIFA in der Schweiz sitzt — und dass die Schweiz die FIFA nicht reguliert. Die Schweiz beherbergt die FIFA — und die FIFA wird von Trump beeinflusst, von Sportwetten korruptiert, von Infantino gelenkt. Die Frage, ob die Schweiz als Gaststaat der FIFA eine Verantwortung hat — eine regulatorische, eine juristische, eine politische —, wird nicht gestellt.

Die Frage, die nicht gestellt wird: Wenn die FIFA in der Schweiz sitzt — warum reguliert die Schweiz sie nicht? Warum hat die Schweiz keine Gesetze, die die FIFA zur Transparenz verpflichten? Warum hat die Schweiz keine Aufsicht, die die FIFA kontrolliert? SRF fragt nicht. Die Schweiz wird als Sitz gerahmt — nicht als Verantwortliche. Das ist Framing: Die Schweiz ist betroffen — die Schweizer Verantwortung existiert nicht.


So funktioniert dieser Beitrag: Er berichtet über Bersets FIFA-Kritik — und rahmt ihn als moralische Instanz, ohne seine Covid-Bilanz zu erwähnen. Er zitiert den Begriff «selektive Moral» — aber wendet ihn nur auf Trump an, nicht auf Berset. Er rahmt den Fussball als Problem — ohne den Prinzipienverlust der Politik zu thematisieren, dessen perfektes Beispiel Berset ist. Er kritisiert Sportwetten bei der FIFA — ohne die Schweizer Glücksspielpolitik zu erwähnen, die Berset mitverantwortete. Er rahmt den Europarat als Wächter der Menschenrechte — ohne zu fragen, ob er während Covid gewacht hat. Er zitiert nur Stimmen, die Berset zustimmen oder vorsichtig warnen — aber keine, die seine Autorität infrage stellen. Er erwähnt die Schweiz als FIFA-Sitz — ohne die Schweizer Verantwortung zu fragen. Wer den Beitrag hört, weiss, dass Berset die FIFA kritisiert, dass Trump intervenierte und dass der Europarat Reformen fordert. Wer wissen will, ob Berset die moralische Autorität hat, die FIFA zu kritisieren, ob er selbst «selektive Moral» anwendet, ob der Fussball nur ein Symptom des politischen Prinzipienverlustes ist, ob die Schweizer Glücksspielpolitik mitverantwortlich ist, ob der Europarat während Covid schwieg und ob es Stimmen gibt, die Bersets Autorität infrage stellen, bekommt keine Antwort — weil die Fragen nicht gestellt wurden. Das ist keine Berichterstattung, das ist eine Moralpredigt — und der Prediger ist ein Mann, der das tut, was er anklagt: Regeln biegen, wenn es opportun ist, und Prinzipien fordern, wenn es opportun ist.

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